Die kleine Teilortgemeinde Sumpfohren ist in mancherlei Hinsicht ein fortschrittliches Dorf. Hier findet man mehr Frauen in verantwortungsvollen Führungspositionen als in vergleichbaren Orten. Seit vielen Jahren steht Ancilla Batsching als Ortvorsteherin ihren „Mann“ und im Musikverein gibt‘s mit der Vorsitzenden Viktoria Batsching und der scheidenden Dirigentin Eva Maria Agostini ebenfalls ausreichend Frauenpower. Aber bemerkenswert ist vor allem, dass die Sumpfohrener Feuerwehr auf Mareike Seiffert als einzige Frau in der gesamten Hüfinger Feuerwehr stolz sein darf.

Mareike Seiffert inmitten ihrer Kameraden bei der jüngsten Hauptversammlung. Unser Foto zeigt (von links) Bernd Steinemann, Michael Steinemann, Mareike Seiffert, Sven Laufer, Albert Wartmann, Andreas Albicker, Stefan Meier, Georg Mellert.
Mareike Seiffert inmitten ihrer Kameraden bei der jüngsten Hauptversammlung. Unser Foto zeigt (von links) Bernd Steinemann, Michael Steinemann, Mareike Seiffert, Sven Laufer, Albert Wartmann, Andreas Albicker, Stefan Meier, Georg Mellert. | Bild: Michael Steinemann

Mit der 31-jährigen Agrarwissenschaftlerin mit Masterabschluss und jungen Mutter aus Norddeutschland verfügt die Wehr über eine ausgebildete Gruppenführerin und Atemschutzträgerin, die trotz ihrer zierlichen Figur alle Einsätze bewältigt. „Frauen können alles, wenn sie nur wollen“, ist sich die zielstrebige junge Mutter sicher und möchte andere Frauen ermuntern, ebenfalls mitzumachen.

Aus Kiel an der Ostsee

Sie stammt aus Kiel an der Ostsee, wo sie als Mareike Göbel mit ihren drei Brüdern aufwuchs. Dabei hatte sie bereits gelernt, sich unter Jungs durchzusetzen, was sicher nicht von Nachteil war. Mit zehn Jahren trat sie zusammen mit ihrem besten Kumpel in die dortige Jugendfeuerwehr ein, in der auch zwei ihrer Brüder bereits waren. Dort ging man spielerisch an die Aufgaben heran, übte aber durchaus schon mal Löschangriffe.

„Wir hatten bereits in der Jugend verschiedene Leistungswettbewerbe, bei denen ich damals sehr viel gelernt habe“, erklärt Mareike Seiffert. Bevor sie in die aktive Mannschaft aufstieg, war sie als erste weibliche Jugendgruppenleiterin in der Kieler Wehr erfolgreich. „In der aktiven Mannschaft war ich wieder die einzige Frau, aber später kamen dann glücklicher Weise einige hinzu. Ich würde mich freuen, wenn ich hier in Hüfingen auch nicht immer allein als Feuerwehrfrau erwähnt würde“, wünscht sie sich.

Ehemann ist mit dabei

Im Studium lernte sie ihren späteren Ehemann Lothar Seiffert kennen, dessen Vater Werner den großen Wiesenackerhof in Sumpfohren bewirtschaftet. Die Hüfinger erinnern sich an den Brand am ersten Advent vor drei Jahren, als hier ein großer Teil des Stallgebäudes abbrannte. Werner Seiffert, selbst in der Feuerwehr Sumpfohren, konnte glücklicher Weise alle seine Milchkühe retten. Der neue Stall vom Wiesenackerhof wurde vergrößert zur neuen Heimat von Mareike Seiffert. Beide Ehepartner verfügen über den Master-Abschluss der Agrarwissenschaften, Mareike arbeitete bis vor wenigen Tagen im Landwirtschaftsamt in Waldshut in der Sachgebietsleitung Betriebswirtschaft. Das Paar hat den eineinhalbjährigen Sohn Till, weiterer Nachwuchs wird demnächst das Licht der Welt erblicken.

