Das Stadtmuseum für Kunst und Geschichte ist um ein sehenswertes Kunstwerk reicher. Ein alter Schrank aus dem Besitz von Johann Nepomuk Heinemann ergänzt die Dauerausstellung der Werke des Hüfinger Künstlerkreises aus dem 19. Jahrhundert und ist dort zum Blickfang geworden.

Die Künstlerin Eva Rosenstiel, die in Hüfingen geboren und aufgewachsen ist, hat dem Museum diesen kunstvollen Schrank mit drei Aufsätzen aus dem Besitz ihres Ur-Ur-Großvaters Johann Nepomuk Heinemann (1817 bis 1902) als Dauerleihgabe überlassen. Heinemann prägte als Lithograf und Fotograf zusammen mit anderen Künstlern aus dieser Epoche wie Lucian Reich den Hüfinger Künstlerkreis und gilt als zentrale Figur dieser Gilde.

Das Schmuckstück aus Nussbaumholz begleitete Eva Rosenstiel bis zum heutigen Tage. Zuvor diente es im Haus Nober, in dem sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte, als nützlicher und dekorativer Aufbewahrungsort.

Über Freiburg nach Hüfingen

"Als die Wohnung im Haus Nober nach dem Tod der Großeltern ausgeräumt wurde, nahm ich den alten Schrank mit nach Freiburg in meine Studentenwohnung. Denn mit seinen vielen kleinen und großen Schubladen war er wirklich überaus praktisch", beschreibt die Künstlerin ihren Zierschrank, der seither in ihrem Leben stets gute und nützliche Dienste erwies.

"Ich bin froh, dass er hier im Rahmen anderer Ausstellungsstücke des Hüfinger Künstlerkreises und in seiner alten Heimat einen würdigen Platz gefunden hat, wie er nicht besser sein könnte", erklärt die Künstlerin.

In seinem über hundertjährigen Leben ist der Schrank verblasst und die Seitenteile mit den kunstvollen Schnitzereien waren defekt. Auch das Uhrwerk, das ganz oben als dritter Aufsatz den Abschluss bildet, war aus dem Takt gekommen und ging nicht mehr.

Ihren Entschluss, den Schrank ins Hüfinger Stadtmuseum zu geben, fasste sie bei einer Sonderausstellung zum 200. Geburtstag von Johann Nepomuk Heinemann und Lucian Reich im Januar 2017. Kuratorin Ariane Faller-Budasz las zur Einführung einen Brief vor, in dem der Zusammenhang einer Figur des Heiligen Nepomuk zu ihrem Schrank beschrieben wurde.

Die Figur stand offensichtlich immer in dem besagten Schrank ihres Ur-Ur-Großvaters und plötzlich erinnerte sich Eva Rosenstiel, dass sie diese filigrane Figur ja ebenfalls zu Hause stehen hat, ohne zu wissen, wo ihr eigentlicher Platz war. Die Handarbeit aus Blech und Metall ist absolut naturgetreu, millimetergenau und haarscharf bis ins kleinste Detail gearbeitet.

Für den schmucken Schrank samt Nepomukfigur war es ein großes Glück, dass er im Stadtmuseum auf Joachim Seidel traf, den rührigen Vorsitzenden des Förderkreises. "Ich habe mich sofort in das hübsche Möbelstück aus dem vorletzten Jahrhundert verliebt und bin voller Freude, dass wir es in unserem Museum beherbergen dürfen", sagt der engagierte Chef des Hauses, der sich sofort mit viel Herzblut dem Schrank widmete.

Der dritte Aufsatz mit der Uhr bildet den Abschluss des Schrankes. Das Uhrwerk schlägt wieder pünktlich zu jeder halbe Stunde.
Der dritte Aufsatz mit der Uhr bildet den Abschluss des Schrankes. Das Uhrwerk schlägt wieder pünktlich zu jeder halbe Stunde.

Im Uhrenmuseum hat er sich mit Fachleuten besprochen und hat das Uhrwerk eigenhändig wieder instandgesetzt. "Der Schlaghammer hat gefehlt und die Pendelfeder war defekt. Den kaputten Minutenzeiger hat mein Bruder Jörg selbst angefertigt und nun schlägt die kleine Bronzeglocke mit hellem Klang wieder pünktlich zu jeder halben Stunde", freut sich Joachim Seidel.

Überhaupt ist der mit vielen Schnitzereien geschmückte Schrank aus Nussbaumholz ein möbeltechnisches Meisterwerk, an dem sich zwei Schreiner aus der damaligen Möbelschreinerei Wintermantel im Jahr 1889 tagelang abgearbeitet haben.

Über 100 Jahre aufbewahrt wurde diese Rechnung für die Anfertigung des kunstvollen Schrankes. Heutzutage würde diese Arbeit ein Vermögen kosten, doch damals waren 181,03 Mark eben auch viel Geld.
Über 100 Jahre aufbewahrt wurde diese Rechnung für die Anfertigung des kunstvollen Schrankes. Heutzutage würde diese Arbeit ein Vermögen kosten, doch damals waren 181,03 Mark eben auch viel Geld.

Eine Rechnung belegt, dass ein Handwerker 24 Tage und ein zweiter 17 Tage zu einem Tageslohn von 3,50 DM daran arbeiteten. Sie schufen eine wahre Meisterleistung, die heutzutage ein Vermögen kosten würde. Doch damals waren 181,03 Mark auch viel Geld. Alle Schubladen sind nummeriert und laufen so einfach und ohne zu klemmen wie am ersten Tag. Jede Menge geschnitzte Intarsien und Verzierungen aus Holz sowie kunstvolle Beschläge machen das Möbelstück zu einem einmaligen Kunstwerk, das nun im Museum zu bestaunen ist.