„Der Kranz hat wieder auf“ hieß es am Fasnachtsmontag in Geisingen. Doch wer oder was ist oder war der Kranz? Eine Gaststätte, die als solche bis 1968 von der Familie Friedlin betrieben wurde. Fritz Friedlin war der letzte Kranz-Wirt, der dann das Gebäude an der Hauptstraße verkaufte. Die jüngere Generation, ja fast zwei Generationen, kennen den Kranz als Gasthaus überhaupt nicht mehr. Doch der alte Kranz wurde nach Stationen als Geschäftshaus im Juli zur Schmiede, dem neuen Geisinger Kulturtreff.

"Schmiede deshalb, weil man hier in den Räumlichkeiten des früheren Kranz auch Talentschmiede sein will", sagt Betreiber Holger Stoffler. "An den Namen Kranz haben wir zuerst nicht gedacht, aber bei Sonderaktionen wie an Fastnacht ist es dann halt der Kranz, sonst die Talentschmiede für Künstler aller Art", so Stoffler weiter.

Kranz-Wirte für einen Tag: Holger und Daniela Stoffler an der Stelle, an der der einzig runde Tisch im Kranz stand.
Kranz-Wirte für einen Tag: Holger und Daniela Stoffler an der Stelle, an der der einzig runde Tisch im Kranz stand. | Bild: Paul Haug
  • Geschichte lebt auf: Am Fastnachtsmontag kamen nicht nur jüngere und junge Geisinger in den Kranz, sondern auch viele, die noch den letzten Kranz-Wirt Fritz Friedlin und die schon fast legendäre Kranzwirt-Oma Lina noch kannten. Sie war nicht nur Wirtin, sondern auch eine begeisterte Cego-Spielerin und drosch am Stammtisch so manche Cegorunde mit den Gästen. „Wir haben unheimlich viel vom Kranz und den Gästen erfahren“, bilanziert Daniela Stoffler. Es war schon fast Geschichtsunterricht, was sich im Rahmen der Öffnung als Kranz die älteren Gäste erzählten und auch in Erinnerungen schwelgten. Gab es zu Öffnungszeiten des Gasthauses Kranz an Fastnacht kaum einen freien Platz, damals gingen die Einwohner an Fasnet noch auf die Straße und vor allem am Abend in die Lokale, war es am Montagabend nicht anders. Die Siiterießer und Ech gaben ihr Bestes, die Besucher drängten sich dicht an dicht, und auch nach diesem Auftritt des Geisinger Quartetts war der Raum voll.
So sah der Geisinger Kranz bis 1968 aus, ehe das Wirtshausschild eingezogen wurde und das Gebäude mehrfach umgebaut wurde.
So sah der Geisinger Kranz bis 1968 aus, ehe das Wirtshausschild eingezogen wurde und das Gebäude mehrfach umgebaut wurde. | Bild: privat/Repro: Paul Haug
  • Alte Dokumente: „Wir haben von den zwei Söhnen von Fritz Friedlin, Karl-Ernst und Manfred, eine immense Unterstützung erhalten. Es ist erstaunlich, wieviel alte Unterlagen und Bilder noch vorhanden sind, am Straßenfest soll der Kranz wieder öffnen, dann mit noch mehr alten Dokumenten“, kündigte Holger Stoffler an.
So sieht das Gebäude heute aus, in dem die Schmiede im Erdgeschoss untergebracht ist. Deutlich zu sehen ist der Rückbau des Erdgeschosses. Bilder: privat/Paul Haug
So sieht das Gebäude heute aus, in dem die Schmiede im Erdgeschoss untergebracht ist. Deutlich zu sehen ist der Rückbau des Erdgeschosses. Bilder: privat/Paul Haug | Bild: Paul Haug
  • Die Ursprünge: 1912 hat Johann Jakob Friedlin mit seiner Frau Lina das Haus gekauft und im März 1913 die Schankerlaubnis zur Eröffnung des Gasthauses Kranz erhalten. Das runde Eck, der einzige runde Tisch im Kranz, war in der nordwestlichen Ecke, dort wo heute der Eingang ist. Beim Umbau des Gebäudes wurde das Erdgeschoss zurückgebaut und die kleinen Fenster wurden zu Schaufenstern vergrößert.
  • Firmendomizil: Dort zog Ende der 1960er Jahre die Elektrofirma Türke ein, die das Gebäude dann später an einen Investor aus dem Bodenseeraum veräußerte, nachdem deren Inhaber in den Ruhestand trat. Danach zog nach einigen Jahren Leerstand das Optikergeschäft Augenblick ein, nach dessen Umzug in kleinere Räume an der Schlossstraße stand das Erdgeschoss wieder lange Zeit leer.
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  • Kampf dem Leerstand: Vor einem Jahr konnte die Narrenzunft dann eine Ausstellung anlässlich des 160-jährigen Bestehens eröffnen, das war dann auch die Idee für Holger und Daniela Stoffler, aus dem Gebäude etwas zu machen. Wie sie bei der Eröffnung im Juli betonten, wollten sie mit einem solchen Projekt eigentlich noch einige Jahre warten, aber der Leerstand des Gebäudes und auch die vielen Leerstände an der Hauptstraße regten sie dazu an, etwas gegen leere Schaufenster und dunkle Geschäfte zu unternehmen. Daraus wurde die Schmiede, die in den letzten Monaten zu zahlreichen Events eingeladen hat.
  • Die Schmiede: Sogar internationale Künstler kommen in die Schmiede, die nächsten stehen schon buchstäblich vor der Tür. Auf die Frage, wie das letzte halbe Jahr gelaufen ist, antworten beide: „Gut, nur drauflegen wollen wir hier nicht, wir opfern viel Freizeit", sagt der IT-Kaufmann und die Lehrerin, die noch vier Kinder zu versorgen haben, "aber es muss sich rechnen“. Der Monat ist schnell vorbei, und die Miete und die Nebenkosten müssen bezahlt werden. Sie versuchen auch, über Sponsoring Unterstützung für das Projekt zu erhalten, das sowohl kulturell eine Bereicherung ist, wie auch ein Beispiel im Kampf gegen Leerstände.