Viele haben sich zu den Grundstückspreisen in Mundelfingen geäußert: Die Vertreter der Initiative 125, Bürgermeister Michael Kollmeier, Leserbriefschreiber und auch die Positionen der einzelnen Fraktionen sind klar. Doch offiziell war es um Ortsvorsteher Michael Jerg lange ruhig.

Bei der Abstimmung im Gemeinderat war er nicht anwesend und auch bei der ersten Informationsveranstaltung der Initiative 125 hatte er einen anderen Termin. Doch nachdem die Hüfinger SPD sich in ihrer Klausurtagung mit dem Thema Grundstückspreise, der Initiative 125 und auch der zunehmenden Spaltung beschäftigt hatte und SPD-Fraktionssprecherin Kerstin Skodell Jerg kritisiert hatte, bezieht der Mundelfinger Ortsvorsteher offiziell Stellung.

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Durchaus könne er in den Worten von Skodell auch eine „Wertschätzung meines politischen Gewichtes als Ortsvorsteher“ entdecken, möchte aber gleichzeitig die eine oder andere Vermutung nicht kommentarlos stehen lassen. „Ich war bei der Preisbildung für das Neubaugebiet Breiten II von Anfang an hellwach, da ich diese und in ihrer Konsequenz unüberlegte Entscheidung kommen sah“, sagt Jerg. Bereits im dem Jahr 2017 habe er Bürgermeister Michael Kollmeier mehrfach geraten, die Preisbildung moderat anzugehen.

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Dass den Gemeinderäte der Wille des Ortschaftsrates nur durch einen Ortschaftsratsbeschluss vorgelegen habe und dass der Ortsvorsteher im Vorfeld nicht das Gespräch gesucht habe, sieht Jerg nicht so: „Wir vom Ortschaftsrat stehen für die 125 Euro pro Quadratmeter und haben dies auch vielfach und immer wieder kundgetan“, sagt Michael Jerg. Dass es nur einen Beschluss gebe, sei verständlich, denn auch „ein Ortschaftsrat kann zu einem Thema zunächst nur einmal einen Beschluss fassen“. Grundsätzlich anderer Meinung ist Jerg auch im Bezug auf Skodells Frage, ob es im Vorfeld entsprechende Gespräche zwischen dem Ortsvorsteher und dem Bürgermeister gegeben habe.

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„Solche vorgezogenen Abstimmungen wird es mit mir nicht geben. Der Gemeinderat ist der Souverän und nur er alleine muss eine Entscheidung auf der Grundlage fundierter Informationen und nach bestem Wissen und Gewissen und dies im Dienste der Bürgerschaft treffen“, sagt Jerg, der deshalb auch nicht nachvollziehen kann, dass Skodell nach eigenen Angaben zu ihrer Entscheidung stehen möchte. Die SPD-Fraktionssprecherin hatte im Gespräch mit dem SÜDKURIER folgende Aussage getätigt: „Auch wenn es keine 116 Euro waren, dann bleibe ich trotzdem bei den 149 Euro. Ich stehe zu meiner Entscheidung“, sagt Skodell.

Bei den 116 Euro geht es um die Erschließungskosten. Die Initiative 125 ist sich sicher, dass die Erschließungskosten eher bei 90 Euro pro Quadratmeter liegen würden und daher müssten die Grundstückspreise auch auf 110 Euro pro Quadratmeter reduziert werden. Für Skodell sind richtig berechnete Erschließungskosten noch keine Aussage über einen marktgerechten Bauplatzpreis.

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„Im Nachhinein muss ich leider für mich feststellen, dass eine richtige Beratung im Gemeinderat, wie es zu den 149 Euro pro Quadratmeter kam, eigentlich nie stattfand“, sagt Jerg, der in der Oktober-Sitzung verhindert war, sich aber im Vorfeld eng mit seiner Stellvertreterin Kathrin Schwarz abgestimmt hatte und auch von vielen Mundelfingern und seiner eigenen Frau über den Sitzungsverlauf unterrichtet worden sei.

„Stattdessen bekamen die Fraktionen den Auftrag, den Verkaufspreis in der Fraktionsarbeit zu besprechen und dann der Verwaltung das Ergebnis vorzuschlagen“, erklärt der Mundelfinger Ortsvorsteher. Er habe darum gebeten, dass er in die einzelnen Fraktionssitzungen eingeladen werde. Kerstin Skodell habe ihm das auch zugesagt, doch ein Treffen sei auch auf seine Nachfrage nicht zustande gekommen. „Auch unsere Stellungnahme des Ortschaftsrates vom 26. September 019 an alle Gemeinderäte verlief kommentarlos“, kritisiert Jerg.

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Mehrfach habe er darum gebeten, man möchte Preisvergleiche um Hüfingen herum einholen, das sei aber nie geschehen. „Unser Ortschaftsrat Bernhard Merz hat diese Analyse mit hohem Zeitaufwand gemacht und stand vor offenen Türen und Interesse.“ Auch habe der Ortschaftsrat und er mehrmals die Kalkulation eingefordert. Dies sei aber immer erfolglos geblieben. Die Begründung: Die Kalkulation sei zu kompliziert, um sie zu verstehen. Erst am 30. Dezember habe er die Kalkulation – wie die Stadträte auch – zugeschickt bekommen. „Sie ist mir spontan sehr hoch angesetzt vorgekommen.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass die mit der Erschließung beauftragte Firma ein Angebot abgegeben habe, das 34 Prozent unter der ursprünglichen Kalkulation liege.

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„Grundstücksverkäufe müssen bürgerfreundlich sein. Unsere Bürger sind das höchste Kapital unserer Stadtgemeinschaft Hüfingen“, sagt Jerg. Einer Minderheit – in diesem Fall die Häuslebauer – einen Großteil der künftigen Infrastrukturmaßnahmen finanziell aufzubürden, sei aus seiner Sicht „unsportlich“. Dafür gebe es andere und breiter angelegte Möglichkeiten wie beispielsweise die Grundsteuer. „Ob Rücklagen aus des Bürgers Geld in Millionenhöhe in einer Gemeinde erforderlich sind, ist zumindest fraglich“, spielt Jerg auf die Diskussionen über die Hüfinger Rücklage an und fügt hinzu: „Und die dringend anstehende Hallenbadsanierung mit aller Gewalt und allen finanziellen Konsequenzen stemmen zu wollen, kann es uns diesen Preis nicht wert sein.“ Da sei eine interkommunale Lösung die bessere und attraktivste aller Möglichkeiten, erfordere allerdings viel politisches Geschick und viel Zeit für konstruktive Gespräche.

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