Eines der ältesten Blasmusikorchester der Region wird 200 Jahre alt. Gefeiert wird bei der Stadtmusik Geisingen coronabedingt in Etappen, in diesem und im nächsten Jahr. Superlativen bestimmen in mehrfacher Hinsicht die bisherige Historie der Stadtmusik Geisingen seit ihrer Gründung 1822.

200 Jahre alt wird das musikalische Aushängeschild des Blasmusikverbandes Schwarzwald-Baar, die Stadtmusik Geisingen. Derzeit hat die ...
200 Jahre alt wird das musikalische Aushängeschild des Blasmusikverbandes Schwarzwald-Baar, die Stadtmusik Geisingen. Derzeit hat die Stadtmusik 85 Aktive, weiteres Wachstum nicht ausgeschlossen | Bild: Paul Haug

Neben dem Alter sind es auch die Dienstzeiten vieler Dirigenten mit mehreren Jahrzehnten bemerkenswert und einmalig ist die Zahl der Wettbewerbe auf nationaler und internationaler Ebene, bei denen sich die Musiker Wertungsrichtern stellten. Sie bewiesen damit eindrucksvoll ihren musikalischen Leistungsstand.

Permanent im Wettbewerb

Von 1959 bis 1980 stellte sich das Orchester neunmal in der Oberstufe den Wertungsrichtern, und ab 1981 sage und schreibe 21 Male in der Höchststufe. Unter der Leitung von Rudolf Barth fast jedes Jahr, das letzte Mal 2018, als man in Schmallenberg ein Traumergebnis erreichte, mit 100 von möglichen 100 Punkte. Nach einer Wertungsspiel-Pause 2019 sollte es dann wieder 2020 zu Wettbewerben gehen, da machte aber Corona einen Strich durch die Rechnung.

Könner in Sachen Stimmung

Auch 2021 und 2022 wird dies so sein, denn um in der Höchststufe ein entsprechendes Resultat zu erzielen, bedarf es einer intensiven Probentätigkeit. Und die fehlte 2020 und 2021 fast gänzlich, in diesem Jahr sind seit wenigen Wochen wieder Proben ohne entsprechende Auflagen und Abstände möglich.

Und dass die Stadtmusik sich nicht nur im Bereich der symphonischen Blasmusik betätigt, sondern auch für Stimmung und Unterhaltung sorgen kann, bewiesen die Aktiven schon öfters, natürlich auch an Fasnacht.

Erste Erwähnung 1822

Die erste Niederschrift der Musikgesellschaft datiert aus dem Jahr 1822, wobei in der städtischen Chronik schon 1761 von Musikern die Rede ist. Schriftlich dokumentiert als Verein oder Gesellschaft ist dies allerdings nicht. 1833 wird zum ersten Mal der Name Stadtmusik erwähnt. 1907 wurde von früheren Musikern eine zweite Kapelle gegründet, nun hatte Geisingen zwei Kapellen, die den Namen Rote Musik und schwarze Kapelle erhielten.

Die Streitigkeiten, die auch die Gemeinde in zwei Lager teilten, hielten bis 1912 an. Beide Kapellen einigten sich und beschlossen den Neuaufbau. 1961 wurde die Jugendkapelle durch Adolf Schmid gegründet. Er begann eine intensive und qualifizierte Ausbildung von Musikernachwuchs und legte den Grundstein für die Erfolge bis heute.

Bisher nur eine Dirigentin

Seit der offiziellen Erwähnung 1822 hatte die Stadtmusik bis heute zwölf Dirigenten und eine Dirigentin. Die längsten Amtszeiten als Dirigenten hatten Robert Heppler mit 36 Jahren von 1913 bis 1945 und von 1951 bis 1955. Adolf Schmid leitete die Kapelle 35 Jahre lang von 1955 bis 1990, Karl Guldin kam auf 30 Dirigentenjahre von 1861 bis 1891. Rudolf Barth leitet die Stadtmusik inzwischen seit 23 Jahren, er übernahm das Amt 1999 von Ingrid Fromm.

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Sie war die einzige Frau am Dirigentenpult von 1990 bis 1998, als sie aus familiären Gründen das Amt abgab. Sie legte auch den Grundstein für die Jugendausbildung der neueren Zeit, die durch Rudolf Barth, auf dessen Initiative auch die Bläserschule gründet wurde, nahtlos fortgeführt wird.

85 Aktive haben keinen Platz

Derzeit erlebt die Stadtmusik Geisingen einen Boom an Aktiven. Trotz Corona-Einschränkungen konnte die Zahl der Aktiven gesteigert werden. Qualifizierter Nachwuchs aus dem Jugendblasorchester nachdem die jungen Musiker das silberne Leitungsabzeichen erworben haben, verstärkt den Klangkörper.

Alt und jung kann Stadtmusikdirektor Rudolf Barth für die Musik begeistern. Hier darf Milena bei der Kindervorstellung die Kapelle ...
Alt und jung kann Stadtmusikdirektor Rudolf Barth für die Musik begeistern. Hier darf Milena bei der Kindervorstellung die Kapelle dirigieren. | Bild: Paul Haug

Dieses Art Luxusproblem der rund 85 Aktiven führt dazu, dass aufgrund der Vielzahl der Aktiven und dem damit verbundenen Platzbedarf für die Musikinstrumente im Probelokal im Rathaus, dem Adolf-Schmid-Saal, kein geordneter Probebetrieb möglich ist. Während der Corona-Pandemie konnte in der Geisinger Arena geprobt werden, derzeit finden die Musikproben in der ehemaligen Schindelbrücke statt.

Open-Air-Konzert auf dem Wartenberg

Am kommenden Samstag ist das Jubiläumskonzert um 19 Uhr in der Stadthalle in Geisingen. Dabei wird unter anderem die von Stadtmusikdirektor Rudolf Barth für das Jubiläum komponierte Fantasia Alpina neben weiteren Konzertstücken aufgeführt.

Am 8. Juli findet ein Open-Air-Konzert auf dem Wartenberg um 19 Uhr statt, am 10. Dezember ist zusammen mit dem Jugendblasorchester das Jahreskonzert geplant. Die im Zusammenhang mit dem Jubiläum geplanten Wertungsspiele werden ins nächste Jahr verschoben. 2023 sind diese am 13. und 14. Mai geplant, zusammen mit einem Festwochenende in der Arena.