Es ist ein Energiepionier, der in die Jahre gekommen ist. Das Windrad auf dem Auenberg steht exponiert und weithin sichtbar auf einer Anhöhe am Ortsrand von Hausen vor Wald. Mit genau 30 Meter Turmhöhe ist es ein Zwerg, würde man es neben aktuell projektierte Anlagen stellen. Und dennoch weist diese 1990 mit einem Fest und viel Euphorie in Betrieb genommene Anlage weit mehr Geschichte auf als die die neuen, heftig umstrittenen Energieerzeuger.

Sie steht. Sie läuft. Und das sogar relativ stetig. Das lässt sich zweifelsfrei über den Windspargel sagen. „Ja, die Rotoren drehen sich“, sagte auf Anfrage Hermann Sumser. Er war Ende der 1980er ganz vorne mit dabei, als sich eine Gruppe Pioniere, zu der auch der Donaueschinger Siegfried Seilnacht zählte, auf unbekanntes Terrain begaben. „Das war damals die erste nennenswerte privat betriebene Windkraftanlage in Baden-Württemberg„ unterstreicht Sumser die Bedeutung des Windrads in seiner direkten Nachbarschaft. Nach dem Gesellschafterübergang vor einigen Jahren sei die Anlage aus seinem Blickfeld geraten, räumt der Architekt ein. Gleichwohl lobt er die neuen Betreiber. Die unumgänglichen Reparaturen seien in den ersten Jahren nach dem Besitzerwechsel ausgeführt worden.

Der Weg der Energieerzeugung auf einen Blick. Auch wenn Rotoren und Umspannanlage winzig wirken gegenüber heutigen Normanlagen: Die 30 Meter hohe Anlage liefert immer noch Strom.
Der Weg der Energieerzeugung auf einen Blick. Auch wenn Rotoren und Umspannanlage winzig wirken gegenüber heutigen Normanlagen: Die 30 Meter hohe Anlage liefert immer noch Strom. | Bild: Wursthorn, Jens

Eine Spurensuche führt nach Döggingen. Dort lebt Stella Thomas. Sie hat 2013 gemeinsam mit George Thuma die Anlage übernommen. Am Telefon bleibt sie kurz angebunden. Es sei nur ein Gerücht, dass die Anlage irreparabel beschädigt sei, meint sie. Notwendige Reparaturen seien in den vergangenen Jahren erfolgt. Mehr will sie zu dem Thema nicht sagen.

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Und die Steigerung des Wirkungsgrads? Würde man rund 100 000 Euro in die Hand nehmen, könnte man den Wirkungsgrad erhöhen, ließ sich George Tuma noch im Jahr 2016 vernehmen. Die Regelungstechnik verbessern, die Rotorgeometrie verändern und sparsamere Getriebe einbauen: Das wären die Hebel. Doch mit welchem Zweck? Die Genehmigung sei wegen der Milane mehr als zweifelhaft, zeigte sich Tuma schon damals skeptisch.

George Tuma ist auf der Baar offenbar nicht mehr präsent. Auf der Internetseite Companyhouse lässt sich in Erfahrung bringen, dass er weiterhin als Geschäftsführer der Eco-Strom Plus Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Premnitz fungiert. Kontinuität seit 18 Jahren. Zudem blickt er auf eine Reihe von abgeschlossenen weiteren Betätigungen im Bioenergie-Sektor zurück.

Seit 1990 steht dieses Windrad auf dem Auenberg bei Hausen vor Wald: damals errichtet von Pionieren auf dem Feld der Erneuerbaren Energien.
Seit 1990 steht dieses Windrad auf dem Auenberg bei Hausen vor Wald: damals errichtet von Pionieren auf dem Feld der Erneuerbaren Energien. | Bild: Wursthorn, Jens

Auch wegen der im Ergebnis eher geringen Effizienzerwartungen dürfte es wohl keine Änderungen am so ausgewiesenen Schwachwindkraftwerk geben. Die Stromausbeute von 100 000 Kilowattstunden pro Jahr entspreche dem Verbrauch von 40 Haushalten, steht auf einer Infotafel, die die Stadt Hüfingen direkt am Windturm aufgestellt hat.

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Auch wenn das Genehmigungsverfahren für Anlagen unter 50 Meter Höhe wegen der nicht notwendigen Prüfung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz moderater ausfällt, haben sich potenzielle Kapazitäten exponential entwickelt. Ablesbar ist das in der Zahl der Haushalte, die versorgt werden können. Es sind beim Weltrekordhalter landgestützter Anlagen nicht weniger als 6000. Für Anhänger von Windenergie im Land sind das gegenwärtig aber nur theoretisch erfreuliche Werte. Denn der Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg stagniert. Wurden 2017 noch 123 Anlagen genehmigt, waren es 2018 nur noch 35.

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Im Genehmigungsverfahren hatten die Auenberg-Pioniere damals andere Probleme. Nicht um die Beeinträchtigung Tierwelt und Nachbarschaft ging es damals, sondern um die reine Physik. In Dänemark stand bereits eine baugleiche Anlagen, In der Bundesrepublik fehlte es an Erfahrung mit Windrädern dieser Größe. Landesamt für Baustatik, Landratsamt, Gemeindeverwaltungsverband und Hüfinger Gemeinderat raufen sich zusammen und brachten den von Hermann Sumser eingebrachten Bauantrag über die Schwelle.

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Dann ging es los. Rund hundert Gesellschafter brachten mit Einlagen von umgerechnet 500 Euro in die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ein. Basis für ein 150 000-Euro-Projekt. Aktuelle Mega-Anlagen kosten zwischen vier und fünf Millionen Euro. Vermutlich weit weg von Bürgers Stolz. „Die Hausener haben sich mit dem Windrad echt identifziert“, ergänzt Ortsvorsteher Hans-Peter Münzer mit seinem Erfahrungsschatz.