Wo es früher kleinere Geschäfte gab, wo man beispielsweise Textilien kaufen konnte oder Schuhe, herrscht heute Fehlanzeige: Das Angebot der Einzelhändler an der Geisinger Hauptstraße ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Das mag zum einen mit dem gewandelten Einkaufsverhalten der Bürger zusammenhängen, zum anderen oftmals auch mit einem fehlenden Nachfolger für das Geschäft und letztendlich sind es oft auch wirtschaftliche Gründe, die dazu führen, dass ein Geschäft schließt.

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Der SÜDKURIER hat die beiden Bürgermeisterkandidaten Thomas Braun (50 Jahre, selbstständiger Dienstleister rund um Haus und Hof aus Kirchen-Hausen) und Martin Numberger (36 Jahre, Jurist aus Überlingen) im Vorfeld der Wahl gebeten, ihre Sichtweise und Pläne, wie man gegen die Leerstände an der Hauptstraße vorgehen kann, in einem vorgegebenen Umfang zu skizzieren.

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Leerstehende Ladenlokale gibt es einige an der Hauptstraße, doch ihre Zukunft ist ungewiss. Die leeren Schaufenster sind so Zeugen einer vergangenen Epoche, in der es in Geisingen noch viele Dinge des täglichen Bedarfs in kleinen Läden gab. Die großen Märkte, sind fernab der Hauptstraße angesiedelt, schließlich gibt es dort auch genügen Parkplätze für die Kunden, die meistens auch mit dem Auto zum Einkaufen fahren.

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Dennoch keimt Hoffnung für die Hauptstraße, denn mit dem Arbeitkreis Hauptstraße, der von Stadtrat Holger Stoffler initiiert wurde, versucht man eine Verbesserung in der Wahrnehmung der noch vorhandenen Angebote bei der Bevölkerung organisieren.

Einen neuen Drogeriemarkt ansiedeln

Thomas Braun
Thomas Braun | Bild: Rieger, Stefan

Thomas Braun hat zum Thema Leerstände und der Situation an der Hauptstraße folgende Gedanken:

  • Unterstützungsmöglichkeiten ausloten: Was die Leerstände an der Geisinger Hauptstraße betrifft, sind die Möglichkeiten von Stadtverwaltung und Gemeinderat naturgemäß begrenzt. Ob ein Geschäft öffnet oder schließt, ist zuvorderst die Entscheidung der Inhaber. Was wir jedoch dringend tun sollten, um die Leerstände wieder mit Leben zu füllen, ist, den Kontakt mit den Eigentümern der Immobilien zu suchen und gezielt herauszufiltern, wo die Stadt Unterstützung leisten kann. Beispielsweise, wenn es um die Ansprache potentieller Pächter aus den Bereichen Einzelhandel und Gastronomie geht. Aber auch für Dienstleister wären meiner Einschätzung nach Räume vorhanden, die sich entsprechend nutzen lassen.
  • Stadtverwaltung in der Vermittlerrolle: Die Stadtverwaltung kann und sollte als kompetenter Partner und fairer Vermittler auftreten. Ein enger Kontakt zu den bestehenden Unternehmen ist dabei besonders wichtig. Ein wirtschaftlich wackelndes Geschäft zu unterstützen, ist meist einfacher, als ein ganz neues Unternehmen zur Ansiedlung in einen bestehenden Leerstand zu bewegen.
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  • Leere Schaufenster mit Leben füllen: Lassen sich Leerstände dauerhaft im Einzelfall dennoch nicht vermeiden, sollte die Stadt mit Unterstützung darauf drängen, dass die Schaufenster nicht leer und öde vor sich hingammeln, sondern mit belebenden Aktionen, etwa von Künstlern oder anderen Geschäften, optisch ansprechend gestaltet werden.
  • Parksituation neu regeln: Um die Aufenthaltsqualität im Bereich der Hauptstraße zu steigern, kann die Stadt gezielt tätig werden – und zwar in Form einer Neugestaltung der öffentlichen Flächen, mit der die Parksituation an der Hauptstraße neu geregelt wird. Parken soll auch künftig möglich sein, gleichzeitig aber gewährleistet werden, dass Fußgänger, Radfahrer, Menschen mit Handicap sich gefahrlos und barrierefrei bewegen können. Durch die Schaffung neuer öffentlicher Parkplätze am Rand der Innenstadt wird dabei für eine Entlastung der Parksituation im gesamten Innenstadtbereich gesorgt. Im Optimalfall trägt diese Neugestaltung zu einer höheren Besucherfrequenz bei und steigert damit auch die Attraktivität der Hauptstraße für Einzelhandel und Gastronomie.
  • Drogeriemarkt fehlt: Was seit der Schlecker-Pleite in Geisingen fehlt, ist – das zeigen auch vielfältige Stimmen aus der Bevölkerung – ein Drogeriemarkt. Das Interesse des Eigentümers vorausgesetzt, werde ich in Zusammenarbeit mit ihm alles daran setzen, dass sich in den ehemaligen Schlecker-Räumen wieder ein Drogeriemarkt ansiedelt.

