Als Mario Isele, zuständig für die katholischen Kindergärten in Hüfingen, um kurz vor 20 Uhr den Sitzungssaal betrat, war die Entscheidung schon gefallen. Eigentlich wäre ja der Tagesordnungspunkt "Zukunft der Orteils-Kindergärten" am Ende der Gemeinderatssitzung an der Reihe gewesen. Doch das Interesse war so groß, dass nicht nur kaum noch Platz im Sitzungssaal war, sondern auch Bürgermeister Anton Knapp kurzerhand entschied, den Tagesordnungspunkt nach vorne zu verlegen. Und so mussten die zahlreichen Zuhörer nur gut eine Stunde auf die Entscheidung für eine zentrale Kindertagesstätte in Behla warten. Die restlichen Ortsteil-Kindergärten bleiben solagen erhalten, wie zu Beginn des Kindergartensjahres mindestens zwölf Kinder die Einrichtung besuchen.

  • Anton Knapp (Bürgermeister): "Es ist eine Entscheidung für die Stärkung der Ortsteile." Denn wäre alles so belassen worden, wie es aktuell ist, hätte das zur Folge gehabt, dass spätestens in fünf Jahren die Strukturen in der Kernstadt ausgebaut hätten werden müssen, weil Eltern die flexibleren Betreuungszeiten benötigen, ihre Kinder dort angemeldet hätten. Dann hätte es für die Orteile überhaupt keine ortsnahen Möglichkeiten mehr gegeben.
  • Franz Albert (CDU): "Bildung ist uns wichtig. Auch die frühkindliche Bildung", so der CDU-Fraktionssprecher. Der Bedarf nach verlängerten Öffnungszeiten sei auch auf den Ortsteilen vorhanden.
    Aber dieses Angebot in jedem der fünf Kindergärten einzurichten, könnte sich Hüfingen nicht leisten.
  • Kerstin Skodell (SPD): "Ein gutes Betreuungsangebot steht für uns an erster Stelle." Das würde eine familienfreundliche Kommune auszeichnen und mache auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich. Mit der zentralen Kindertagesstätte hätten nun alle Ortsteil-Eltern die Möglichkeit, flexible Betreuungszeiten zu nutzen. Zwei Dinge sind für die SPD-Fraktion wichtig: Dass durch die Umstrukturierung keine Arbeitsplätze von Erzieherinnen eingespart werden und dass eine gute Lösung für die anderen Ortsteile gesucht werde. In Sumpfohren biete sich das heilpädagogische Konzept an. In Hausen vor Wald sei nun die Grundschule gesichert und Fürstenberg habe touristische Vorzüge, die nun ausgebaut werden könnten.
  • Adolf Baumann (FW/FDP/UWV): "Wir sind uns bewusst, was es für einen Ortsteil bedeutet, wenn ein Kindergarten geschlossen wird." Aber der Gemeinderat müsste auch gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht werden. "Wir haben uns das nicht leicht gemacht. Aber wir wollen in die Zukunft schauen und nicht in die Gegenwart", sagt Baumann.
  • Christoph Riegger (CDU): "Klar tut es weh, wenn wir in Hausen vor Wald eine 88-jährige Einrichtung verlieren. Aber was sollen wir machen, wenn wir keine Kinder mehr haben."
  • Reinhard Isak (SPD): "Die Notwendigkeit einer zentralen Kindertagesstätte ist wohl am wenigsten umstritten." Die Entscheidung sei nötig, denn wenn alles so belassen werde, wie es ist, dann würden die Kindergärten auf den Ortsteilen langsam "austrocknen".