Ob die eigene Wohnstraße in einem gutem Zustand ist, oder man Löcher und Unebenheiten mit vorsichtigem Schwung umkurvt, sind Beobachtungen und Erfahrungen, die beim persönlichen Ranking städtischer Obliegenheiten ganz oben rangieren. Deshalb setzt die Stadt Hüfingen moderne technische Mittel ein, um Zustand und Reparaturbedarf im Vorfeld zu definieren, daraus Priorisierungen von Investitionen ableiten und die Gefahr eines Investitionsstaus zu vermeiden. Das Ergebnis dieser Zustandserfassung liegt vor und wird heute Abend, 19 Uhr, in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats vorgestellt.

Die Problembereiche, sowohl was die zu bearbeitenden Stecken als auch das Schadensmaß anlangt, liegen in der Kernstadt. Für 58,9 Prozent der 24,7 Kilometer im Kernstadtbereich, in Summe 14,5 Kilometer, tickt die Uhr. Sie können noch fünf bis 15 Jahre ohne größere Sanierung befahren werden. Den hohen Anteil erklärt die Sitzungsvorlage mit der städtebaulichen Entwicklung in Hüfingen. Im Wesentlichen handle sich um den Bereich Alemannenstraße/ Ringstraße, einem Stadtteil der vor etwa 40 Jahren erschlossen worden war. Dabei, so die Erläuterung, sei der Belag selbst nach 40 Jahren noch nicht in Auflösung begriffen, das Ende der Nutzungsdauer sei aber erkennbar. Weitere 3,5 Kilometer müssen in den nächsten fünf Jahren repariert werden.

Relativ hoch ist der Sanierungsbedarf auch in Fürstenberg. 2,4 der 5,2 Kilometer auf der Gemarkung sollten in den nächsten 15 Jahren repariert werden. In Mundelfingen entsprechen 2,3 Kilometer von 5,9 Straßenkilometern im Ort dieser Einschätzung. Besser ist der Zustand in Hausen vor Wald. Von 3,7 Straßenkilometern sind ein Kilometer mit erkennbaren Mängeln behaftet, 322 Meter gelten als dringend zu reparieren. Das entspricht einer Quote von 37 Prozent. In Sumpfohren beträgt diese Quote 29,4 Prozent. 1,1 der 2,6 Kilometer sind mittelfristig zu sanieren. Die 1,6 Kilometer in Behla sind im Wesentlichen in Ordnung. Der Sanierungsbedarf beträgt exakt 327 Meter.

Aus dieser Aufstellung ermittelte die Stadt einen Kostenrahmen für die notwendigen Sanierungen der nächsten 15 Jahre. Bei 25,7 Kilometern und einem geschätzten Preis von 740 Euro pro Meter ergibt sich eine Summe von 19 Millionen Euro. Pro Jahr sollen im Schnitt 1,269 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. In den ersten Jahren fünf Jahren fällt diese Summe wegen der anstehenden dringenden Sanierungen höher ausfallen. Die Verwaltung warnt vor einem Investitionsstau und empfiehlt rechtzeitig Rücklagen zu schaffen. Auch dringende Arbeiten am Strom-, Wasser-, Gas- oder Kanalnetz können Sanierungsentscheidungen bedingen.

Die Werkzeuge der Gutachter: Wenn der Regen mithilft

  • Die Aufgabe: Die Stadt Hüfingen muss etwa 45 Kilometer bituminierte Straßen, also Verbindungen mit einem Asphaltbelag unterhalten. Ein solcher Belag ist im Mittel etwa 30 Jahre in Ordnung, unter günstigen Bedingungen können Komplettsanierungen auch erst nach 40 bis 50 Jahren erforderlich sein. Die meisten Asphaltstraßen weist Hüfingen (24,7 Kilometer) auf, die wenigsten Behla (1,6 Kilometer).
  • Die Einteilung: Beurteilt wurden die Straßen nach einer doppelten Kriterienliste. Zum einen ging es bei der Einschätung um die Verkehrswichtigkeit: Von den Durchgangstraßen mit besonderer Bedeutung (1. sehr wichtig) über wichtige Durchgangstraßen (2. wichtig) zu beispielsweise Zufahrten zu abgeschlossenen Stichstraßen (3. nicht so wichtig) und Stichstraßen (4. untergeordnet). Zum anderen wurde der Straßenzustand definert. Von neu (Lebensdauer mindestens 30 Jahre) zu neuwertig (Restnutzung mindestens 15 Jahre), erkennbare Mängel (Restnutzung zwischen fünf und 15 Jahren) und schwere Mängel. Hier sind Reparaturen schon jetzt unwirtschaftlich oder sie sind es in den nächsten fünf Jahren.
  • Die Einschätzung: Die Beurteilung der Restnutzungsdauer gründet sich zunächst auf die Erfahrung des Bauamtsleiters. Diese Stelle ist für en Rest des Jahres allerdings vakant. Zur Untersuchung befahren wurden die Straßen jeweils, als die Oberflächen kurz nach Regenereignissen fast wieder abgetrocknet waren. Für einige Stunden werden dann vorhandene Risse sichtbar, da sich dort die Feuchtigkeit länger hält. Mit Erfahrung kann aus dem Rissbild die Schadensursache, Probleme im Unterbau oder Alterung des Belags, sowie eine grobe Restnutzungsprognose erstellt werden.