Sich selbst helfen und nicht darauf warten, ob und dass die Stadt etwas unternimmt – das gehört mit zu den Zielen der Hüfinger Bürgerstiftung. Die hatte am Dienstagabend Grund zu feiern: Bereits seit zehn Jahren gibt es sie, wirkt sie in der Stadt. Gefeiert wurde das in der Rathausgalerie, mit Festreden und vor allem: Mit Geschichten von Bürgern, die Anekdoten vergangener Erlebnisse zum Besten gaben – die sogenannten Hifinger Gschecht(li). Die sind mittlerweile auch auf DVD erhältlich und wurden bei der Feier erstmals verkauft.

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Bürgerstiftungs-Vorsitzender Thomas Liebert hat sich seine Amtskollegen aus der Region einmal genauer angeschaut und dabei etwas Interessantes festgestellt. <br /><em>Bild: Guy Simon</em>
Bürgerstiftungs-Vorsitzender Thomas Liebert hat sich seine Amtskollegen aus der Region einmal genauer angeschaut und dabei etwas Interessantes festgestellt.
Bild: Guy Simon | Bild: Simon, Guy

"Wir können heute auf eine funktionierende Bürgerstiftung blicken und mussten nicht, wie andernorts, den Zehnjahresversuch wegen fehlender Spendengelder absagen", sagte Thomas Liebert, Vorsitzender der Hüfinger Bürgerstiftung.

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Stammkapital weiter ausgebaut

Vor etwa elf Jahren habe der damalige Bürgermeister Anton Knapp begonnen, für die Gründung einer entsprechenden Stiftung zu werben, die sich um Themen und Belange kümmere, für die die städtische Verwaltung nicht zuständig sei oder sein können. "Es ging auch darum, das Wohl der Hüfinger Bürger noch mehr zu versüßen, auf der 'Insel der Glückseligen', wie die Stadt schon mal genannt wird", so Liebert. Knapp habe es schließlich geschafft, durch Spenden und einen Zuschuss von 25 000 Euro von der Stadt, das nötige Gründungskapital aufzutreiben. "Die Bürgerstiftung konnte am 23. Oktober 2008 mit einem Gründungskapital von 124 738 Euro ins Leben gerufen werden", so der Vorsitzende. In den vergangenen Jahren sei es schließlich gelungen, das Kapital um 43 300 Euro auf aktuell 168 000 Euro zu erhöhen. Über 30 Projekte aus verschiedenen Bereichen habe man gefördert und dabei 24 500 Euro nachhaltig "für das Wohlsein der Hüfinger Bürger investiert."

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Schwierige Phase

Aufgrund der aktuellen Situation in der Finanzwelt sei es jedoch momentan wichtig, das Kapital zu sichern. "Das ist uns bisher immer gelungen und durch weitere Zustifter, die für uns gerade in dieser Phase sehr wichtig sind, konnten wir unser Kapital sogar über die Inflationsrate hinaus steigern", sagte Liebert.

Projekte für den Bürger

"Dass eine Stadt eine Bürgerstiftung hat, das strahlt auch Bürgerstolz aus", sagte Bürgermeister Michael Kollmeier bei der Feier. Er verknüpfte die Arbeit der Stiftung auch mit Erkenntnissen, die sich beim ersten Hüfinger Zukunftsdialog ergaben: "Vieles, was den Bürgern wichtig ist, sind auch die Ziele der Stiftung: Kinder- und Jugendarbeit, Bildung, Umwelt- und Naturschutz, Kultur, Altenhilfe, Sport- und Gesundheitswesen", so Kollmeier. Wichtig sei die Frage, was im Zeitalter der Globalisierung die Welt zusammen halte: "Dazu zähle ich auch die Hifinger Gschechtli. Sie stehen für ein Lebensgefühl hier in der Stadt.

America first als Gegenteil

Ähnlich formulierte es auch der Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei: "Die Gefahr ist, dass die Bindung zum Heimatort verschwindet. Die Aussage 'America first' ist im Grunde ihres Gedankens das Gegenteil der Bürgerstiftung." Das zehnjährige Bestehen sei nicht in Jahren zu bemessen, es müsse hier in Generationen gedacht werden.

Die Hifinger Gschecht(li) jetzt auf DVD

33 Geschichten sind es, die auf einer DVD zu finden sind, die es jetzt für 15 Euro zu kaufen gibt. Drei davon gab es bei der Geburtstagsfeier der Bürgerstiftung als kleine Kostprobe zu hören.

  • Otto Böhm: Er berichtete vom Stadtbock, zu dem früher die Geissen gebracht wurden, um gedeckt zu werden. "Eines Tages stand der Bock auf der Straße. Dort wurde er entdeckt und zu uns in den Stall gebracht – wo vier Geissen waren", erzählte Böhm. Als am nächsten Tag seine Mutter hineinkam, habe der Bock erschöpft in der Ecke gelegen. Wie sich herausstellen sollte, waren daraufhin alle Geissen schwanger.
  • Adolf Baumann: "In Mundelfingen gab es einen großen Pfarrhof. Und darin gab es eine sogenannte Kaspar-Hauser-Kammer", sagte Baumann. Der Pfarrer habe nichts darüber erzählt. "Ich bin mir sicher, Hauser war auch mal in Mundelfingen", so Baumann. Hauser tauchte 1828 in Nürnberg als rätselhafter Findling auf. Schnell vermutete man, er sei Spross eines Adelsgeschlechts, nämlich des Hauses Baden, und sei durch ein Komplott als Kind weggekommen und eingesperrt worden. "Pfarrer Engesser war aus Fürstenberg und hat davor als Staatssekretär im badischen Innenministerium gearbeitet. Er rief schließlich eine Stiftung ins Leben, sodass alle Kinder in Mundelfingen ab 1860 keine Schulbücher mehr selbst kaufen mussten", so Baumann. Noch heute bekomme jedes Kommunionskind in Mundelfingen ein Gotteslob von der Gemeinde geschenkt.
  • Eva von Lintig: "Wo ich jetzt sitze, war in meiner Jugend mein Schlafzimmer", begann Von Lintig. Sie und ihre Familie hatten ihre Wohnung im Rathaus. "Als Kinder kannten wir dort alle Leute und sind durchs Rathaus spaziert, als ob es selbst unsere Wohnung wäre. Die Sekretärinnen kamen bei uns in der Küche vorbei, um einen Kaffee zu trinken." Wenn es ums Einkaufen ging, habe die Mutter die Kinder zum Rechner Max Gilly geschickt, dort haben sie dann gesagt: "He, wir brauchen zehn Mark zum Einkaufen." Schließlich habe die Mutter auf den Tisch gehauen und Haushaltsgeld gefordert. "Das hat geklappt, als der nächste Besuch lediglich Pfannkuchen mit Marmelade zu essen bekam."

Die DVD mit den Hifinger Gschecht(li) gibt es zu kaufen bei: Fußpflege Skodell, Weinhaus Baum, dem Stadtmuseum und im Rathaus