Sie ist einfach da, an vielen Stellen. Sie bereichert das Stadtbild, ohne mit ihrer Bedeutung zu wuchern. Die Rede ist von der Kunst im öffentlichen Raum: die oft erst dann mediale Aufmerksamkeit erzielt, wenn sie dem Vandalismus oder einer Geschmacksdebatte unterzogen wird. Für Anton Knapp ist diese mangelnde Wertschätzung der Anlass gewesen, dem Thema Kunst und Kultur in Kommunen ein Buch zu widmen.

Denn die Bedeutung der Kunst im öffentlichen Raum für die Innen- wie die Außenwirkung einer Gemeinde werde bisher sträflich außer Acht gelassen. Dem weit verbreiteten Mangel an Sensibilität möchte Knapp mit seiner Publikation entgegenwirken. Sie richtet sich an kommunal- und kulturpolitische Akteure ebenso wie an Kulturschaffende und kulturinteressierte Bürger. Und wenn die bisher vorhandene Forschungsliteratur das durchaus viruelente Thema eher auf der Ebene der größeren Städte abbildet, holt der Autor Knapp die Problematik ins Umfeld der Kleinstädte.

Dort kennt sich der Hüfinger Altbürgermeister und Ehrenbürger bestens aus. Er hat fast 40 Jahre die Kommunalpolitik beackert, hat sich Kunst und Kultur autodidaktisch genähert, ist in Auseinandersetzungen gewachsen und und behauptet im Rückblick selbstbewusst, er habe Hüfingen ein Stück weit positionieren können: die Kunst als Alleinstellungsmerkmal im kommunalen Wettbewerb. An diesem Punkt ist es sicher nicht falsch, das Buch, an dem Knapp mit Unterbrechungen rund zwei Jahre geschrieben hat, als eine Art Vermächtnis eines kunstbeflissenen Bürgermeisters a.D. zu sehen.

Knapp war es ein Bedürfnis, sich mit der großen Diskrepanz zwischen Entwicklungsmöglichkeiten und verschenken Potenzialen von Kunst und Kultur im öffentlichen Raum auseinander zu setzen. Zumal doch gerade in kleinen Kommunen der Nachholbedarf am größten sei. Auf dem flachen Land stecke das Engagement der Kommunen über weite Strecken in den Kinderschuhen, „wenn es mangels Einsicht und Bewusstsein nicht komplett ignoriert wird“. Die Förderung der Vereinskultur sei an dieser Stelle ausgenommen.

„Die Bedeutung der Kunst wird völlig unterschätzt“, bedauert Knapp. Dabei wirkt sie nach innen – als Identifikation mit dem Lebensumfeld, Information oder historischer Bezug – ebenso wie als Standortfaktor nach außen. Anders als noch vor 20 Jahren sei der Gewerbesteuer-Hebesatz bei Firmen, die sich mit Ansiedlungsplänen beschäftigen, nicht mehr so relevant. „Aber ohne Kultur können Sie langfristig keine guten Firmen halten.“ Das gelte für alle Lebensabschnitte: morgens Kita und Schule, abends Angebote in der Volkshochschule.

Somit werde Kunst im öffentlichen Raum breiter gefasst, als man es sich gemeinhin vorstellt. Das Hüfinger Sommertheater etwa gehöre genau in diesen Katalog. Knapp gibt in seinem Buch praktische Anleitungen, wie Auswahl, Wettbewerb, Fördermöglichkeiten und letztlich der Dialog mit Bürgern und Künstlern den Kommunen die Wunschobjekte zuführen.

Dabei gibt es weder leider einen Königsweg noch einen konkreten Leitfaden. Jedes Konzept müsse sich an den Gegebenheiten orientieren und eine breite Identifikation bieten. Nicht für die oberen Zehntausend, kein Opernhaus. Sommertheater eben, als niederschwelliger Bezug zur Kunst, sozialpolitisch umkleidet, nach alter SPD-Tradition. Die Kosten summierten sich dabei gar nicht zu großen Beträgen. Und wo sie dann doch in Clinch gerieten mit der kommunalen Finanzpolitik, löse sich dieser Konflikt, sobald der Nutzen der öffentlichen Kunst erkannt werde.

Vor einem Jahr, zum 70. Geburtstag, wollte Knapp noch nicht richtig herausrücken mit seinem Buchprojekt. Umso konkreter umreißt er nun die Veröffentlichung, die rund 120 Textseiten umfassen soll. Dazu kommen Bilder, die Knapp selbst in seinem Wirkungsfeld Hüfingen gemacht hat.

Wo es im dritten Teil um die Bebilderung von Kunst als Provokation geht, „werde Peter Lenk herhalten müssen“, meint Knapp den schlitzohrigen Künstler vom Bodensee. Als Partner konnte er den Dold-Verlag aus Vöhrenbach gewinnen. Gegenwärtig liegt der letzte Textteil zur Bearbeitung im Lektorat, im Spätjahr soll das Buch erscheinen.