In Europa ist eine gute Wasserversorgung Standard und keiner braucht sich den Kopf zerbrechen, ob morgen noch sauberes Wasser aus der Leitung sprudelt. Doch sauberes Trinkwasser ist für 768 Millionen Menschen weltweit ein großes Problem. Sie sind gezwungen, ohne Zugang zu sauberem Wasser zu leben. Das ist für viele von uns unvorstellbar.

Pfarrer Augustus Izekwe stammt aus Nigeria und unterstützt seit dem Jahr 2016 Pfarrer Manuel Grimm in der Seelsorgeeinheit Auf der Baar in vielen Bereichen. In seiner Heimatgemeinde im Südosten des Landes im Bundesland Imo muss die Bevölkerung ohne sauberes Trinkwasser klar kommen. Die Menschen sind auf das Regenwasser oder die weiter entfernten wenige Wasserquellen angewiesen. Um an brauchbares Wasser zu gelangen, muss die Bevölkerung etwa dieses aus mehr als fünf Kilometer Entfernung holen oder es aus einem Tanklastwagen teuer kaufen. Denn der Staat sorgt sich nicht um die Wasserversorgung seiner Bevölkerung.

Arbeitsgruppe gegründet

Das war Anlass für Pfarrer Grimm und sein Pastoral-Team darüber nachzudenken, wie man der heimatlichen Kirchengemeinde St. Aloysius Parish von Pfarrer Augustus helfen könnte. So wurde im Hüfinger Pfarrgemeinderat beschlossen, eine Arbeitsgruppe für ein Brunnenprojekt zu gründen. Schnell fanden sich im Herbst 2017 acht Personen, die hier in Deutschland alles Nötige für den Bau eines Brunnens auf den Weg brachten. Pfarrer Augustus hatte die notwendigen Kontakte, Heike Erat koordinierte das Vorhaben.

Das Hilfsprojekt hat sich in der Seelsorgeeinheit rasch herumgesprochen, es wurde ein informativer Flyer gedruckt, der in allen Kirchen ausgelegt wurde. "Die Resonanz war überwältigend. Viele Firmen, Schulen und private Helfer haben das Projekt unterstützt. Sogar eine Spende statt eines Geburtstagsgeschenkes waren darunter", freut sich Heike Erat über den dauerhaften guten Zuspruch auf das Spendenkonto.

Tiefe Bohrung geht ans Geld

Die Bohrung des ersten von insgesamt drei Brunnen hat die Kosten in die Höhe getrieben. Rund 200 Metern wird hier das Grundwasser nach ...
Die Bohrung des ersten von insgesamt drei Brunnen hat die Kosten in die Höhe getrieben. Rund 200 Metern wird hier das Grundwasser nach oben gepumpt. Dafür muss auch ein neues Aggregat angeschafft werden. Seit einem Jahr sprudelt nun das Wasser aus dem ersten Brunnen.

Schon im Januar 2018 konnte mit der ersten Bohrung begonnen werden. Und diese ging ganz schön in die Tiefe und somit auch ans Geld. Erst in knapp 200 Metern Tiefe ist man auf das begehrte Wasser gestoßen. Pfarrer Augustus war vier Wochen mit vor Ort und bereits im Februar war der Brunnen mit einem neuen Generator ausgestattet und konnte eingeweiht werden. Hier können nicht nur die Menschen in der Gemeinde, die Kinder im Kindergarten und in der Grundschule von dem sauberen und kostenlosen Wasser profitieren, sondern alle Menschen. Rund 14 500 Euro kostet der erste Brunnen samt neuem Generator. Doch die finanziellen Spenden reichten sogar noch für einen zweiten Brunnen, der später im etwa zehn Kilometer entfernten Dorf gebaut wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein dritter ist nun noch im Bau. Er soll die neu gebaute Trinita Universität im Bundesland Imo mit sauberem Wasser versorgen. Dieser Brunnen war nicht so teuer, da hier nicht so tief gebohrt werden musste. Eine ortsansässige Firma hat die Arbeiten vorgenommen. "Damit ist unser Brunnenprojekt abgeschlossen, denn es ist schwierig, dieses nachhaltig zu fördern", erklärt Heike Erat.

Die Freude ist riesig, als Pfarrer Augustus im Juni 2018 den zweiten Brunnen im benachbarten Dorf einweihen kann. Auch hier erhält die ...
Die Freude ist riesig, als Pfarrer Augustus im Juni 2018 den zweiten Brunnen im benachbarten Dorf einweihen kann. Auch hier erhält die Bevölkerung kostenlos gutes Wasser für hoffentlich viele Jahre. In der Mitte Monsignore Patrick Obinabu, daneben Pfarrer Augustus während der Feier.

Land mit vielen Problemen

"Das Land Nigeria hat viele Probleme, weil nicht die richtigen Personen die Ämter besetzen. Unser Hauptproblem ist die Politik", fügt Pfarrer Augustus hinzu, der jedes Jahr seine Heimat im Urlaub besucht. Das Land ist politisch unsicher, korrupt, es fehlt die politische Führung. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas mit knapp 200 Millionen Einwohner wird von vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen bewohnt. Etwa die Hälfte sind Muslime, die andere Hälfte Christen.

"In Nigeria regnet es vorwiegend von Mai bis in den August. Doch auch hier ist der Klimawandel zu spüren. Das Regenwasser reicht nicht für die vielen Menschen, die Behälter sind kaputt und das Wasser ist verschmutzt", informiert Pfarrer Augustus. Außerdem enthält das verunreinigte Wasser Krankheitserreger und kann deshalb zu lebensbedrohenden Krankheiten führen. Besonders betroffen sind dabei Kinder und ältere Menschen.