Lange Ausbildungszeit

Dass sie in die hiesige Feuerwehr eintritt war für die junge Frau selbstverständlich. Ihr Mann Lother folgte ihr später, da er sich irgendwie dazu verpflichtet fühlte. „Ich wurde ohne Vorbehalte willkommen geheißen, die Eingliederung verlief ganz unproblematisch. Wenngleich auch erst mal unter den Floriansjüngern abgestimmt wurde, ob das für alle in Ordnung wäre“, erinnert sich schmunzelnd Mareike Seiffert. „Dabei geholfen hat mir sicher meine vorherige langjährige Ausbildung, die deutlich umfangreicher ist als bei manch anderen. Da konnte man einfach nicht nein sagen. Heute kann es sich keine Wehr mehr leisten, eine Frau abzulehnen. Schon gar keine, die zur Atemschutzträgerin ausgebildet wurde, denn die sind ständig Mangelware“, weiß Mareike Seiffert.

Von 60 auf drei Einsätze im Jahr

Ihre Gruppenführerausbildung machte sie dann sogleich in Hüfingen. Wenn auch in Kiel einiges mehr los war an Einsätzen als in Sumpfohren, gefällt es ihr hier sehr gut. In ihrer norddeutschen Heimat hatte sie ungefähr 60 Einsätze pro Jahr, hier sind es manchmal nur drei. Dafür kann sie theoretisch alles machen, man kann sie in jeder Position ran lassen. Jetzt im Mutterschutz natürlich gerade nicht, da übernimmt sie nur Aufgaben ohne Gefährdung. „Aber immerhin sorgen wir für genügend Nachwuchs bei der Feuerwehr“, freut sie sich.

Landfrau und Boschenstecherin

„Früher wollte ich schon immer mal was los haben bei der Wehr, doch meine Hörner habe ich mir in Kiel abgestoßen, ich bin jetzt hier ganz zufrieden“, sagt die Power-Frau, die schon lange voll im Dorf integriert ist und sowohl bei den Landfrauen als auch beim Narrenverein Boschenstecher dabei ist.

Die Proben finden immer alle drei Wochen an einem Donnerstag statt. In der Sumpfohrener Feuerwehr gibt es zwei aktiven Mannschaften, eine für jüngere Mitglieder und eine für ältere. Hinzu kommt eine richtige Altersmannschaft. Die Aktiven werden zu allem, was im Ort passiert gerufen, 2019 gab es einen Dachstuhlbrand. Es sind aber keine nennenswerten Großschäden, Sumpfohren verfügt über keine große Industrie, eher handwerkliche und landwirtschaftliche Betriebe.

100 Kilo müssen auch mal sein

In Hüfingen bei einem spektakulären Dachstuhlbrand in der Hochstraße war Mareike Seiffert vor einigen Jahren als Atemschutzträgerin im Einsatz. „Das ist ja nicht ganz ungefährlich, als Frau sollte man darauf achten, dass man in so einem Falle einen kräftigen Mann an der Seite hat. Und man muss auch genügend Muskelkraft einsetzen können, um eventuell einen 100 Kilo schweren Mann aus dem Gebäude zu ziehen“, erklärt sie. Körperliche Fitness ist also bei den Feuerwehrkräften schon gefragt, auch bei den Frauen. Die Uniform ist nicht leicht und noch weniger die entsprechenden Geräte.

„Frauen arbeiten eher mit Köpfchen“

Dass Mareike Seiffert als zierliche Person dennoch ihren Mann steht, hat aber auch einen weiteren Grund. Sie weiß um ihre körperlichen Grenzen. Aber: „Es geht auch hin und wieder ohne Muskelkraft, Frauen arbeiten eben viel mit Köpfchen“, ist sich die junge Feuerwehrfrau sicher. Sie möchte weitere Frauen, egal welcher Altersklasse, Mut machen, mitzumachen, nicht nur in Sumpfohren. Denn Arbeit gibt es genügend, an ganz unterschiedlichen Stellen.