Wo sich die beiden Bundesstraßen 31 und 27 kreuzen ist unweit ein großes Gebäude, in schwarzgrauem Schachbrettmuster gestaltet, zu entdecken. Von hier aus beliefert Lidl seine Filialen im Süden mit Waren. Die ersten Planungen gab es zwar bereits 2002, doch bis das Gebäude dann letztendlich in Betrieb genommen werden konnte, dauerte es bis 2012. Erheblichen Widerstand hatte sich gebildet – bei Lidl war damals gar ein anderer Standort im Gespräch – so lange zogen sich die Planungen. Und noch heute gibt es im Hüfinger Süden eine Bürgerinitative unter der Regie von Peter Albert, die darüber klagen, dass es dort zu viel LKW gibt, obwohl mittlerweile auch die Anbindung des Zentrallagers an die Bundesstraße barrierefrei ausgebaut worden ist.

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Nun möchte Lidl sein Zentrallager um 10.000 Quadratmeter erweitern. Der Gemeinderat hat bereits mit dem Bebauungsplan „Benediktsholz, 1. Erweiterung“ die planungsrechtlichen Grundlagen für das Vorhaben geschaffen. Mit dem neuen Bebauungsplan wird die bestehende Gewerbefläche um zirka 1,72 Hektar nach Osten erweitert und die östlich anschließenden, bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen als Überschwemmungsgebiet und ökologische Ausgleichsflächen bis zum Bachlauf des Kennerbachs einbezogen. Damit umfasst das Bebauungsplangebiet in seinem vergrößerten Zuschnitt insgesamt eine Größe von rund 3,72 Hektar.

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  • Das Projekt: Wie Thomas Mattner, Geschäftsführer der Lidl-Regionalgesellschaft Südbaden, erläuterte, plant Lidl, das bestehende Zentrallagergebäude um zirka 80 Meter zu erweitern, um zusätzliche Lagerräume mit einer Nutzfläche von zirka 10.000 Quadratmetern zu schaffen. Mit der Erweiterung, so Mattner weiter, werde der Standort Hüfingen mit seinen derzeit rund 235 Mitarbeitern langfristig gesichert. Das Unternehmen plane mit Investitionen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und wolle im Zuge des Ausbaus das „Innenleben“ des Zentrallagers so umgestalten, dass die Arbeits- und Prozessabläufe optimiert werden. „Aktuell fahren 70 bis 80 LKW täglich das Lager an und haben dabei eine Auslastung von 60 bis 80 Prozent. Diesen Auslastungsgrad wollen wir sehr deutlich erhöhen“, erklärte Thomas Mattner. Es werde daher durch die Lagererweiterung, betonte er, keine Mehrbelastung auf der Straße erfolgen.
  • Ökopunkte-Konto: Wie Planer Henner Lamm vom Büro Kommunalplan ausführte, können die Eingriffe in die Schutzgüter Biotope und Boden im Bereich der Erweiterungsfläche und der neu überplanten Flächen des jetzt rechtskräftigen Bebauungsplans innerhalb der geplanten Erweiterungsfläche nicht vollständig ausgeglichen werden. Es verbleibe ein „rechnerisches Defizit von zirka 223.000 Punkten“, das durch Ökopunkte aus „planexternen Maßnahmen“ kompensiert werden müsse. Die Firma Lidl als Vorhabensträger werde dieses Defizit durch den Erwerb von Ökopunkten bei der Flächenagentur Baden-Württemberg ausgleichen. Es werde also weder das Ökopunkte-Konto der Stadt Hüfingen belastet, noch städtische Flächen außerhalb des Bebauungsplangebiets als ökologische Ausgleichsflächen in Anspruch genommen, betonte Lamm.
  • Gemeinderat: Für die CDU-Fraktion signalisierte Stadtrat Harald Weh Zustimmung zum neuen Bebauungsplan. Auch Adolf Baumann, FW/FDP/UWV-Fraktionssprecher, und SPD-Sprecherin Kerstin Skodell äußerten sich positiv. Sie begrüßten dabei das Lidl-Erweiterungsvorhaben als solches sowie den Umstand, dass die Planungshoheit für das Bebauungsplanverfahren bei der Stadt verblieben sei und das städtische Ökopunkte-Konto nicht belastet werde, während die Kostenseite von Lidl getragen werde. BFSO/Die Grünen-Fraktionssprecher Peter Albert befürchtete, dass der Liefer- und LKW-Verkehr sich verstärkt seinen Weg zum Lidl-Zentrallager durch Hüfingen suchen und nicht der offiziellen Ausschilderung von der Bundesstraße her folgen werde. Er beantragte im Namen seiner Fraktion, die Entscheidung über den erweiterten Bebauungsplan zu verschieben, was vom Rat mehrheitlich abgeschmettert wurde. Den Bebauungsplan verabschiedete der Gemeinderat mehrheitlich und gegen die drei Stimmen der BFSO/Die Grünen-Fraktion.