Die Nachricht des Tages: Hüfingen ist jetzt offiziell Fairtrade-Town in Deutschland und spielt in einer Liga zusammen mit London, Manchester, Rom, Paris, Kopenhagen, Madrid und München. Diese Metropolen sind ebenfalls Fairtrade-Städte. Manfred Holz ist als Fairtrade-Ehrenbotschafter von Tansfair für die Fairtrade-Kampagne unterwegs und reiste jetzt mit der Bahn aus Wuppertal nach Hüfingen, im Gepäck die Auszeichnungsurkunde Fairtrade-Stadt Hüfingen.

„Solch einen Titel bekommt man nicht geschenkt, die gestellten fünf Anforderungen sind recht hoch, aber erfüllbar“, resümiert Holz von Transfair. „Es braucht Zeit, bis wir Konsumenten das Gütesiegel nicht als gelegentliches Beruhigungsmittel für das eigene Gewissen verstanden haben. Fairer Handel lebt vom Handeln.“ Als reichste Industrienation stehe man in der Pflicht, einen konkreten Beitrag gegen Armut zu leisten. Wenn auf der Welt so viel geteilt würde, wie bei Facebook, dann gäbe es keine Armut, ist sich Holz sicher.

1992 wurde der Verein Tansfair gegründet. Das Ziel der aus 36 Mitgliedern bestehenden Organisation, wie Brot für die Welt, Misereor, Welthungerhilfe, Unicef und Kolping, besteht darin, dass ein einheitliches Siegel sowie verbindliche Standards des fairen Handels einen stabilen Preis, Klima- und Umweltschutz garantieren.

Fairtrade wächst in Deutschland im Jahr 2014 um 26 Prozent, der Umsatz betrug rund 827 Millionen Euro, heißt es in einer Mitteilung. Inzwischen gebe es fast keinen Laden mehr in Deutschland, der gar kein Fairtrade-Produkt anbietet. Kaffee ist mit mehr als 16 000 Tonnen das wichtigste Produkt, gefolgt von Bananen und Blumen. Jede vierte Rose in Deutschland sei fair gehandelt und könne in 22 000 Verkaufsstellen, nun auch in Hüfingen, erworben werden. Deutschland sei hier Weltmarktführer. Durch den Kauf von fairen Produkten werde keine Spende oder gar Almosen gegeben, sondern der Käufer leiste einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Anbau- und Produktionsländern. „Fairtrade ist also der Versuch, Elend und somit Fluchtursachen zu bekämpfen, bevor diese entstehen“, so Manfred Holz.

Gerhard Bronner vom Umweltbüro des Gemeindeverwaltungsverbandes erläuterte in seiner Ansprache deutlich die Fluchtursachen der derzeitigen Flüchtlingskrise in der europäischen Union. Wenn Menschen in Entwicklungsländern für sich und ihre Familien keine Perspektive mehr sähen und sich Millionen von Binnenflüchtlingen auf den Weg machten, so liege das immer häufiger an Klimaveränderungen, Kriegen und mehrjährigen Dürrezeiten. Bestimmte Eigenschaften der internationalen Handelsbeziehungen führten dazu, dass Menschen nach Deutschland kommen. Die Gestaltung fairer Handelsbeziehungen, bei denen der Vorteil nicht nur bei einer Seite liege, sei eines der wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen. Nicht ganz einfach war es, für das Siegel Fairtrade-Town die externen Partner zu gewinnen. Und um nicht im eigenen Saft zu schmoren, habe Hüfingen mit dem Weltladen Donaueschingen eine Vereinbarung getroffen, wonach der Verein Stichproben bei den Beschaffungsvorgängen der Stadt macht. Zusätzlich präsentiert der Weltladen Donaueschingen seine fairen Produkte jeden ersten Donnerstag im Monat auf dem Hüfinger Wochenmarkt. Bürgermeister Anton Knapp freut sich außerordentlich über die Anerkennung, als Fairtrade-Town angekommen zu sein.

„Dies ist für uns aber kein Abschluss des Projektes, sondern eine Zwischenstation auf einem längeren fairen Weg in eine Welt“, gibt der Hüfinger Rathauschef die Order aus. Er dankte dem Lucian-Reich-Schulchor unter Leitung von Sandra Heinz für die gelungene musikalische Umrahmung des kleinen Festaktes. Die Klasse 6b fasst das bisherige faire Engagement der Schülerinnen und Schüler zusammen und gab einen Ausblick auf weitere Fairtrade-Aktionen. Die Catering AG der Gemeinschaftsschule servierte allen Gästen einen köstlich fairen Brunch. Der Weltladen Donaueschingen präsentierte eine faire Produktpalette. Die Kinder- und Jugendbibliothek Hüfingen informierte mit Büchern und DVDs zum Thema.