Gütenbach (bfg) Philipp Weber ist ein Phänomen. Erst echaufierte sich der Kabarettist aus Franken im ausverkauften Hanhart-Kunstprojekt über Werbung, Marketing und Manipulation. Sich verkaufen und vermarkten ist heute angesagt, auch bei Städten. So bringt Weber gleich zu Beginn den Gütenbacher Slogan „Im Herzen des Schwarzwaldes“. In seinem Programm „Weber No. 5“ zeigt er Unterschiede zwischen Werbung und Marketing auf. Sein Programm strotzt vor Wortspielen, Kalauern und Pointen. Was er raushaut, ist aber immer genauestens recherchiert und reflektiert.

Weber wirft Fragen auf. Gibt es ehrliche Werbung und ist Werbung Manipulation? Er entwickelt eine Imagekampagne für die Bundeswehr und empfiehlt demokratiemüden Bürgern einen Urlaub in der Türkei mit dem Slogan „Erlebe die Vielfalt“. Emotionen sind elementar wichtig beim Marketing, weiß Weber. Denn die schalten das Gehirn aus, und so gibt man 90 Prozent seines Einkaufsgeldes für Dinge aus, die man nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die man nicht mag.

Auch er ist nicht dagegen gefeit. Seine Passion sind Haushaltsgeräte, Milchaufschäumer und Weber-Grills. Er quasselt sich quasi in Rage und lässt Bilder in den Köpfen des Publikums entstehen. Gefühle werden nicht nur bei Werbung angesprochen, auch Wahlslogans der Parteien arbeiten so, die Bedürfnisse ansprechen und bis zu nationalistischen Strömungen gehen. Ist Werbung noch durchschaubar, ist Marketing mehr als das und höchst manipulativ, da es unterbewusst wirkt.

Frühe Markenbindung bei Kindern durch Kinderlebensmittel prangert Weber als Form des modernen Kapitalismus an, wenn die Großeltern als Dealer für Fruchtzwerge agieren. Sogleich fordert er ein Verbot dieser Werbung und zeigt damit klare Kante. Der Mensch werde nur noch als Konsument gebraucht. Sein autonomes Auto fährt quasi allein und deshalb fährt er mit dem Zug. Auch die Pharmaindustrie will wachsen und braucht dafür neue Krankheitsbilder wie das Aging-Man-Syndrom. Beim Publikum stellt er jedoch kein humoristisches Defizitsydrom fest.

Philipp Weber ist ein Turboquassler, er steht keine Minute still, überholt sich manchmal beim Reden. Er philosophiert, reflektiert, und manchmal überschlägt sich seine Stimme. Er ist witzig und originell und hat eine klare politische Meinung, kritisiert Konsumverhalten, teilt Menschen nicht ein in Christ oder Moslem, sondern nur in Idiot und Nicht-Idiot.

Etwas wehmütig sieht er dem Ende des Hanhart entgegen und fordert für die Macher einen tosenden Applaus. Recht so.