Einkauf vor Ort mit Bonus belohnen

Martin Numberger
Martin Numberger | Bild: Rieger, Stefan

Zur Behebung der Leerstände in den Immobilien an der Hauptstraße sagt Martin Numberger:

  • Altstadtkonzept: In einem Altstadtkonzept müssen wir gute Antworten auf die Frage finden, wie sich der wertvolle und historische Gebäudebestand der Stadt erhalten, lebendig nutzen und attraktiv präsentieren lässt. Es bringt uns letztendlich nichts, wenn wir unsere Landschaft mit Neubaugebieten versiegeln, die Ortskerne jedoch aussterben und der Ort sprichwörtlich „einschläft“. Mit der Aufwertung der Gebäude muss auch automatisch die Situation für den Einzelhandel am Ort angegangen werden. Erste Aufmerksamkeit hat zunächst der Bestand. Ich konnte diesbezüglich schon mit vielen Einzelhändlern sprechen und habe deren Sorgen, aber auch Ideen zur Bereicherung der Innenstadt erfahren. Als Bürgermeister werde ich gemeinsam mit allen ansässigen Händlern und Gastronomen erörtern, wie wir den örtlichen Handel stärken können. Dort wo in absehbarer Zeit altersbedingte Geschäftsaufgaben oder Übergaben stattfinden werden, muss frühzeitig nach Nachfolgen geschaut werden. Dabei sehe ich die Verwaltung als aktiver Partner.
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  • Stärkung des Einzelhandels: Bestehende Leerstände möchte ich gemeinsam mit den Eigentümern unter die Lupe nehmen. Wenn es Möglichkeiten gibt, mit Anpassungen eine Neubelegung zu erreichen, werde ich als Bürgermeister versuchen, dies tatkräftig zu unterstützen. Ebenso gilt es, Ansprechpartner für Neuinteressenten zu sein. Die aktive Suche nach neuen Händlern mag sich schwierig gestalten, ist aber eine Aufgabe die ich gerne anpacken werde. Am Ende sind wir aber auch alle selbst in unserem Einkaufsverhalten gefragt. Ein attraktiver Einzelhandel nutzt nichts, wenn uns die Bequemlichkeit lieber vom Sofa bei Amazon bestellen lässt.
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  • Verkehrssituation Innenstadt Geisingen: Klar scheint mir auch zu sein, dass wir eine Neuordnung der Verkehrssituation in der Hauptstraße brauchen, um die Stadt erlebbarer und auch für Fußgänger und die Einzelhändler vor Ort wieder attraktiver zu machen. Die Einrichtung von Kurzzeitparkplätzen sowie eine klare Abgrenzung von Straße und Gehwegen werden für eine bessere Atmosphäre sorgen.
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  • Fahrradfreundliche Innenstadt: In diesem Zusammenhang gilt es auch, das vorhandene Potential der „Donauradtouristen“ zu nutzen. Hier könnten wir meiner Ansicht verstärkt Angebote schaffen, die zum Pausieren und Verweilen einladen und damit als Werbeträger für unsere schöne Stadt fungieren können.
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  • Bonussystem beim Einkauf vor Ort: Es könnte durchaus interessant sein, ein auf den örtlichen Handel zugeschnittenes Bonussystem nachzudenken, welches Einkäufe vor Ort belohnt. Die örtliche Kaufkraft könnte dadurch nachhaltig gestärkt werden.
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