Eine Besonderheit im Zeitalter von Internetbestellungen, Supermärkten und grenzenlosen Konsummöglichkeiten ist der Bonbon-Onkel aus Behla. Seine Stärke bezieht er aus der Nähe zu den Kunden und der Beratung, die kaum an einem Platz so süß erscheint wie inmitten unzähliger Leckereien von Lakritz bis zu gebrannten Mandeln, von Fruchtgummi bis zu Magenbrot. Der Bonbon-Onkel ist ein fahrendes Verkaufsgeschäft, das überall, wo es hinkommt, durch sein übergroß erscheinendes Verkaufsfahrzeug auffällt. Noch wesentlich markanter ist das feuerrote Aussehen des Automobils, das in großen Lettern mit der weißen Aufschrift „Seit 1919“ verziert ist. Und tatsächlich: In diesem Jahr feiert der Spezialist in Sachen Bonbons und Karamell seinen 100. Geburtstag. Einst war es sogar das erste fahrende Verkaufsgeschäft Deutschlands.

Prall gefüllt mit leckeren Kalorienbomben: der Verkaufsstand in den 60er-Jahren.
Prall gefüllt mit leckeren Kalorienbomben: der Verkaufsstand in den 60er-Jahren. | Bild: Privat

Die Jubiläumszahl kommt angesichts der Konkurrenz in den Supermarktregalen und den Bestell-Listen im Internet einer kleinen Sensation gleich. Und diese Sensatiobn dauert jetzt bis in die vierte Generation. Doch wer hinter den Verkaufstresen nach einem weisen, älteren Herrn oder einem Onkel-Typ Ausschau hält, der sucht vergebens. Denn der Bonbon-Onkel heißt heutzutage Jennifer Eberling, eine junge Frau, die sich einen Traum erfüllte, als sie das Fahrgeschäft von ihren Eltern Peter und Barbara Eberling übernahm. Bereits ihre Mutter war weit häufiger als Bonbon-Onkel unterwegs gewesen als ihr Vater.

Eine Aufnahme aus den 1970er Jahren: Die Lust auf Süßigkeiten ist bekanntlich zeitlos. Bild: Jonas Bratkus
Eine Aufnahme aus den 1970er Jahren: Die Lust auf Süßigkeiten ist bekanntlich zeitlos. Bild: Jonas Bratkus | Bild: privat

Das war zu den Gründerzeiten, als sich der Urgroßvater entschloss, über die Lande zu ziehen, noch anders. Originale waren auch Großvater Fritz und seine Ehefrau Käthe. Der Bonbon-Onkel hat bis heute nichts von seinem Charme verloren. Jonas Bratkus, der Partner von Bonbon-Onkel Jennifer Eberling, gibt bereitwillig Auskunft zu den Süßwaren, die den Kunden in bunter Vielfalt ins Auge stechen. Während sich ein Mädchen an einer Lakritzschnecke erfreut, ordern die Eltern frisches Magenbrot und geröstete Mandeln. „Die gerösteten Mandeln sollten für einen optimalen Genuss drei Tage liegen, bevor sie konsumiert werden“, erläutert Jennifer Eberling, die als gelernte Großhandelskauffrau und ausgebildete Heilpraktikerin bereits jede Menge andere Berufserfahrung sammelte.

Der Bonbon-Onkel feiert 2019 seinen 100. Geburtstag. Harald Weh (zweiter von links) und Uwe Schnekenburger (rechts) gratulieren Jonas Bratkus und Jennifer Eberling zu dieser besonderen Gelegenheit. Bild: Rainer Bombardi
Der Bonbon-Onkel feiert 2019 seinen 100. Geburtstag. Harald Weh (zweiter von links) und Uwe Schnekenburger (rechts) gratulieren Jonas Bratkus und Jennifer Eberling zu dieser besonderen Gelegenheit. | Bild: Rainer Bombardi

„Alleine vom Süßwarenverkauf zu leben, ist heutzutage unmöglich“, erläutert die junge Frau, weshalb sie oft ihren Partner und Agenturleiter Jonas Bratkus in seinem Versicherungsbüro unterstützt. „Auch in der Süßwarenbranche sind immer wieder neue Ideen gefragt. Geschmäcker ändern sich, wenngleich ein solides Grundprogramm seit Jahrzehnten Kinder und Erwachsen gleichermaßen erfreut“. Bratkus beschreibt das Winterhalbjahr und die Monate April und Mai als Hauptsaison für den Bonbon-Onkel. Allzu große Hitze vertragen viele Süßigkeiten nicht.

Jede Menge Applaus für 100 süße Jahre bonbon-Onkel spenden Clemens (von links)und Gisela Baumannn, Eva und Bernhard Wehinger. Bild: Rainer Bombardi
Jede Menge Applaus für 100 süße Jahre bonbon-Onkel spenden Clemens (von links)und Gisela Baumannn, Eva und Bernhard Wehinger. | Bild: Rainer Bombardi

In der Weihnachtszeit hat der Bobon-Onkel Hochsaison. Die Märkte im Advent sind ein Renner. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Behla über Donaueschingen bis nach Rottweil, von Schopfheim bis in die Schweiz. Höhepunkt einer jeden Saison ist jedoch die Mitwirkung an der Freiburger Frühjahrsmess‘, die heuer vom 17. bis 27. Mai stattfindet. Dort erweitert der Bonbon-Onkel sein Verkaufsfahrzeug mit einem Anbau. Jennifer Eberling ist als Chefin des süßen Fahrgeschäftes bereits zum siebten Mal in Freiburg. Auch die Freiburger Badenmesse im September ist für den Bonbon-Onkel ein willkommenes Ereignis.