Diese Ruhe. Diese himmlische Ruhe. Seit Montag ist Behla wieder das, was es eigentlich immer war, aber jahrzehntelang nicht sein durfte: ein Dorf. Denn die Bewohner des Hüfinger Ortsteils mussten täglich mehr als 15 000 Fahrzeuge ertragen, die sich durch die Ortsdurchfahrt quälten. Darunter ganz viele Lastwagen. Der damit verbundene Krach und Gestank erinnerte an die Verhältnisse am Stuttgarter Neckartor – und nicht an ein beschauliches baaremer Dorfsträßchen.

Doch seit Montag ist die Ortsdurchfahrt gesperrt, weil die Ortsumfahrung angeschlossen wird. Wer kann am besten mit den Menschen in Behla mitfühlen? Die Dögginger. Denn die waren ebenfalls dem Verkehrslärm ausgesetzt, ehe die Gauchachtalbrücke samt Tunnel die Fahrzeuge aufnahm, die aus und nach Freiburg unterwegs waren. Seit 16 Jahren ist Döggingen wieder ein Dorf und wohl niemand möchte die Zeit zurückgedreht wissen.

Auch in Behla hat ein Sinneswandel eingesetzt. Lydia Martin vom Landgasthaus Kranz hatte nie einen Hehl daraus gemacht, die Ortsumfahrung eigentlich nicht haben zu wollen – was aus ihrer Sicht nachvollziehbar ist. Denn ihr Landgasthof Kranz und die gleichnamige Metzgerei profitierten natürlich vom Durchgangsverkehr. Mittlerweile aber hat sich die Gastronomin mit der neuen Situation nicht nur arrangiert, sie schätzt sie. Sie müsse sich nicht mehr die Beschwerden ihrer Hotelgäste über den Lärm anhören, erzählt Lydia Martin. Und auch sie selbst könne die Nachtruhe viel mehr genießen: "Wissen Sie, wenn hier in der Nacht ein Krankenwagen oder die Polizei mit Signalhorn durchs Dorf gefahren ist, dann sind Sie im Bett gestanden."

Wie hat ein Sprücheklopfer einmal gereimt? Halte Deine Ruhe heilig, nur Verrückte haben's eilig – was aber nicht für Sanitäter und Polizisten gilt.