Wenn die Narrenzünfte Grünwinkel Geisingen die Hansele zur Schottischprobe oder die Narrenzunft Kirchen-Hausen die Latscharis zur Laufprobe ruft, hat dies einen besonderen Grund: ein einheitliches Auftreten bei den Umzügen an Fasnet. Hansele oder Latscharis, die schon viele Jahre im Häs sind, kennen die Schritte eigentlich. Aber es gibt jedes Jahr neue Hästräger und für die ist es wichtig, den Schritt zu proben, damit sie ihn auch beherrschen. Sonst springen 60 Hansele richtig, zwei oder drei nicht, was dann negativ auffällt.

Während die Gutmadinger Raben, die Aulfinger Zundermännle und Hauwieble oder die Leipferdinger Strohhansel mehr oder weniger mit Ausnahme des Narro-Rufes am Umzug ihre Zunft präsentieren, sind die Hansele und die Latscharis nicht zu überhören: Die Latscharis haben den Schellenbaum in der Hand, der mit zahlreichen Schellenrollen bestückt ist. Der Schellenbaum geht auf vergangene Zeiten zurück, als die bösen Geister und Dämonen durch sein Schlagen und Schellenrollen vertrieben werden sollten.

„Der spezielle Latscharilaufschritt geht auf die Entstehung des Latscharis zurück und zeigt das Einfältige und Tolpatschige der Symbolfigur der Narrenzunft, dem Latschari“, so Latscharimutter Judith Gebauer. Bei den Umzügen laufen dann 40 bis 50 Latscharis einheitlich und schlagen den Schellenbaum auf den Boden zu den Klängen des Narrenmarsches, was dann den einheitlichen und rhythmischen Lärm erzeugt. Abwechselnd die rechte und die linke Reihe.

Beim Geisinger Hansel ist es etwas anders. Da springen die Hansel bei den Klängen des Narrenmarsches, es ändert sich dann, wenn die Narrenkapelle den Hanselschottisch „Ist des Hansele no nit do“ anstimmt. Je nach Anzahl der Hansele beim Umzug, da können es auch mal 60 und mehr Erwachsene sein, sind zwei oder drei in der Mitte, halten den Haferstrohbüschel in die Höhe, ein Pfiff und mit dem ersten Takt des Hanseleschottisch springen alle gleichzeitig. Ein einheitlicher unüberhörbarer Klang der Schellen erklingt, gemächlich geht der Umzug dann nach vorne, weil ja auch noch einige Drehungen dabei sind. Dieser Hanselsprung, auch Schottisch genannt, muss sitzen und deshalb wird geprobt. Da springen auch schon die Kinder im Hanselehäs entsprechend mit. Und auch für die Kleinen finden ebenfalls entsprechende Proben statt, denn früh übt sich, was ein guter Narr sein will.

„Neben den drei bis vier neuen Hansele sind es jedes Jahr noch weitere neue, die einfach einmal mitlaufen und sich als Hästräger versuchen wollen“, wie Kirsten Fromm von der Hanselegruppe mitteilt, bei den Kindern sind mehr Neulinge dabei.

Bei den Latscharis sind es ebenfalls etwa fünf neue, wie Latscharimutter Judith Gebauer informiert. Aber das Üben ist für alle, und die Probe ist auch ein erstes Kennenlernen aller und lustig dazu.

Anders sind die Brauchtumstänze, das ist in Geisingen bei den Hansele der Hanselsprung, die sogenannte Formation, in Kirchen-Hausen haben Hexen und Latscharis einen gemeinsamen Brauchtumstanz.

Brauchtumspflege

Närrisches Brauchtum ist nicht nur das Narrengewand, oder das Häs mit seinen Utensilien, sondern auch ein einheitliches und geschlossenes Auftreten. Einheitliche Schritte und ein geschlossenes Auftreten erfordern entsprechende Proben. In Geisingen der Hanselsprung der Hansele und in Kirchen-Hausen der einheitliche Lauf der Latscharis. (ph)