Bei Marianne Bäurer klingelt der Wecker am Freitag dieser Woche schon um halb zwei. Wenn die meisten Menschen immer noch schlafen, wird die 25-Jährige bereits kurz vor Stuttgart sein. Und das nicht mit Bahn und Auto, sondern, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Benedikt Mayer, auf dem Traktor. Die junge Landwirtstochter aus Fürstenberg gehört zu den Organisatoren einer großen Bauerndemonstration, die auf dem Gelände des Cannstatter Wasens ihren Zielpunkt hat.

Noch mehr reisen in Bussen und mit der Bahn an

„Wir rechnen mit 1500 bis 2000 Traktoren, die sich beteiligen“, kündigte Marianne Bäurer am Donnerstag an. Hinzu komme das kaum zählbare „Fußvolk“, das zu einer Kundgebung fährt, zu der das erst Ende Oktober iniitierte und lose organisierte Landwirtebündnis „Land schafft Verbindung“ aufruft. Das Gros der Teilnehmer werde mit der Bahn oder in Bussen anreisen, denn neben der politischen Botschaft gelte es ja, den bäuerlichen Betrieb am Laufen zu halten.

Zwischenhalt um 7 Uhr bei Herrenberg

Landwirte aus ganz Baden-Württemberg werden die Landeshauptstadt aus vier Hauptrichtungen ansteuern. „Und dabei geht es überhaupt nicht darum, den Verkehr zum Erliegen zu bringen“, betont Bäurer. Führt der Weg durch die Stadt werde der Wasen auf direktem Weg angefahren. Kurz vor Stuttgart werden Sammelpunkte angefahren. Für die mehr als 20 Fahrzeuge, die Bäurer mit Zeitplänen und Streckenübersichten versorgt, ist bei Herrenberg um 7 Uhr ein Zwischenhalt eingeplant.

Marianne Bäurer aus Fürstenberg organisiert die Demonstrationsfahrt der Landwirte nach Stuttgart mit.
Marianne Bäurer aus Fürstenberg organisiert die Demonstrationsfahrt der Landwirte nach Stuttgart mit. | Bild: Marianne Bäurer

Doch dort ist ihre Organisationsarbeit bereits getan. „Ich führe meine Gruppe nur bis zum Sammelpunkt nach Villingendorf um 4.30 Uhr.“ Ihre Gruppe umfasst größtenteils Landwirte von der Baar. Sie reihen sich aus Brigachtal und Fürstenberg ebenso wie aus Tannheim, Döggingen oder Dittishausen in den Konvoi ein. Da wird die Nacht zum Tag. Schlepper aus dem Kaiserstuhl werfen schon um Mitternacht die Motoren an, in St. Blasien ist 1 Uhr die Startzeit.

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Diese Strapazen nehmen die Landwirte auf sich, um auf diverse Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. Dabei meint die Organisatorin, dass die Riesenzahl landwirtschaftlicher Fahrzeuge auf den Straßen eine höhere Aufmerksamkeit erregen dürfte, als die Reden in Bad Cannstatt.

Mit Traktoren fahren Landwirte aus ganz Baden-Württemberg am Freitag dieser Woche nach Stuttgart.
Mit Traktoren fahren Landwirte aus ganz Baden-Württemberg am Freitag dieser Woche nach Stuttgart. | Bild: Norbert Försterling

Ihr engagierter Einsatz ist Beruf und Herkunft geschuldet. Die 25-Jährige stammt vom Hof „Heuhäusle“. Dieser Landwirtschaftsbetrieb wird von ihren Eltern Werner und Christa Bäurer bewirtschaftet, ihr Bruder Georg wird den Hof übernehmen. Die Tochter ist ausgebildete Gärtnerin und somit „auch in der grünen Branche tätig“, wie sie anfügt. Auch bei ihr sind Lebensmittelproduktion und Natur tagtägliche Themen.

Seit Herbst ist die Organisation präsent

Bei „Land schafft Verbindung“ beteiligt sie sich, seit diese neue Organisation im Herbst 2019 erstmals in Erscheinung trat. „Das ist aus dem Nichts heraus entstanden. Eine Grundbewegung, mit der sich auch der einfache Landwirt identifizieren kann.“

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Dabei gebe es diverse Gründe, am heutigen Freitag in den Traktor zu steigen. Neue Düngeverordnung, Insektenschutzprogramm, Schuldzuweisungen, oder geringe Wertschätzung: Das seien allesamt Themen, die das bäuerliche Selbstverständnis in der Öffentlichkeit angreifen.

Die Landwirte sind sauer. Sie protestieren in Stuttgart unter anderem gegen das auf Billigpreise ausgerichtete Konsumverhalten.
Die Landwirte sind sauer. Sie protestieren in Stuttgart unter anderem gegen das auf Billigpreise ausgerichtete Konsumverhalten. | Bild: Oliver Willikonsky

Ganz persönlich hat Marianne Bäurer mindestens drei Ärgernisse auf ihrer Agenda. Angefangen bei der Düngeverordnung. Die Verschärfung beruhe auf Nitratmesswerten aus dem Jahr 2012. Wie könne denn der Boden künftig mit einem Fünftel weniger Düngemittel bewirtschaftet werden, ohne den Ertrag zu schmälern? Ferner werde der Landwirt nicht mehr als Lebensmittelproduzent wahrgenommen. „Heute ist er der Sündenbock für Umweltschäden oder das Artensterben.“

„Der Verbraucher sucht sich das Billigste.“

Ihr dritter Kritikansatz sind die Verkaufspreise für Lebensmittel. „Ob Obst, Gemüse, Brot oder Fleisch: Der Verbraucher sucht sich im Laden das Billigste.“ Das stimme bedenklich. Vor allem auch, wenn man sich vorstelle, dass Deutschland, gemessen an der Kaufkraft, mit die niedrigsten Lebensmittelpreis auf der ganzen Welt aufweist.

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