Ein halbes Jahrhundert in ein und derselben Firma zu arbeiten, das ist schon etwas ganz Besonderes. Herbert Grieshaber aus Döggingen ist solch ein Ausnahmefall. Erst vor kurzem wurde er bei der Firma Liebert Heizungs- und Lüftungsbau sowie Sanitärtechnik für 50-jährige Firmentreue geehrt. Der 71-jährige sportliche und agile Handwerker hat sich noch nicht gänzlich in den Ruhestand verabschiedet. Nicht nur weil die Bezeichnung "Ruhestand" so ganz und gar nicht zu seiner Person passt, sondern weil ihm auch heute noch seine Arbeit in der Firma mit seinen netten Kollegen Freude bereitet.

Das liegt auch daran, dass er auf 50 erlebnisreiche und schöne Berufsjahre zurückblicken kann. Seit 1. November 2011 hätte Herbert Grieshaber beruhigt seine Hände in den Schoß legen können, ab diesem Zeitpunkt wurde er verrentet. Doch so ganz verabschieden wollte er sich von seinem Arbeitgeber nicht, bei dem er immerhin den größten Teil seines Lebens verbrachte. Einmal in der Woche, immer dienstags, geht der Kundendienst-Monteur hinaus zu seinen Stammkunden, um deren Heizungen zu warten und zu kontrollieren.

"In all den Jahren bei der Firma Liebert habe ich mich im netten Kollegenkreis wie in einer Familie gefühlt. Hier herrscht eine gute Atmosphäre und ein freundschaftliches Miteinander und wir durften viele unvergessliche Ausflüge und Feste miteinander feiern. Das ist auch ein Grund, warum ich noch heute hier gerne mithelfe", lobt Grieshaber seinen Arbeitgeber.

"Schweißen muss er können"

Herbert Grieshaber begann seine Arbeit in der Firma seines Cousins Albert Liebert im Dezember 1968. Voraussetzung war, dass er schweißen konnte. So hatten es die Mütter der beiden jungen Männer bei einem Kaffee vereinbart. Der ein Jahr ältere Albert Liebert hatte 1965 die erste Heizungsbaufirma in Hüfingen gegründet, zuvor betrieben sein Großvater und später sein Vater eine mechanische Werkstatt. Albert Liebert hat "den Herbert" an seiner Seite eingearbeitet. Auch ohne spezielle Ausbildung lernte er schnell und wusste bald überall Bescheid, da er über das gewünschte handwerkliche Talent verfügte. "Ich habe überall mitgearbeitet, damals waren wir vier Angestellte. Später bildeten wir etliche junge Männer aus, unter anderem auch Thomas Liebert. In den ersten Jahren waren wir hauptsächlich damit beschäftigt, in den bestehenden Wohnungen und Häusern Öl- oder Gasheizungen einzubauen. Damals hatten fast alle noch Kohle- und Holzheizungen, manche sogar gar keine" erinnert sich Herbert Grieshaber.

Von Öl zu Brennwerttechnik

Danach folgten immer mehr Aufträge in Neubauten. "Zu der Zeit war man handwerklich stark gefordert, musste viel zusammenbasteln und improvisieren, Schweißarbeiten gehörten zum Tagesgeschäft. Die Arbeiten haben viel länger gedauert als heute." Die Umstellung auf elektronisch gesteuerte Heizkessel in den 80er-Jahren und danach auf Brennwertsysteme und Wärmepumpen sowie Solar- oder Pelletsheizungen erforderten immer wieder Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen, damit man stets auf dem neusten Stand war. Die klassische Öl- oder Gasheizung gehört inzwischen der Vergangenheit an.

"Früher konnte man reparieren und zusammenbauen, heutzutage werden gleich Ersatzteile und oft ganze Steuerungen ausgewechselt", erzählt Grieshaber. Die modernen Heizungsanlagen sind effizienter und sparsamer geworden, man kann Daten aus dem Display ablesen, ebenso die unterschiedlichen Programme und Analysen.

25 Jahre lang war Herbert Grieshaber auf den Baustellen unterwegs, dann wechselte er in den Kundendienst. "Das war noch eine Stufe anspruchsvoller, denn die Probleme und Reparaturen wurden immer stressiger. Schließlich mussten wir schauen, dass die Heizungen möglichst schnell wieder laufen", beschreibt Grieshaber seine Aufgaben. Egal ob mitten in der Nacht, an Feiertagen oder an Heiligabend – wenn eine Heizung den Geist aufgab, rief man den Kundendienst. Oft auch nur, weil man vergessen hatte, Öl zu bestellen. "Das kommt an den Feiertagen zwischen den Jahren immer noch regelmäßig vor", bedauert Grieshaber. Dennoch liebt er seinen Job als Kundendienst-Monteur und ist bei der Kundschaft sehr beliebt. Besonders bei älteren Damen, mit denen er hin und wieder bei einer Tasse Kaffee ein Schwätzchen hält.

Herausforderung beim Hochwasser

Gut erinnern kann er sich noch an eine ganz außergewöhnliche und anstrengende Episode. Das war beim großen Hochwasser 1990, als das "Städtle" unter Wasser stand und fast alle Keller vollgelaufen waren. Zum Teil schwammen die Heiztanks lose herum und viel Öl war ausgelaufen. "Wir haben dutzendeweise neue Ölbrenner und Umwälzpumpen zusammengesucht, mussten jede Menge provisorische Ölversorgungen aufbauen und waren Tag und Nacht im Einsatz. An die hundert Heizanlagen waren defekt", berichtet Grieshaber. Für ihr Engagement werden die Mitarbeiter samt Ehefrauen bis heute in jedem Jahr mit einem tollen Wochenende auf einer Berghütte belohnt. Auch die bisherigen Firmenjubiläen fielen stets großzügig aus, wie etwa das 25-Jährige mit einer Schifffahrt nach Oslo. Viele schöne und unvergessliche Stunden erlebten die Kollegen miteinander beim Fußballspielen, Kegeln, Ski fahren und Wandern.