Wenn die beiden Geisinger Revierleiter Karl-Ernst Rapp und Hartmut Bertsche Regen sehen, freuen sie sich. Dabei sitzen auch die Forstwirte gerne bei trockenem Wetter am heimischen Grill.

Doch die rund 2300 Hektar Stadtwald, die sie betreuen und verwalten, haben den Regen bitter nötig: Die Bäume leiden unter der Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 und zugleich ist der Niederschlag von elementarer Bedeutung, um die Population des Borkenkäfers einzudämmen. Denn bei Regen fliegen die Insekten nicht. So sind die Forstwirtschaftsjahre 2018 und 2019, soweit es sich bis jetzt abschätzen lässt, alles andere als normal.

Invasion der Käfer

Buchdrucker und Kupferstecher haben auch den Geisinger Stadtwald erreicht. Gab es im letzten Jahr besonders viel Sturmholz zu beklagen, so füllt dieses Mal der Bereich Insektenholz, wie die befallenen Bäume amtlich bezeichnet werden, die Statistik mit den sogenannten zufälligen Ergebnissen aus. Unter zufälligen Ergebnissen versteht man in der Forstwirtschaft alle Bäume, die nicht planmäßig geschlagen werden.

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Im letzten Jahr hatten die beiden Revierleiter 12 000 Festmeter an Sturmholz zu beklagen, das meiste davon im Revier Süd von Hartmut Bertsche. Besonders hart traf es dabei den Bereich Leipferdingen. Dort hatte Bertsche schon im letzten Jahr viele Ausfälle bei den Jungbeständen an Nadelhölzern aufgrund der Trockenheit zu verzeichnen. 1000 Festmeter waren im letzten Jahr vom Borkenkäfer betroffen, der planmäßige Einschlag in beiden Revieren beträgt insgesamt 18 000 Festmeter Holz.

Planmäßig heißt auch geordnet

Bestand für Bestand wird gepflegt, Zuwachs entnommen, damit der Restbestand weiter an Holz und damit Wert und Geld zulegen kann. Dann kommen Ereignisse wie Sturm, Schneebruch oder die Invasion der Käfer hinzu. Auf extrem trockenem Boden hat die Fichte als Flachwurzler mit fehlendem Wasser zu kämpfen. Kommen dann noch viele Schädlinge hinzu, ist es um den Baum meist geschehen. Stürme finden meistens auf einer zusammenhängenden Fläche statt, im letzten Jahr zog der Sturm in Leipferdingen jedoch eine kilometerlange Schneise.

Einzelne Nester oder auch flächendeckend – der Befall von Bäumen durch Borkenkäfer ist in Geisingen immens.
Einzelne Nester oder auch flächendeckend – der Befall von Bäumen durch Borkenkäfer ist in Geisingen immens. | Bild: Paul Haug

Bäume, die vom Borkenkäfer befallen sind, stehen sehr verstreut – mal dort einige wenige, mal dort einige mehr. Jeden einzelnen Baum müssen die Forstleute ausfindig machen, um ihn dann so schnell wie möglich zu fällen, bevor sich der Käfer weiter verbreitet. Sind die Larven des Schädlings noch in der Rinde, haben sie es rechtzeitig geschafft. Dann wird der Baum geschält und der Käfernachwuchs stirbt ab.

Regen wird dringend benötigt

Ansonsten müssen die Forstwirte sorgsam den umliegenden Bestand beobachten. Bei etlichen Einschlägen wurden die Äste geschreddert und die freien Flächen wieder aufgeforstet. Die Jungpflanzen, so Hartmut Bertsche, seien gut angewachsen, brauchten aber dringend Regen. Die Stadt Geisingen hat seit wenigen Wochen wieder drei Waldarbeiter. „Die sind Gold wert“ betonen die beiden Revierleiter – derartige Problemsituationen könne man nur mit eigenem Personal und der Unterstützung durch Forstunternehmer angehen.

Holzpreis hat sich fast halbiert

Die landes- und bundesweite Käferpopulation wirkt sich auch erheblich auf den Preis des Holzes aus. Befallenes Holz ist rund 40 Prozent weniger wert, was den Erlös aus dem Stadtwald erheblich mindert.

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Pro Festmeter Stammholz gibt es rund 56 Euro im sogenannten Leitsortiment – dieser Preis für frisches Holz lag schon bei knapp 100 Euro. Papierholz, also schwächere Segmente, sind fast gar nicht mehr gefragt und das sogenannte K-Holz – Abschnitte von minderwertiger Qualität beispielsweise mit Rotfäulebefall – wird mit zehn Euro pro Festmeter gehandelt. Damit wird nicht einmal ein Bruchteil der Arbeitskosten gedeckt, egal ob dabei Waldarbeiter oder Maschinen zum Einsatz kommen.

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