Abriss oder eine große Sanierung? Egal, welchen Weg die Stadträte für die Zukunft des Aquaris wählen, eine kostengünstige Lösung für die Zukunft des Hüfinger Schwimmbades wird es nicht geben.

Denn zwei Gutachter sind grundsätzlich zum gleichen Fazit gekommen: Die Schäden in dem Familienbad sind zu groß, um sie nur mit einer kleinen Summe beheben zu können.

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Für Badegäste sind die Mängel allerdings nur an den Säulen zu sehen, die das Dach tragen. Sie sind im vergangenen Jahr verstärkt worden. Doch ansonsten scheint das Bad nicht in so einem schlechten Zustand, dass eine große Diskussion über seine Zukunft nötig ist.

Doch der Eindruck täuscht. Im Keller, wo der Besucher selten hinkommt, sieht es ganz anders aus.

Es ist nicht lange her, da wurde diese Säule frisch gestrichen. Doch gegen das dreckige Wasser aus der Decke kann Betriebsleiter Michael Scholz nichts machen.
Es ist nicht lange her, da wurde diese Säule frisch gestrichen. Doch gegen das dreckige Wasser aus der Decke kann Betriebsleiter Michael Scholz nichts machen. | Bild: Simon, Guy

"Der Statiker hat gesagt, dass er noch nie einen so schlechten Beton gesehen hat", erklärt der Diplom-Ingenieur Marcus Zehle, der das zweite Gutachten erstellt hat. Das Grundproblem, das für eine Vielzahl der Schäden verantwortlich ist, ist genau das, warum die Besucher überhaupt kommen – das Wasser. Es sucht sich seinen Weg – durch Fugen, Ritzen und Spalten. Und es findet viele Wege und hat so im Laufe der Jahrzehnte Beton und Stahl geschädigt und für große Schäden gesorgt.

Sanierung 2001 hat nichts gebracht

Neu ist das Problem nicht: Eigentlich sollte es schon bei der Sanierung im Jahr 2001 behoben werden. "Gelungen ist das aber nicht", sagt der Gutachter. Die Technik, die verwendet worden sei, wäre nicht die am Besten geeignetste und an vielen Stellen sei mangelhaft gearbeitet worden. "Das liegt weniger am Unternehmer, als am Planer", so Zehle.

Doch wer nun auch letztendlich die Schuld trägt, die Schäden bleiben die gleichen. Der Beckenumgang – dort wo oben Badegäste laufen und sich darunter der Keller befindet – sei schwer geschädigt nicht sanierungsfähig. "Die Konstruktion ist so nicht zu erhalten."

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Doch nicht nur unten ist das Wasser ein Problem. Es kommt auch von oben. Die Wand am Übergang von der Schwimmhalle zum Nebentrakt zeigt deutliche Spuren. Als Gutachter hat sich Zehle auf die Ursachensuche begeben.

Und hat sie auch gefunden: Die Dampfsperren wurden nicht richtig verklebt und auch durchbohrt, um Leitungen zu verlegen. Eigentlich ist deren Aufgabe, zu verhindern, dass die warme und feuchte Schwimmbadluft in die Konstruktion des Dachaufbaus eindringt und das Wasser dort kondensiert.

Der Effekt im eigenen Bad ist der Gleiche: Wer duscht, kann ihn – vor allem wenn es draußen kalt ist – am Fenster beobachten. Und genau das gleich passiert im Schwimmbad. "Wir haben eine Außenplatte abgenommen und die Holzkonstruktion dahinter war klatsch nass, obwohl es zwei Wochen nicht geregnet hatte", erklärt Marcus Zehle.

Abriss auch bei Sanierung

Unter dem Strich müssen Teile des Schwimmbades definitiv abgerissen werden: Das Bauwerk aus dem Jahr 1972 sei auf keinen Fall zu sanieren und müsste abgerissen und neu gebaut werden. Eine Sanierung der Erweiterung aus dem Jahr 2000/2001 sei "machbar".

Doch das Gutachten führt einen "Teilrückbau auf sanierbare Substanz" an. Man könne hier auf den "bestehenden Keller aufbauen". Beim Rutschenturm könne man die Stahlkonstruktion sicher erhalten, aber die Dämmung selbst sorgte beim Gutachter für Erstaunen. "Es ist erstaunlich, dass man in einem Schwimmbad eine Innendämmung gemacht hat", sagt Zehle. Er würde auf jeden Fall eine Außendämmung empfehlen.

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Bleibt noch der Nebentrakt, der nur leichte Schäden aufweist. Aber das Dach müsste dort auch saniert werden. Und wenn das Aquari dann schon zur Baustelle wird, wären da noch die Duschen. Mit der neuen Trinkwasserverordnung müssen Rohre so verlegt werden, dass auch nicht genutzte Rohre durchspült werden – das soll beispielsweise die Bildung von Legionen verhindern.

