Die Region Geisingen genießt einen guten Ruf als Wirtschaftsstandort, nicht zuletzt auch wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage an der Autobahn, den Bundesstraßen und der Nähe zur Schweiz. Interessant wird es, wie sich die Stadt Geisingen in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird, gerade in Bezug auf die Ansiedlung von neuen Unternehmen, aber auch der Sicherung bestehender Betriebe und Arbeitsplätze und den Erhalt der nötigen Infrastruktur. So nimmt die Wirtschaftsförderung und Gewerbeansiedlung in der Kommunalpolitik auch einen entsprechend wichtigen Stellenwert ein. Für den neuen Geisinger Gemeinderat und den neuen Bürgermeister, der am Sonntag, 30. Juni, gewählt wird, sicher keine leichte Zukunftsaufgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Der SÜDKURIER hat die beiden Bürgermeisterkandidaten Thomas Braun (50 Jahre, selbstständiger Dienstleister rund um Haus und Hof aus Kirchen-Hausen) und Martin Numberger (36 Jahre, Jurist aus Überlingen) im Vorfeld der Wahl gebeten, ihre Sichtweise und Pläne für Gewerbeansiedlungen und Wirtschaftsförderung in Geisingen und den Stadtteilen in einem vorgegebenen Umfang zu skizzieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Stadt Geisingen hat in diesem Bereich durchaus ein großes Potenzial zu bieten. Im rund 25 Hektar großen Gewerbegebiet Danuvia 81, das auf dem Areal des ehemaligen Zementwerks entstanden ist, gibt es in der Nachbarschaft bereits etablierter Unternehmen noch Platz für neue Firmen. Erst vor einigen Monaten wurde mit der Aufstellung des Bebauungsplans „Danuvia 81 Nord“ eine Erweiterung auf den Weg gebracht.

Bestehende Strukturen sichern

Thomas Braun sagt zu den Themen Gewerbeansiedlung und Wirtschaftsförderung in der Region Geisingen:

Thomas Braun
Thomas Braun | Bild: Stephan Rieger
  • Flächenverbrauch mit Augenmerk: Der Leitsatz, wonach mit Blick auf Neuansiedlungen von Industrie- und Gewerbebetrieben der Flächenverbrauch in einem vernünftigen Verhältnis zur Anzahl der qualifizierten Arbeits- und Ausbildungsplätzen stehen muss, soll in Geisingen auch künftig weiter verfolgt werden. Unser Grund und Boden ist endlich und muss aus wirtschaftlicher, aber auch ökologischer Sicht bestmöglich genutzt werden.
  • Firmenabwanderungen verhindern: Wichtig bleibt weiterhin ebenfalls, dass Flächen für Erweiterungsvorhaben einheimischer Unternehmen vorgehalten werden. Damit sichern wir bestehende Strukturen, Arbeitsplätze und Unternehmen. Wer in Geisingen mit seinem Unternehmen zu Hause ist, muss hier bei Bedarf sicher erweitern können. Abwanderung ist zwingend zu verhindern. Dazu müssen wir in dauerhaftem, engen Kontakt zu den Entscheidern in unserer Wirtschaft stehen.
  • Optimiertes Flächenmanagement: Noch stärker als bislang sollte auf den Aspekt der räumlichen Verdichtung geachtet werden, um den erforderlichen Flächenverbrauch möglichst effizient zu gestalten. Es gibt, sowohl in der Kernstadt, als auch in den Ortsteilen entsprechende Möglichkeiten, in vorhandenen Industrie- und Gewerbegebieten durch optimiertes Flächenmanagement entsprechende Angebote zu schaffen.
  • Interkommunale Gewerbegebiete: Die Vermarktung der Industrie- und Gewerbeflächen sollte gezielt ausgebaut werden. Hierzu sollten auch strategische Kooperationen mit Nachbargemeinden und -städten ins Auge gefasst werden. Interkommunale Gewerbegebiete, wie sie vielerorts funktionieren, sind eine Möglichkeit, Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen, Kompetenzen gegenseitig zu nutzen und Angebote optimaler zu gestalten, um neue Arbeitsplätze anzuziehen.
  • Netzwerkgedanke stärken: Der Kontakt zwischen den Wirtschaftsakteuren aus Industrie, Gewerbe, Einzelhandel und Dienstleistern einerseits, sowie dem Gemeinderat und Stadtverwaltung andererseits muss gezielt ausgebaut werden. Der Netzwerkgedanke sollte aktiv gestärkt werden. Hier ist unter anderem der Verwaltungs- und Wirtschaftsausschuss gefragt. Man kann und sollte aber auch anderweitige Formate, wie ein regelmäßiges Unternehmerfrühstück oder Wirtschaftsabende mit Experten zu aktuellen Themen in Betracht ziehen.
  • Bezahlbaren Wohnraum schaffen: Im Zusammenhang mit Neuansiedlungen und Erweiterungen im Wirtschaftsbereich rückt auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in den Fokus. Wenn wir wollen, dass Arbeitskräfte nicht nur einpendeln, sondern zumindest darüber nachdenken, ihren Wohnsitz in Geisingen zu nehmen, müssen wir die entsprechenden Voraussetzungen dafür schaffen.

