Mehr als deutlich fällt die Kritik der CDU-Fraktion im Geisinger Gemeinderat am jüngsten Vorstoß der Wählervereinigung Aktive Bürger aus. Stadtrat Andreas Heidel (Aktive Bürger) hatte bei einer Sitzung des Stadtparlaments im November letzten Jahres zunächst mündlich einen Antrag formuliert, demzufolge die Erweiterung und Sanierung des Kindergartens Alte Gerbe um ein Jahr auf 2020 verschoben werden soll und die dadurch gewonnene Zeit zu nutzen, um vom Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit verworfene Überlegungen für einen zentralen Kindergartenstandort auf dem Schulgelände wieder aufzugreifen.

Im Gespräch mit dem SÜDKURIER bezogen jetzt CDU-Fraktionssprecher Hubert Seger sowie die beiden CDU-Stadträte Thomas Uhrig und Waltraud Müller-Franke Stellung zu dem Vorstoß der Aktiven Bürger. Der mittlerweile offenbar auch schriftlich bei der Stadtverwaltung vorliegende Antrag sei, so der Tenor der Kritik, weder unter konzeptionellen, noch unter finanziellen, städtebaulichen und kommunalpolitischen Nachhaltigkeitsaspekten tragfähig.

Ihr freundliches Lachen täuscht: Geisingens CDU-Fraktionschef Hubert Seger sowie die beiden CDU-Stadträte Thomas Uhrig und Waltraud Müller-Franke (von links) finden den Antrag der Aktiven Bürger auf eine zeitliche Verschiebung der Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten am Kindergarten Alte Gerbe alles andere als lustig.Bilder: Thomas Schröter
Ihr freundliches Lachen täuscht: Geisingens CDU-Fraktionschef Hubert Seger sowie die beiden CDU-Stadträte Thomas Uhrig und Waltraud Müller-Franke (von links) finden den Antrag der Aktiven Bürger auf eine zeitliche Verschiebung der Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten am Kindergarten Alte Gerbe alles andere als lustig. | Bild: Schröter, Thomas
  • Dezentrales Konzept: Dem Leitmotiv "kurze Beine, kurze Wege" folgend, habe sich der Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit dafür entschieden für die Kindergärten die dezentrale Struktur mit den beiden Standorten Am Stadtgraben und Alte Gerbe aufrecht zu erhalten und auszubauen, betonte Waltraud Müller-Franke.
  • Finanzielle Seite: Auch kostenseitig spricht laut Uhrig alles für den dezentralen Ansatz und gegen einen zentralen Kindergartenstandort: "Die Sanierung und Erweiterung der beiden bestehenden Kindergärten schlägt, die kürzlich ungeplant entstandenen Kosten für die Ertüchtigung des Dachgebälks im Kindergarten Am Stadtgraben mit einberechnet, mit rund 3,7 Millionen Euro zu Buche, ein Neubau mit mindestens 4,5 Millionen Euro." Zudem, so Uhrig weiter, beliefe sich die Förderquote für die beiden Bestandskindergärten auf 50 Prozent, während ein Neubau mit höchstens 30 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst werde.
  • Städtebaulicher Aspekt: Die Stadt Geisingen sei, so Waltraud Müller-Franke, zum Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden Alten Gerbe verpflichtet: "Mit dem Kindergartenbetrieb erhalten wir nicht nur die äußere, stadtbildprägende Hülle, sondern erhalten auch das Leben in ihren Räumen." Mit dem Sanierungs- und Umbaukonzept für den Kindergarten Alte Gerbe sei es gelungen, das gesamte Areal städtebaulich einzigartig und gleichzeitig kindgerecht zu gestalten.
  • Verlässlichkeit: "Kommunalpolitik muss verlässlich sein, die Bürger und in diesem Fall insbesondere die Familien müssen sich auf einmal gefasste Beschlüsse dauerhaft verlassen können", erklärte Hubert Seger. Der Gemeinderat habe viel Zeit in die Kindergartenplanungen investiert und sich nahezu einstimmig für die Sanierung und Erweiterung der Kindergärten Am Stadtgraben und Alte Gerbe entschieden. Nach dem Start der Arbeiten im Kindergarten Am Stadtgraben gelte es jetzt die Planungen für die Alte Gerbe in die Umsetzung zu bringen und nicht ohne Not an getroffenen Entscheidungen zu rütteln.
  • Erwartungshaltung: Die Aktiven Bürger weckten, so der CDU-Sprecher weiter, bewusst oder unbewusst den falschen Eindruck, dass das Kindergarten-Provisorium dauerhaft genutzt werden könne. "Der dauerhafte Betrieb eines Kindergartens auf dem Schulgelände ist aber schon aufgrund der mangelhaften Bausubstanz des Schulgebäudes nicht möglich. Wer also das Schulgelände als Kindergarten-Standort ins Gespräch bringen will, muss dies seriöserweise zwingend in Zusammenhang mit einem Neubau und dessen Kosten tun", meinte Seger.