Der Süden Baden-Württembergs hat eine weitere Wasserstofftankstelle: Zwischen Freiburg und Ulm auf der Ost-West-Achse und zwischen Stuttgart und der Schweiz besteht nun an der Shell-Tankstelle in Kirchen-Hausen die Möglichkeit, für den mit Sicherheit zunehmenden Anteil an wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen umweltfreundlichen Treibstoff nachzutanken. Nach monatelanger Bauzeit konnte nun die Tankstelle offiziell in Betrieb genommen werden. Deutschlandweit gibt es rund zwei Dutzend Wasserstoffankstellen, die neunte in Baden-Württemberg ist in Kirchen-Hausen. Deutlich sichtbar ist der neue Wasserstofftank, dort ist aber nicht die Zapfsäule, sondern in dem Kubus steckt die Technik mit der der Wasserstoff auf 700 Bar verdichtet und auf Minus 35 Grad gefroren wird. Die Zapfsäule steht neben den anderen Zapfsäulen, denn auch der Kunde der Wasserstoff tankt, soll dies im überdachten Bereich vornehmen können.

Zur offiziellen Inbetriebnahme kamen nicht nur Vertreter von Shell sowie aus den verschiedenen Bereichen der Daimler AG, Vertreter des Wasserstofflieferanten Linde, der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, Vertreter von H2 Mobility Deutschland, Landrat Stefan Bär sowie der erste Landesbeamte Stefan Helbig mit der Leiterin des Bau- und Umweltamtes Elvira Elsässer, sonder auch die Bürgermeister Walter Hengstler und Markus Hugger.

Nahezu geräuschlos sind die Fahrzeuge, mit denen auch eine Probefahrt gemacht werden konnte mit einer hohen Durchzugkraft. Der Tankvorgang dauert nicht länger als bei einem Fahrzeug mit herkömmlichen Treibstoffen, also Diesel oder Benzin. Mit einem Druck von 700 Bar werden rund vier Liter Wasserstoff in den Tank gefüllt, die je nach Fahrzeug 400 bis 500 Kilometer weit damit fahren können. Der Preis in ist hundertgrammweise angegeben, derzeit liegt er bei 0,95 Cent.

Die Vertreter der Firmen, die Partner der Clean Energy Partnership, standen Rede und Antwort und erläuterten den derzeitigen Stand. Die Kirchen-Hausener Anlage mit Kosten von rund einer Million Euro ist die erste Anlage, die in Serie gebaut wurde.

Flächendeckendes Netz geplant

Die bisherigen Anlagen waren alles Prototypen. Da die Anlagen in Serien gingen, ist das Ziel in den nächsten Jahren, die Zahl der Wasserstofftankstellen deutlich zu erhöhen und zwar nicht nur in Ballungszentren, sondern flächendeckend. „Nur so macht die umweltfreundliche Mobilität auch Sinn“, betonte Rosario Berretta, Leiterin des Brennstoffzellen-Flottenmanagmentes von Daimler. Die Entwicklung der Fahrzeuge geht rasant voran und wird die Effizienz deutlich verbessern. „Die Kirchen-Hausener Tankstelle wird mit 100 Prozent Green-Wasserstoff beliefert, die Herstellung erfolgt in einem Windpark“, wie Christian Bomm von der Linde AG und Sybille Riepe von H2 Mobility mitteilten. Im Osten Deutschlands liegt der Ökoanteil bei 50 Prozent, der Rest kommt aus Erdgas. Gerade Windparks eignen sich bei Überproduktion von Strom zur Herstellung von Wasserstoff, aber auch hier steckt die Entwicklung noch in den Kinderschuhen. „Wasserstoff ist nicht gefährlicher als andere Treibstoffe“, erläuterten Manfred Becker von der Shell Deutschland und Christian Bomm von Linde.


 

Wasserstoff

Die Zukunft der Mobilität heißt Wasserstoff und Strom (Batterie). In Deutschland laufen derzeit weniger als 200 wasserstoffbetriebene Autos, die an 25 Tankstellen aufgetankt werden können. Für den weiteren Fortschritt der Wasserstofftechnologie ist vor allem der Ausbau des Tankstellennetzes wichtig damit sich diese Antriebsart weiter etablieren kann und auch Absatz findet. Die Kirchen-Hausener Tankstelle schließt einerseits eine große Lücke im Süden von Baden Württemberg, hat aber auch für das Daimler-Versuchsgelände in Immendingen hohe Bedeutung. (ph)