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Unter dem Strich geht Marcus Zehle bei einer Sanierung von Kosten in der Höhe von mindestens zehn Millionen Euro aus. Wird dann noch die Fassade des Nebentraktes für und 99 000 Euro und die Sanierung der Duschen für 737 000 Euro realisiert, liegen die Kosten bei elf Millionen Euro.

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Doch wie sieht es mit einem Neubau aus? Für ein Schwimmbad auf der "grünen Wiese" geht der Gutachter von Kosten in Höhe von 11,7 Millionen Euro aus. Allerdings stellt sich dann noch die Frage nach der Sauna. Aktuell profitieren Sauna und Schwimmbad von ihrer unmittelbaren Nähe.

Das wäre natürlich nicht mehr so, wenn die Sauna am alten Standort bleiben würde und das Schwimmbad außerhalb neu gebaut werden würde. Eine neue Sauna könnte rund 1,8 Millionen Euro kosten, sodass es dann insgesamt 13,5 Millionen Euro wären.

Natürlich würden auch noch weitere Kosten wie beispielsweise für den Abbruch des alten Schwimmbades entstehen, sodass unter dem Strich auch rund 15 Millionen Euro stehen könnten. Und dann gibt es noch die Variante, das Aquari am aktuellen Standort neu zu bauen. Hierfür rechnet Marcus Zehle mit zwölf Millionen Euro.

Doch wie geht es nun weiter?

Mit den beiden Gutachten werden die Stadträte in die Diskussion einsteigen. "Wir haben nun eine Grundlage, mit der wir miteinander arbeiten können", sagt Bürgermeister Michael Kollmeier. Mit dem Aquari habe die Stadt eine Einrichtung, die viele Besucher anlocke. Bei den nun anstehenden Diskussionen gehe es um "langfristige Erwägungen".

Ein wesentliches Ergebnis der Gutachten sei, dass eine kleine Sanierung nicht machbar ist: "Mit ein oder zwei Millionen Euro kommen wir hier nicht weit", so der Bürgermeister. Für Oktober sei eine Informationsfahrt geplant, bei der sich die Stadträte über gute Beispiele für Schwimmbäder informieren könnten.

Und auch bei der Revision, die immer im Sommer stattfindet, würden die Mängel im Blick behalten. "Jedes Jahr, das wir das Aquari noch länger nutzten können, tut der Stadt gut."

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Das sagen die Fraktionssprecher

Welcher Weg für das Aquari gewählt wird? Diese Frage wollen die Stadträte in einem längeren Diskussionsprozess beantworten. Zu der Sachlage haben sich die Fraktionssprecher ab schon geäußert.

 

  • Franz Albert (CDU): Auch wenn er sich ein "günstigeres Ergebnis" gewünscht hätte, zeigte sich der CDU-Fraktionssprecher mit der Qualität des Zehle-Gutachtens zufrieden. "Diejenigen, die für unsachgemäße Ausführung verantwortlich sind, können wir wohl nicht in Regress nehmen, oder?", fragt sich Albert. Doch es ginge ja nicht nur um die Sanierung zur Jahrtausendewende. "Auch der Anbau hat erhebliche Mängel, die auf Pfusch hinweisen." Über einen langen Zeitraum habe sich die Stadt ein großes finanzielles Polster angespart, das durch das Großprojekt erheblich reduziert werde. "Eine Zukunftsgestaltung ist dann nicht mehr möglich.
    Franz Albert
    Franz Albert | Bild: CDU
  • Kerstin Skodell (SPD): "Wir sind uns alle einig, dass was gemacht werden muss. Jetzt geht es um das Wie, Wann und Wo", sagt die SPD-Fraktionssprecherin, die sich stark an die Diskussionen von vor 20 Jahren zurückerinnert fühlt, als es um die erste Sanierung ging. "Damals haben wir uns die gleichen Fragen gestellt", sagt Skodell. Sie wolle die Schäden nicht schön reden, aber bei der 2001-Sanierung habe man die Ausgaben gedeckelt. Vielleicht sollte man das dieses Mal nicht tun.
    Kerstin Skodell
    Kerstin Skodell | Bild: unbekannt
  • Adolf Baumann (FDP/FW/UWV): "Es ist ungewöhnlich, sechs Wochen vor der Kommunalwahl so ein Thema zu präsentieren", sagt der Fraktionssprecher des Dreibündnisses FDP/FW/UWV und fügt hinzu: "Aber wir wollen ehrlich zu den Wählern sein, die Entscheidung würde dann der neue Gemeinderat treffen. Wichtig sei der Zeitpunkt der Realisierung: Bevor das Aquari, das in der Region einen höhen Stellenwert besitze, in Angriff genommen wird, sollten erst die Großbaustelle Schule und andere Projekte abgeschlossen werden. "Wir sollten uns viel Zeit für die Diskussion und das Planen nehmen", fordert Baumann. Wenn man das so gemacht hätte, sei es in Hüfingen immer so gewesen, dass "wir was ganz Gutes hinbekommen haben."
    Adolf Baumann
    Adolf Baumann | Bild: Roland Sigwart