Weil eine Deckenkonstruktion statisch nicht funktioniert und komplett ersetzt werden muss, verteuert sich die Modernisierung und Erweiterung des Kindergartens Am Stadtgraben um rund 186 000 Euro. Der Gemeinderat hat diese Mehrkosten bei seiner jüngsten Sitzung in Kauf genommen. Der Billigung duch das Stadtparlament ging allerdings eine teils hitzig geführte Diskussion voraus, in deren Kern letztlich die Frage rückte, ob ein Versicherungsfall vorliegt.

Ob die jetzt aufgetretenen statischen Probleme im Vorfeld nicht erkennbar gewesen seien, wollte CDU-Fraktionssprecher Hubert Seger von Planer und Architekt Thomas Kreuzer wissen. Es habe keinerlei Verdachtsmomente gegeben. Alte Bauakten, aus denen unter anderem statische Berechnungen hervorgingen, lägen zu dem heutigen Kindergarten-Gebäude nicht vor, verneinte Kreuzer Segers Frage.

Aus eigener Erfahrung wisse er, so CDU-Stadtrat Thomas Uhrig, dass die Schaffung größerer Räume in Altbauten gerade unter statischen Gesichtspunkten grundsätzlich immer problematisch seien. Angesichts der im Zuge des Kindergarten-Umbaus vorgesehenen massiven Eingriffe in die Statik des Gebäudes stelle sich die Frage, ob die angestellten Voruntersuchungen ausreichend gewesen seien. In diesem Zusammenhang gelte es, so Uhrig, seitens der Stadtverwaltung zu prüfen, ob nicht ein Versicherungsfall vorliege und die Berufshaftpflichtversicherung, über die jeder Planer verfüge, für die entstandenen Mehrkosten aufkommen müsse.

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„Ich verwahre mich ausdrücklich gegen den Vorwurf der Fahrlässigkeit“, gab Thomas Kreuzer Uhrig Contra. Bürgermeister Walter Hengstler sicherte einerseits zu, dass der Frage, ob ein Versicherungsfall vorliege, nachgegangen werde. Andererseits warf er Uhrig vor, bei dem Thema befangen zu sein und ein Ablenkungsmanöver zu fahren. Bekanntermaßen sei Uhrigs Bruder, der Architekt Markus Uhrig, mit den Planungen für den Umbau und die Erweiterung des Kindergartens Alte Gerbe betraut, ein Vorhaben, das sehr ähnlich gelagert sei wie das Projekt Kindergarten am Stadtgraben. „Die Maßstäbe, die Sie jetzt im Fall des Kindergartens Am Stadtgraben geltend machen, müssen dann auch bei jedem anderen Bauvorhaben angesetzt werden“, wandte sich der Bürgermeister an den CDU-Stadtrat.

Die Prüfung, ob tatsächlich ein Versicherungsfall vorliegt, wird sich im Kern wohl um die Frage drehen, ob und in welchem Umfang statische Voruntersuchungen erforderlich waren und ob diese gegebenenfalls im vorgegebenen Umfang erfolgt sind. Diesen Aspekt hatte SPD-Stadtrat Volker Fromm in die teils hitzig geführte Diskussion im Gemeinderat eingebracht.

Die Mehrkosten für die jetzt erforderlich gewordenen zusätzlichen Baumaßnahmen im Rahmen der Modernisierung des Kindergartens Am Stadtgraben belaufen sich laut Berechnungen auf 186 000 Euro, die Gesamtkosten erhöhen sich damit auf rund 1,17 Millionen Euro. Durch die Maßnahmen zur statischen Sicherung der bisherigen Deckenkonstruktion und den Einzug einer neuen Balkendecke verzögern sich die Bauarbeiten. Ob das gesamte Bauprojekt wie geplant bis zum Beginn des Kindergartenjahrs 2019/20 abgeschlossen werden kann, ist noch nicht absehbar.