Blickt der Biotopbeauftragte der Stadt Hüfingen, Peter Marx, auf das zurückliegende Arbeitsjahr, so waren es vor allem die Gewässerrandstreifen, die seine Aufmerksamkeit benötigten. Nicht weniger als vier Hektar Wiesen- und Ackerrandflächen auf einer Gesamtlänge von acht Kilometern, die bisher privat bewirtschaftet wurden, gehören nun der Stadt. Das auf 25 Jahre angelegte Ökoprojekt geht auf gesetzliche Vorgaben zurück und steht nun, so Bürgermeister Michael Kollmeier jüngst im Gemeinderat, als klassische Win-win-Situation: ein Ergebnis, das der Stadt, den bisherigen Eigentümern und der Natur hilft.

2017 hat Baden-Württemberg im Wasserhaushaltsgesetz die Nutzung des fünf bis zehn Meter breiten Geländestreifens ab Böschungsoberkante strenger definiert. Verboten ist der Einsatz und die Lagerung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in einem Bereich von fünf Metern Breite. Eine ackerbauliche Nutzung ist dieser Zone seit 2019 verboten. Den Besitzern auferlegt wird in bestimmten Bereichen die Aussaat geeigneter Pflanzen.

Viel Infoarbeit nötig gewesen

Das sind in der Summe Änderungen, die Landwirten mit Grundbesitz und Pächtern die Gewässerrandstreifen wenig attraktiv machen. Deshalb hat die Stadt Hüfingen begonnen, die Gesetzesänderung in ihre ökologischen Anstrengungen einzubinden. Die Besitzer wurden auf einen Verkauf ihrer Gewässerrandflächen angesprochen.

Es habe in dieser Zeit viel Infoarbeit benötigt, würdigte Kollmeier den sehr überzeugenden Einsatz, der im Wesentlichen auf Peter Marx zurückging. In der Summe waren es 30 Besitzer, die ihre Flächen an die Stadt Hüfingen abtraten. Sieben hätten es getan, wenn die praktische Umsetzung möglich gewesen wäre. Fünf Grundstücksbesitzer ließen sich nicht auf einen Handel mit der Stadt ein. Sie kümmern sich künftig selbst um ihre Flächen.

Peter Marx hat in diesem Frühjahr zwei artenreiche Blumenwiesen angesät, die nun in voller Blüte stehen. Die Wildblumen dienen als Bienen- und Insektennahrung, neben Schmetterlingen finden hier auch Wildtiere und Vögel Rückzugs- und Brutmöglichkeiten.
Peter Marx hat in diesem Frühjahr zwei artenreiche Blumenwiesen angesät, die nun in voller Blüte stehen. Die Wildblumen dienen als Bienen- und Insektennahrung, neben Schmetterlingen finden hier auch Wildtiere und Vögel Rückzugs- und Brutmöglichkeiten. | Bild: Gabi Lendle

2017 konnte die Stadt Vorverträge abschließen. Im Jahr 2018 ging laut Marx viel Zeit aufs Ansäen, aber vor allem auch die Vermessung der idealerweise durchgängigen Flächen. 30 Verträge bedingen 30 Grundbucheinträge. Die Notartermine seien gesetzt, sagte Kollmeier im Gemeinderat. 160 000 bis 180 000 Euro möchte die Stadt Hüfingen für die Ökomaßnahme ausgeben. Die damit verbundenen Ökopunkte wandern aufs Ökokonto, sobald die Stadt ihren fiskalischen Part erfüllt hat.

Das Ökokonto ist eine Art freiwilliges Sparbuch für Naturschutzmaßnahmen. Ein Plusbetrag gleicht Eingriffe in die Natur an anderer Stelle aus: Etwa wenn ein Baugebiet an den bestehenden Siedlungsbestand angegliedert wird. Die Ökodimension der Gewässerrandstreifen-Neuordnung erschließt sich aus den Zahlen. 360 000 Ökopunkte winken der Stadt als Einnahme. Beim neuen Baugebiet in Mundelfingen werden 150 000 Ökopunkte als Ausgabe veranschlagt.

Gewässer werden wieder naturnah

Bleibt die Natur. Die Gewässer werden wieder naturnah gestaltet. Weil in Ufernähe keine Spritzmittel verwendet werden dürfen, steigt die Wasserqualität. Und nicht zuletzt steige auch "die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen", nennt Marx die Umweltvorteile.

Zu dem umfassenden Katalog im vergangenen Jahr durchgeführter und in diesem Jahr geplanter Naturschutzmaßnahmen, den der pensionierte Forstbeamte Marx im Gemeinderat vorstellte, gehört auch die Obstbaumpflege. Denn es genüge beileibe nicht, Obstbäume zu pflanzen, so die Botschaft hinter der Aufwandsübersicht. So benötigen auf der Gesamtgemarkung der Stadt 80 junge Bäume einen Erziehungsschnitt. Den kann der Bauhofgärtner binnen 30 Minuten je Baum erledigen.

Beim Schnitt von rund 40 älteren Bäumen sieht das schon anders aus. Hier widmet sich ein Fachmann drei bis vier Stunden lang einem einzelnen Baum. Neuanpflanzungen sind 2019 nicht vorgesehen. Auch aus der Erfahrung des vergangenen Jahres. "Wir hatten so hohe Erträge, dass wir die Ernte gar nicht weggebracht haben."

Bei einer Pflegemaßnahme im Hammeltal setzt Peter Marx Büsche und Sträucher "auf den Stock".
Bei einer Pflegemaßnahme im Hammeltal setzt Peter Marx Büsche und Sträucher "auf den Stock". | Bild: Gabi Lendle

Seit 20 Jahren ist Marx Biotopbeauftragter. Die Zusammenarbeit mit dem Forst, dem er 37 Jahre als Forstamtsleiter vorstand, und dem Bauhof bezeichnet er als ausgezeichnet. "Wir sind ein gutes Team." Und dennoch dürfe die Arbeit nicht mehr werden, beendete er seinen Bericht. "Ich bin noch richtig motiviert, aber ich bin auch auf starke Mithilfe angewiesen", sagte er. Auch deshalb, weil sich Arbeit und Umfang gewandelt hätten.

Peter Marx komme stets mit festen Vorstellungen ins Rathaus, lobte Bürgermeister Michael Kollmeier den Einsatz des früheren CDU-Gemeinderats. Und wenn es Diskussionen gebe, dann kreisten sie nie um fachliche Fragen sondern lediglich um die Umsetzung. Christof Faller (CDU) warnte, dass die Zunahme von Pflegemaßnahmen die Stadt immer mehr in Anspruch nehme. Er stellte Zweifel auf, ob die Jagd auf Ökopunkte tatsächlich so sinnvoll sei und nannte den Wunsch, einen aktuellen Kontostand des Ökopunktekontos zu bekommen.

Riegger stellt das System infrage

Es sei sehr gut, dass sich jemand intensiv mit dieser Materie befasse, umkleidete Kerstin Skodell (SPD) ihren Dank an Peter Marx. Der Bericht sei so komplex wie der Leistungsumfang, schloss sich Adolf Baumann (FW/FDP/UWV) an. Die detaillierten Ausführungen schafften Vertrauen auf allen Seiten. Negativ bewertete Christoph Riegger das Verfahren. Der CDU-Rat sagte, über den Ankauf der Gewässerrandstreifen werde derjenige belohnt, der später in die ökologische Landwirtschaft einsteigt. Gelackmeiert sei aber jeder, der vorher schon die Landwirtschaft gepflegt hat.