Keine Wünsche ließ der letzte Vorhang im Hanhart-Kunstprojekt übrig. Ein Superprogramm, tolle Atmosphäre, gut gelaunte Gäste, zufriedene Veranstalter und gekonnte Logistik machten den Samstagabend aus.

Das Hanhart-Kunstprojekt gibt es seit 1997. „Der letzte Vorhang“ sollte jetzt das Ende darstellen. Aber Halt – war das wirklich die letzte Veranstaltung? Claus Volker Müller verkündete in seinem Schlusswort: „Vielleicht geht es auch weiter – es ist etwas im Busch.“ Das Publikum reagierte freudig erstaunt, doch noch ist alles Zukunftsmusik.

Die Gegenwart war ein mehrstündiges Event, das die Diseuse Sandra Kreisler in sich aufsaugte. Sie ist von Volker und Margot Sude Müller überzeugt, die Künstlern herzlich begegnen, Kunst lieben und auf Kultur stehen. Sie sei gerne mit ihrem Partner Roger Stein gekommen, denn Hanhart hebe sich ab und sei etwas Besonderes.

Der Bildhauer Wolfgang Eckert freute sich über den heiteren Abschluss eines jahrelang durchgehaltenen Programms mit würdigen Akteuren. Überwältigend fand die Ärztin Ute Scheit die Beiträge, denn was die Künstler lieferten, war einfach toll. Gleichwohl sei sie etwas wehmütig gestimmt, freut sich aber auf eine eventuelle Renaissance.

Allein die Namen der Akteure sprachen für sich, und schon der mit Neckar-Wasser gewaschene Eisenacher Thomas C. Breuer sorgte für humoristische Unterhaltung mit Stil und Hintergrund bei seiner Moderation. Seine Meinung: „Wer es in Gütenbach schafft, kann es überall schaffen – vielleicht eines Tages in Schonach.“

Bestens war die Laune – Hans-Helmut Fahle rauf auf die Bühne. Der Bürgermeisterstellvertreter war launig gestimmt und schrieb einiges in das Poesiealbum des scheidenden Impressarios Müller und dessen Ehefrau.

Hanhart sei eine Kleinkunstbühne mit gar internationaler Bedeutung. Vierundzwanzig Jahre Durchhaltevermögen käme eigentlich nur Bürgermeistern oder Präsidenten zu. Man „sei aneinander gewachsen“, wurde auf geistiges Glatteis geführt und wurde hellwach bei Pointen, die heftige Arabesken in die Gehirnwindungen bliesen. Im Namen von Gemeinde und Bürgermeisterin Lisa Wolber überreichte Hans-Helmut Fahle Präsente.

Und dann trat der ehemalige Bürgermeister Rolf Breisacher als Botschafter des guten Geschmacks mit Motiv-Krawatte und Müllexperte in Aktion, der „Asche zu Asche“ propagierte. Er verteilte Seitenhiebe auf Pausensnacks, Wein, der nach dem fünften Viertel schmeckte, und auf spontane Eintritte, wenn die Veranstaltungen ausverkauft waren. Breisacher überbrachte außer Geschenken eine Grußadresse des Landrats Sven Hinterseh mit.

Die Künstlerauftritte waren kaum zu toppen. Marc Rossier mit Gitarre und Daniel Hildebrand mit Mundharmonika überzeugten mit bluesigem Song über Erlebnisse an einer Londoner Busstation, einer jazzigen Kasatschokimpression, Erinnerungen von Memphis und New Orleans mit Country-Lasur und rassig-fetzigem „She is gone“. Für Fake News hielt Uli Masuth den letzten Vorhang, ließ Jan Ulrich Drogenbeauftragten werden, sparte nicht mit witziger Terz und Quart auf Trump, Gauland und Fifa. Per Videoeinspielungen gratulierten Rolf Miller, Michael und Jennifer Ehnert und „The Shoo Shoos“ zum langjährigen Erfolg.

Überwältigend war darüber hinaus Pianist, Sänger und Kabarettist Sebastian Krämer. Er bediente heitere Ironie mit Selbstbespiegelung und Fingerzeig aufs Publikum in Dur und Moll mit „Tschuldigung, ich muss zum Flötenunterricht“, „Mein Bruder“ oder „Chicky-Wicky“ und dem Couplet „Büffet“ mit Berliner Grammatik.

Als „letzter Äkt“: die Georg Kreisler-Tochter Sandra mit Musiker Roger Stein und Themen um Bärlauchzeit, Klassentreffen oder Allgemeine Überwachung.