"Das ist keine Aufforderung, das Aquari abzureißen." Michael Steinemann, Vorsitzender des Bürgerforums Stark Ortsteile Hüfingen (BFSO), glättet die Wogen, ehe sich massiver Unmut manifestiert. Aber die Diskussion über das Hüfinger Hallenbad scheint im Vorfeld der Kommunalwahl 2019 eröffnet – zumal in der vorvergangenen Woche bereits die SPD-Stadtratsfraktion dem Hallenbad einen Infobesuch abgestattet hat. Jetzt schaltet sich der junge politische Verein BFSO in die Hallenbad-Debatte ein. Während sich einzelne Fraktionen des Hüfinger Gemeinderats bereits auf den Standorterhalt des Aquari eingeschworen hätten, so liest es sich in der einer Pressemitteilung der Vereinigung, hinterfragt die Gruppe die immensen Ausgaben für die Freizeiteinrichtung und den suboptimalen Standort.

„Bei der Standortfrage muss man sich die Frage stellen, wen man denn überhaupt mit einem Hallenbad ansprechen möchte. Einheimische Schüler und Sportler, die sich vor Ort am Schulcampus und den Turnhallen befinden, oder Touristen?“, fragt Steinemann. Bei jährlichen Defiziten im hohen sechsstelligen Bereich und einem Sanierungsbedarf im mittleren einstelligen Millionenbereich müsse eine kleine Kommune wie Hüfingen auch finanziell vertretbare Alternativen betrachten, meint die BFSO. „In finanzschwächeren Jahren wird die Finanzierung des Hallenbades zu einem Kraftakt“, so Steinemann weiter. „Das Geld, was man hier ausgibt, muss irgendwo anders eingespart werden“.

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In der Vergangenheit sei das Hallenbad oft notdürftig saniert worden, um den Betrieb aufrecht zu halten. Mit den künftigen Kosten könnte das jetzige Angebot aber nicht behalten werden. Man müsse die Finanzen sowie die Besucherzahlen genau unter die Lupe nehmen. Das Hallenbad dürfe als freiwillige Aufgabe der Stadt nicht zur heiligen Kuh erklärt werden. Viele Bürgerinnen und Bürger gerade in den Ortsteilen ziehe es in weiter weg gelegene Schwimmbäder wie das in Titisee-Neustadt oder in kleine Bäder wie ins benachbarte Ewattingen. Trotzdem ist man sich in der BFSO einig, dass ein Hallenbad die Attraktivität einer Region steigere und Kindern das Schwimmen beigebracht werden müsse.

Betriebsleiter Michael Scholz zeigt auf die Trägerbalken in der Schwimmhalle.
Betriebsleiter Michael Scholz zeigt auf die Trägerbalken in der Schwimmhalle. | Bild: Wursthorn, Jens

Mit Gedankenspielen zu einer ganz großen Lösung stellt die BFSO einen kühnen Vorschlag in den Raum. Christoph Martin aus Behla könnte sich ein interkommunales Hallenbad im Städteviereck vorstellen: vielleicht auch an einem besser geeigneten Standort mit größeren Parkplatzkapazitäten. So könne die Last gerecht auf die umliegenden Gemeinden verteilt werden. Allerdings gebe es über diese Idee hinaus noch keine konkreten Vorarbeiten, räumte Steinemann auf Nachfrage ein.

Lobend erwähnt der stellvertretende BFSO-Vorsitzende Georg Mellert, der auch stellvertretender Abteilungskommandant der Feuerwehr Sumpfohren ist, die Praxis der Stadt Hüfingen, dass Feuerwehrangehörige günstiger das Hallenbad nutzen können. Bürgermeister Michael Kollmeier führe die Handhabe seines Vorgängers Anton Knapp weiter, dass die aktiven Feuerwehrleute aus dem gesamten Stadtgebiet kostenlos den Sportlertarif nutzen können.

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Im Juni hatte die BFSO angekündigt, sich mit einer Liste an der Kommunalwahl zu beteiligen. Jetzt scheint dieses Vorhaben nicht mehr so hundertprozentig sicher. Erst gegen Jahresende wird es zum Schwur kommen. "Dann entscheiden wir, ob antreten", so Steinemann. Unbenommen sei das Interesse vieler BFSO-Mitglieder, kommunalpolitisch etwas zu bewegen. Fraglich sei allenfalls, ob diese am 26. Mai 2019 auf einer BFSO-Liste oder auf einer Liste der etablierten Ratsfraktionen kandidieren werden.

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