Hüfingen – Der erste Eindruck ist gespenstisch und erschreckend. Am hinteren Rand des Fußballplatzes an der Seemühle stehen sechs bis sieben Laubbäume ohne jegliches Blattwerk, dafür aber über und über mit weißem Gespinst überzogen. Von der Ferne könnte man meinen, es hat nur auf diese einzelnen, kahlen Laubbäume geschneit.

Die Identifikation ohne Blätter ist schwierig, doch Umweltberater Gerhard Bronner kann vor Ort die Bäume mit Sicherheit als Traubenkirschen bestimmen. Und was ist mit ihnen geschehen? Kleine Ursache – große Wirkung: Die Traubenkirschengespinstmotte, besser gesagt die Raupen dieser Nachtfalter, mögen die Blätter dieser Baumart zum Fressen gern. Und so haben sie den kompletten Baum kahl gefressen, bis kein Blatt mehr übrig blieb. In ihren weißen Gespinsten sind sie sicher vor ihren Feinden, den Vögeln. Denn die mögen diese klebrige Masse nicht. Sicher eingehüllt werden sie sich in den nächsten Tagen verpuppen und zu unzähligen harmlosen Nachtfaltern entwickeln, die nur eine Sommersaison am Leben bleiben. Zuvor legen sie jedoch mit winzigen Eiern an dieser Baumart den Lebensstart für die nächste Generation. Als Larven überstehen diese den Winter.

"Um den Baum braucht man sich keine Sorgen zu machen, denn mit dem Johannistrieb um den 20. Juni, dem zweiten Blatttrieb in einer Saison, treibt die Traubenkirsche neu aus und trägt wieder ihr gewöhnliches Blätterkleid", versichert Gerhard Bronner. Der kräftige Johannistrieb kompensiere Fraßschäden und sei für die Forstwirtschaft von großer Bedeutung. Sowohl die Raupen als auch die kleinen Nachtfalter, die man an ihren silbrig-weißen Flügeln mit den schwarzen Tupfen erkennt, sind für den Menschen absolut harmlos. "Sie lösen keinerlei Allergien aus wie zum Beispiel der Prozessionsspinner", weiß Bronner zu beruhigen. In ein paar Wochen ist der Zauber sowieso vorbei, denn dann sind die kleinen Motten unterwegs und sterben im August. Vor ihren Feinden, den Vögeln, sind die Raupen in dem Gespinst geschützt, vor der Skorpionsfliege allerdings nicht.

"Solche Massenvermehrungen wie hier kann man alle paar Jahre feststellen, das hängt von mehreren Faktoren wie auch dem Klima ab", erklärt Umweltberater Gerhard Bronner. Allerdings sind nicht alle Traubenkirschen befallen, gerne suchen die ungefährlichen kleinen Schmetterlinge Auwälder und Bachufer mit Gebüschen auf. Neben dieser Art gibt es noch andere kleine Gespinstmotten, die sich auf Weißdorn, Pfaffenhütchen und Schlehe spezialisieren. Die ersten Frühjahrtriebe schmecken den kleinen Raupen immer am besten.

Spaziergänger, die sich gerne zwischen dem Sportgelände und der Breg an dem Naturteich aufhalten, brauchen sich also keine Sorge zu machen. Die Natur regelt alles bestens von selbst.

Die Gespinstmotte

Die Falter haben eine Flügelspannweite von 16 bis 25 Millimetern. Die Vorderflügel sind silbrig weiß und weisen fünf Längsreihen von feinen schwarzen Punkten auf. Man findet diese Art in fast ganz Europa von den Flussniederungen bis zur Laubwaldgrenze in Auwäldern, an Bachufern mit Gebüschen und Bäumen sowie in Gärten und Parkanlagen, heißt es auf Wikipedia.