Gewerbemix bringt viele Vorteile

Im Bereich Gewerbeansiedlung und Wirtschaftsförderung sieht Martin Numberger folgende Potenziale:

Martin Numberger
Martin Numberger | Bild: Stephan Rieger
  • Branchenmix als Standortvorteil: Ein gut aufgestellter Gewerbemix ist für eine Kommune in mehrerlei Hinsicht von Bedeutung. Gewerbe bedeutet Arbeits- und Ausbildungsplätze am Ort. Wer vor Ort wohnt und arbeitet, braucht nicht pendeln. Das spart Verkehrsaufkommen, Kosten und tut unserer CO2-Bilanz gut. Gleichzeitig ist jeder Arbeitnehmer für kurze Wege dankbar. Er gewinnt an Zeit für seine Familie und seine Hobbys und damit steigt auch die Lebensqualität. Erfolgreiche Unternehmen leisten mit Ihrer Gewerbesteuer einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der kommunalen Infrastruktur und oft sind unsere lokalen Mittelständler auch sehr gut in der Stadt verwurzelt – in den Vereinen, als Vorstände, Übungsleiter oder Sponsoren.
  • Rathaus als Schnittstelle zur Wirtschaft: Aus diesen Gründen dürfen Unternehmer aus meiner Sicht auch zu Recht eine gute Unterstützung seitens des Bürgermeisters und der Verwaltung erwarten. Sei es bei Erweiterungsvorhaben, bei Bauangelegenheiten oder bei der Beseitigung von bürokratischen Hemmnissen. Als Kind unserer Region ist es mir bewusst, wie wichtig unsere mittelständischen Familienunternehmen für uns alle sind. Unserer Wirtschaft ist auch deshalb so stark, weil diese Unternehmer stark in unserer Heimat verwurzelt sind. Damit besteht eine enge Bindung zu den Arbeitnehmern und damit auch zu den Bürgern vor Ort. Ich werde den Dialog mit den Gewerbetreibenden regelmäßig pflegen – auch informell, zum Beispiel bei einem wiederkehrenden Unternehmer-Mittagstisch. Ebenso sehe ich es als Aufgabe des Bürgermeisters an, die Zusammenarbeit der Unternehmen und des Handels vor Ort zu forcieren, um so die bestmöglichen Potentiale für alle Beteiligten zu heben.
  • Neuansiedlung: Geisingen bietet auch für Neuansiedlungen eine hervorragende verkehrstechnische Anbindung; dieses Plus sollten wir in Zukunft noch besser für Neuansiedlungen vermarkten. Wir liegen nicht nur an der Schnittstelle von A 81 und B 31/311, sondern befinden uns nur 20 Minuten von der Schweizer Grenze entfernt. Diese Standortfaktoren sind nicht zu unterschätzen und könnten sicherlich besser vermarktet werden. Die aktive Suche nach Interessenten, aber auch die der Kontakt zu Partner unserer heimischen Unternehmen ist hierbei von großer Bedeutung. Eventuell könnte in Geisingen auch ein Gründerzentrum etabliert werden.
  • Fachkräftemangel: Der Fachkräftemangel steht derzeit auf der Agenda vieler Unternehmer und Handwerksbetriebe. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass wir durch eine vertiefte Kooperation mit unserer Partnergemeinde Gyöngyöstarján Fachkräfte gewinnen können, die sich auch dauerhaft bei uns niederlassen und Teil unserer Gemeinde werden können.
Das könnte Sie auch interessieren
Das könnte Sie auch interessieren
Das könnte Sie auch interessieren
Das könnte Sie auch interessieren
Das könnte Sie auch interessieren
Das könnte Sie auch interessieren