Kaum ein Thema betrifft die Bürger in Geisingen so stark wie die Autobahn. Leiden sie doch schon seit vielen Jahren unter dem Lärm der A 81, die in ihrem Verlauf Geisingen quasi zerschneidet. Auch der Ortsteil Kirchen-Hausen ist vom immer mehr zunehmenden Verkehrslärm, bedingt durch die wachsende Zahl der Fahrzeuge, stark betroffen. Alle Anstrengungen der Kommunalpolitiker, durch eine Beschränkung auf Tempo 100 im Bereich Geisingen die Lärmbelastung zu reduzieren, sind bislang gescheitert.

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Der SÜDKURIER hat die beiden Bürgermeisterkandidaten Thomas Braun (50 Jahre, selbstständiger Dienstleister rund um Haus und Hof aus Kirchen-Hausen) und Martin Numberger (36 Jahre, Jurist aus Überlingen) im Vorfeld der Wahl gebeten, ihre Sichtweise und Pläne zur Verkehrspolitik, aber auch zum Thema Autobahnlärm in Geisingen und den Stadtteilen in einem vorgegebenen Umfang zu skizzieren.

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Hoffnung können die Bürger schöpfen, dass sich an der Situation etwas ändern könnte: Bei einem Gespräch im Ministerium für Verkehr haben jüngst Ministerialdirektor Uwe Lahl und Bürgermeister Walter Hengstler die Verkehrsverhältnisse in Geisingen thematisiert. Lahl hat dabei mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt.

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Die Stadt Geisingen habe die Möglichkeit über einen Lärmaktionsplan, der für die gesamte Gemeinde aufgestellt wird, bestehende Lärmprobleme an den Hauptverkehrsstraßen zu regeln. Der vorliegende Entwurf eines Lärmaktionsplans aus dem Jahr 2016 soll nun aufgrund aktueller Verkehrszahlen überarbeitet und in das weitere Verfahren eingebracht werden.

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Eine Einhausung über der Autobahn

Thomas Braun
Thomas Braun | Bild: Stephan Rieger

Zum Thema Verkehrspolitik und Lärmschutz an der Autobahn 81 im Bereich Geisingen sagt Thomas Braun:

  • Fürsprecher fehlen: Geisingen erstickt im Verkehrslärm. Und das seit vielen Jahrzehnten. So segensreich die Nähe unserer Stadt zur Autobahn für Logistik und Wirtschaft ist, so schmerzhaft sind die Folgen des dauerhaften Lärms. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt: Geht es um das Thema Lärmschutz an der Autobahn 81 hat Geisingen bei den zuständigen Landes- und Bundesstellen keine Fürsprecher. Ganz im Gegenteil: Bundes- und Landesebene scheuen vor einer Verbesserung der Situation zurück wie der Teufel vor dem Weihwasser. Man will ganz offensichtlich in Geisingen keinen Präzedenzfall schaffen, der bundesweit Kreise ziehen könnte. Die zumindest kurzzeitige Verbesserung durch das Tempolimit auf 130 Stundenkilometer auch im Norden der Anschlussstelle Geisingen ist schon wieder flöten, die Schilder sind abgeschraubt und auf der Autobahn darf wieder hemmungslos gerast werden.
  • Vergeblicher Kampf: Gemeinderat und Stadtverwaltung haben aus meiner Sicht in den vergangenen Jahren alles versucht und an jedem Schräubchen gedreht, um die Situation zum Besseren zu wenden. Leider ohne nachhaltigen Erfolg.
  • Tempolimit und besserer Lärmschutz: Ich habe in Sachen Autobahnlärm kein Patentrezept und möchte keine Erwartungen schüren, die ich nicht halten kann. Klar ist aber, dass wir das Ziel, die Lärmbelastung der Bevölkerung in der Region Geisingen deutlich zu reduzieren, mit aller Kraft weiterverfolgen werden. Ziel bleibt ein Tempolimit in Verbindung mit einer Ertüchtigung der Lärmschutzanlagen.
  • Autobahn einhausen: Eine auch unter Kostenaspekten vielversprechende Alternative wäre die Einhausung der Autobahn im Bereich Geisingen und Kirchen-Hausen. Mit dieser Alternative könnte sicherlich ein großer Teil der Lärmbelästigung für die Bürger in Geisingen und Kirchen-Hausen wirkungsvoll und nachhaltig reduziert werden.
  • Geisinger müssen sich wehren: Bewegen lässt sich in dieser Thematik nur etwas, wenn die Bürgerschaft mit aller Deutlichkeit hinter den Vorstellungen steht und dafür politisch geschlossen eintritt. Dazu braucht es eine breit getragene Aktion, um die Verkehrslärm-Problematik deutlicher als bisher nach außen bekannt zu machen. Wir Geisinger waren die vergangenen Jahrzehnte zu still – viel zu still sogar und nur die Autobahn wurde immer lauter, auch durch das immer mehr gesteigerte Verkehrsaufkommen auf dieser bedeutenden Verkehrsader. Das müssen wir endlich umdrehen.

