War es Darstellung oder Wirklichkeit? Lediglich anhand der Gäste, die wegen der zahlreichen Foto-Motive ihr Handy zückten, ließ sich erahnen, dass Römer, Alamannen und Kelten lediglich als Mitwirkende beim diesjährigen Römerfest an der Badruine waren. An zwei Tagen boten sie die Gelegenheit, eine historische Reise in die Zeit vor knapp 2000 Jahren zu unternehmen, in der genau an derselben Stelle römische Soldaten mit ihren Familien die militärische und zivile Siedlung "Brigobannis" bevölkerten.

Hier schlugen nun nach dreijähriger Pause auf der Festwiese Legionäre, Soldaten, Gladiatoren sowie Händler und Handwerker und deren Angehörige samt Kindern ihr Lager auf, um den Gästen eine authentische Darstellung der Lebenskultur aus der Römerzeit zu vermitteln. Allerdings wurden sie dabei von der ungemütlichen, kühlen und feuchten Witterung überrascht, sodass manche der hartgesottenen Männer und Frauen die Übernachtung in einer neuzeitlichen Herberge bevorzugten.

Der Einzug der Gladiatoren, Römer, Alamannen und Kelten bildet einen sehenswerten Höhepunkt beim Römerfest. Die Festwiese mit der Badruine und dem Pavillon bildet die perfekte Kulisse für diese Zeitreise in die Antike. <em>Bilder: Gabi Lendle</em>
Der Einzug der Gladiatoren, Römer, Alamannen und Kelten bildet einen sehenswerten Höhepunkt beim Römerfest. Die Festwiese mit der Badruine und dem Pavillon bildet die perfekte Kulisse für diese Zeitreise in die Antike. Bilder: Gabi Lendle

Das Gelände rund um die Badruine mit einer großen Wiese bietet seit Jahren die passende Kulisse für das Familienfest, bei dem Menschen aller Altersklassen Historie zum Anfassen erleben können. Bei den lebensechten Darstellungen des römischen Alltags im Lager- und Soldatenleben gerät man automatisch ins Staunen und Wundern, denn schon in der Antike war die Kultur hoch entwickelt. Mit einem Programm voller Aktionen und Höhepunkten wurde den Besuchern ein erlebnisreicher und unterhaltsamer Geschichtsunterricht geboten.

Wiese als Schlachtfeld

Aufregung herrschte stets, wenn sich die Wiese vor dem Waldrand in ein Schlachtfeld verwandelte, auf dem Legionäre und Gladiatoren in Original-Kleidung und Ausrüstung aufmarschierten und gegeneinander antraten. Das beeindruckende Spektakel mit den international bekannten Gruppen begeistert immer wieder aufs Neue. Die LEGIO XI CPF aus der Schweiz kommt schon seit vielen Jahren zu diesem Anlass nach Hüfingen und fühlt sich hier bereits heimisch. Unterhaltsam dokumentieren sie ihre Handlungen, klären bereitwillig auf und animieren Kinder, ja sogar Mütter, gegen ihre Legionäre in den Kampf zu ziehen. Eine Gaudi die beim Publikum bestens ankommt.

Zum ersten Mal bevölkerten Gladiatoren der Gruppe Amor Mortis aus Nordrhein-Westfalen das römische Lager- und Soldatenleben. Daneben haben die Kelten und Alamannen ihr Lager aufgeschlagen, die mit ihren sagenumwobenen Gestalten sowie einem stattlichen Druiden an faszinierende Geschichten dieser Epoche erinnern.

An zahlreichen Ständen und Zelten kann man das römische Handwerk bewundern, das bereits vor rund zweitausend Jahren einiges an schönen und praktischen Dingen zu bieten hatte.
An zahlreichen Ständen und Zelten kann man das römische Handwerk bewundern, das bereits vor rund zweitausend Jahren einiges an schönen und praktischen Dingen zu bieten hatte.

Der Einzug der Gladiatoren, Römer, Alamannen und Kelten bestach durch seine einmalige Darstellung. Doch nicht nur die Schaubilder mit Kampfvorführungen und Aufmärschen gaben Einblick, wie die Römer einst hier lebten: Ein bunter Markt mit verlockenden Düften, jede Menge Handwerk und Handel vermittelte Staunen darüber, wie weit damals die Lebenskultur schon fortgeschritten war.

Leckere Zutaten werden in der römischen Garküche mit Ausschank (Caupona) zu einfachen kleinen Gerichten verarbeitet. Diese werden zusammen mit einem Glas Wein genossen. Tratsch und Klatsch wurde hier zusammengetragen und allerlei Informationen auch an Fremde weitergegeben. Die Caupona war somit ein wichtiges Info-Zentrum für jedermann.
Leckere Zutaten werden in der römischen Garküche mit Ausschank (Caupona) zu einfachen kleinen Gerichten verarbeitet. Diese werden zusammen mit einem Glas Wein genossen. Tratsch und Klatsch wurde hier zusammengetragen und allerlei Informationen auch an Fremde weitergegeben. Die Caupona war somit ein wichtiges Info-Zentrum für jedermann.

Eine römische Garküche mit vielen Kräutern, die Herstellung von Keltenschmuck, Kettenhemden, Öllampen, Münzen, Bändern und Stoffen sowie Geräte für Medizin und Hygiene und weitere Handwerkskünste konnte man hautnah bewundern. Mit seiner "Musik der Antike" bereicherte Musikarchäologe Hagen Pätzold erstmals die Hüfinger Veranstaltung. Auf einem Cornu (römisches Blasinstrument) demonstrierte er, wie man damals an der Musik gefallen fand und gab dazu noch eine Menge Wissen an seine Bewunderer weiter.

Hagen Pätzöld spielt auf dem römischen Blasinstrument "Cornu" und erklärt es den Gästen auf insteressante Weise.
Hagen Pätzöld spielt auf dem römischen Blasinstrument "Cornu" und erklärt es den Gästen auf insteressante Weise.

Vielfältiges Programm

Das Programm war bunt gemischt: Neben Exerzieren, Kämpfen und einer militärischen Weihezeremonie sorgten orientalische Tänze auf der Bühne und eine Modenschau mit keltischer Kleidung für genügend Abwechslung. Interessierte Kinder konnten an einem Workshop der KJG noch mehr über das Leben der Römer erfahren und ihr Wissen gleich mal auf dem neu eingerichteten Römerpfad testen. Eine Führung durch die Badruine oder entlang der Kräuterlehrpfades sowie ein Vortrag über die römische Küche rundeten das Programm ab. Die Stadtmusik Hüfingen bewirtete die Gäste, die allerdings wegen der herbstlichen Witterung ihre Verweildauer deutlich abkürzten.