Soll die Sanierung des Kindergartens Alte Gerbe um mindestens ein Kalenderjahr verschoben werden? Mit dieser Frage, die auf einem Antrag der Wählervereinigung Aktive Bürger fußt, den Stadtrat Andreas Heidel mittlerweile auch schriftlich hinterlegt hat, wird sich der Geisinger Gemeinderat bei seiner Sitzung am Dienstag, 22. Januar, auseinandersetzen. Das Thema dürfte für reichlich Zündstoff sorgen, die CDU-Fraktion hat bereits im Vorfeld der Gemeinderatssitzung äußerst kritisch auf den Vorstoß der Aktiven Bürger reagiert.

Der schriftlichen Fassung des Antrags zufolge soll der Gemeinderat darüber abstimmen, ob die beabsichtigte Sanierung der Alten Gerbe um mindestens ein Kalenderjahr verschoben werden soll. Für die neuerliche Fassung des Stadtparlaments mit diesem Thema führen die Aktiven Bürger mehrere Gründe an.

Das Geisinger Schulareal – im Bild das Schulgebäude II, in dem für die Dauer der Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten im Kindergarten Am Stadtgraben, ein Kindergarten-Provisorium untergebracht ist – rückt als potentieller Standort für einen neuen Kindergarten wieder in den Fokus des Gemeinderats.
Das Geisinger Schulareal – im Bild das Schulgebäude II, in dem für die Dauer der Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten im Kindergarten Am Stadtgraben, ein Kindergarten-Provisorium untergebracht ist – rückt als potentieller Standort für einen neuen Kindergarten wieder in den Fokus des Gemeinderats. | Bild: Schröter, Thomas

Die Kindergarten-Situation in Geisingen habe sich, ist dem Schreiben der Aktiven Bürger zu entnehmen, grundlegend geändert. Seit der Einrichtung des provisorischen Kindergartens auf dem Schulgelände habe man praktische Erfahrungen darüber sammeln können, wie ein solcher Kindergarten außerhalb der Alten Gerbe funktioniert. Das Provisorium komme bei allen Beteiligten – Kindern, Erzieherinnen, Eltern – sehr gut an, der Standort biete im Vergleich zur Alten Gerbe ausschließlich Vorteile. Es gebe einen großen Garten mit Hütte und Spielgeräten. Die Turnhalle befinde sich in unmittelbarer Nähe und könne von den Kindern genutzt werden, ohne weite und gefährliche Wege in Kauf nehmen zu müssen. Auch die Küche im benachbarten Schulgebäude könne für die Ganztagsbetreuung wunderbar genutzt werden. Zudem könnten die Eltern ihre Kinder problemlos und sicher zum Kindergarten auf dem Schulgelände bringen und wieder abholen, sei es mit dem Auto oder zu Fuß.

Außerdem beuge man mit der Verortung eines Kindergartens auf dem Schulgelände einer Verwaisung des Areals vor. Immerhin seien die Schülerzahlen um rund zwei Drittel von früher zirka 450 auf jetzt rund 160 Schüler gesunken, so die Aktiven Bürger.

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Nicht zuletzt führen die Aktiven Bürger in ihrem Antrag die Baukosten ins Feld. Die Baukosten lägen derzeit auf sehr hohem Niveau, aufgrund der guten Auftragslage seien die ausführenden Handwerker über Monate und Jahre ausgebucht. Diese Marktlage sei für Auftraggeber nicht optimal und führe zu weiter steigenden Kosten. Bei Altbausanierungen käme darüber hinaus noch ein kostentreibender Unsicherheitsfaktor in Form nicht vorhersehbarer baulichen Risiken hinzu. Das belegten zurückliegende Erfahrungen mit Altbaumaßnahmen ebenso wie die aktuellen Erfahrungen mit der Sanierung des Kindergartens Am Stadtgraben.

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Die Aktiven Bürger seien nicht grundsätzlich gegen einen Kindergarten Alte Gerbe. Es sollen, wird in dem Antrag betont, lediglich die „positiven Erfahrungswerte mit dem Provisorium an der Schule“ Berücksichtigung finden. Dadurch ergebe sich die Möglichkeit, zeitnah über ein grundsätzliches Kindergartenkonzept für Geisingen nachzudenken, auch unter Einbeziehung von pädagogischen Fachleuten. Diese Zeit sollte man sich, hält der Antrag fest, in Anbetracht der immensen Investitionskosten für eine Sanierung der Alten Gerbe auch nehmen. Es bestehe insoweit weder Eile noch Notwendigkeit, eine Entscheidung umzusetzen, die diese neuen Aspekte unberücksichtigt lasse. Die Chance, nochmals Pro und Contra abzuwägen und dies unter Einbezug der mit dem Provisorium gewonnenen Erfahrung sollte, wird im Antrag formuliert, genutzt werden.

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"Sind nicht grundsätzlich gegen Kindergarten Alte Gerbe"

Im Gespräch mit dem SÜDKURIER geht Stadtrat Andreas Heidel näher auf einige Aspekte ein, die in Zusammenhang mit dem Antrag der Aktiven Bürger auf eine Verschiebung der Sanierung der Alten Gerbe stehen.

Zielen Sie mit Ihrem Antrag auf einen zentralen Kindergarten auf dem Geisinger Schulgelände ab?

Klares Nein. Der Antrag hat mit dem Kindergarten Am Stadtgraben nichts zu tun. Uns geht es darum, vor dem Hintergrund der praktischen Erfahrungen mit dem Kindergartenprovisorium auch einen Standort auf dem Schulgelände wieder mit in Betracht zu ziehen. Was wir erreichen wollen, ist ein grundlegendes Kindergartenkonzept für Geisingen, das unter Einbeziehung der positiven Erfahrungen mit dem Provisorium sowohl pädagogische Kriterien, als auch kostenseitige Aspekte berücksichtigt.

Unterstellen Sie, dass das Kindergartenprovisorium auf dem Schulgelände dauerhaft weitergenutzt werden kann?

Nein, natürlich nicht. Uns ist durchaus bewusst, dass das Provisorium schon allein aufgrund der baulichen Mängel an dem Schulgebäude keinen dauerhaften Bestand haben kann. Es sollte, sofern man sich für einen Standort auf dem Schulgelände entscheidet, eventuell neu gebaut werden oder bestehende Gebäude mit einbezogen werden. Welche Kapazität dieser Neu- beziehungsweise Umbau haben müsste, wäre im Zuge der Arbeiten für ein Kindergartenkonzept zu klären. Daran hängt im Wesentlichen ja auch die Kostenfrage.

Schließen Sie die Sanierung und Erweiterung der Alten Gerbe von vornherein aus?

Nein, auch das tun wir nicht. Wir sind nicht grundsätzlich gegen einen Kindergarten Alte Gerbe. Aber wir legen Wert darauf, dass vor dem Hintergrund der zwischenzeitlich geänderten Ausgangslage und im Zuge der Arbeiten für ein Kindergartenkonzept geprüft wird, ob die Sanierung und Erweiterung der Alten Gerbe tatsächlich zwingend im bislang geplanten Umfang erforderlich ist.

Fragen: Thomas Schröter