Hartnäckigkeit ist gefragt

Martin Numberger
Martin Numberger | Bild: Stephan Rieger

Martin Numberger vertritt zum Lärmschutz an der Autobahn 81 und zur Verkehrspolitik folgende Meinung:

  • Lärmschutz an der A 81: Die zunehmende Verkehrsbelastung und damit auch die einhergehende Lärmbelästigung gehören zu den komplexesten Themen unserer Zeit. Es gibt keinen einzelnen Verursacher, auch die Autobahn selbst macht keinen Lärm. Es sind die Fahrzeugbewegung von uns allen, die in Summe die Belastungen ausmachen. Auch wenn das Umweltbewusstsein derzeit steigt, rechne ich nicht damit, dass dies auch zu einer spürbaren Verringerung der Belastungen führt. Beim Lärmschutz an der A 81 ist also Hartnäckigkeit gefragt. Selbstverständlich werde ich meine vorhandenen Netzwerke zu Behörden und Kommunalverwaltungen nutzen, um in der Sache voranzukommen. Durch die laufenden Gespräche mit dem Landesverkehrsministerium befinden wir uns hier zwar auf einem guten Weg – wir dürfen aber nicht nachlassen und müssen alle Hebel in Bewegung setzen und Gas geben. Aus meiner Sicht ist eine wirksame und überwachte Geschwindigkeitsreduzierung der wirksamste Weg, um schnell den Lärm zu reduzieren.
  • ÖPNV: Ebenfalls dicke Bretter bohren heißt es beim Ringzug. Zwar wird die geplante Taktverbesserung bei der Donaubahn Vorteile für Geisingen bringen. Aber dennoch wird Gutmadingen mit seinen 400 Arbeitsplätzen und vielen Auspendlern und Schülern keinen eigenen Haltepunkt erhalten, wie dies bei der Einführung des Ringzugs versprochen worden war. Des Weiteren habe ich festgestellt, dass sich die Fahrzeiten aus den Ortsteilen im Kirchtal in den vergangenen Jahren nach und nach verschlechtert haben. Damit wir jedoch wieder mehr Menschen zum Umstieg vom Auto hin zum ÖPNV bewegen können, ist das Angebot unbedingt zu verbessern. Ein Mitbürger ging übrigens die Wette ein, dass er schneller nach Tuttlingen joggen würde, als er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist – auf diese Wette bin ich schon sehr gespannt, zeigt sie doch die ganze Dramatik des öffentlichen Personennahverkehrs vor Ort auf.
  • Bürgerbus und Mitfahrgelegenheiten: Als Ergänzung zum ÖPNV kann ich mir die Einrichtung eines Bürgerbusses sehr gut vorstellen. Vor allem für Bürger mit Gehschwierigkeiten können mit diesem Bus Einkäufe erledigt werden und bis zur Haustür gebracht werden. Zur Entlastung unserer Verkehrswege könnte die Gemeinde eine lokale Plattform für Mitfahrgelegenheiten anbieten.
  • Radwege: Wir haben das Glück, dass alle Ortsteile ohne große Höhenunterschiede zu erreichen sind. Nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten ist mir sehr daran gelegen, dass wir zwischen allen Ortsteilen gute und direkte Radwege haben.
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