Überrascht und erstaunt reagierten Bürger und Kommunalpolitiker in der Region Geisingen auf die Nachricht, dass Bürgermeister Walter Hengstler am Montagmorgen seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister schriftlich zurückgezogen hat.

  • Das sagt Walter Hengstler: Im Gespräch mit dem SÜDKURIER legte der 55-jährige Diplom-Verwaltungswirt, der seit 16 Jahren an der Spitze der Stadt Geisingen steht, seine Gründe offen. Dabei kristallisierte sich schnell heraus, dass seine „reiflich überlegte Entscheidung“ darauf basierte, dass die Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Gemeinderat wohl in letzter Zeit nicht mehr besonders harmonisch verlief. „Es war das Verhältnis zwischen mir und dem Gemeinderat, das letztendlich zum Bruch geführt hat“, stellte Hengstler trocken fest. „Mit solchen Leuten und für solche Leute möchte ich nicht mehr arbeiten“, sagte der Bürgermeister weiter, ohne jedoch näher ins Detail zu gehen, was genau in der Vergangenheit zur getrübten Arbeitsatmosphäre geführt habe. „Es spricht vieles dafür, dass drei von vier Fraktionen des Gemeinderats einen anderen Kandidaten aktiv unterstützen“, unterstrich der Bürgermeister, wohl mit Blick auf die Kandidatur von Martin Numberger (36, Jurist, Mitglied im Vorstand des CDU-Kreisverbandes Tuttlingen) aus Überlingen, der bekanntlich am 28. Mai als dritter Bewerber um das Amt des Bürgermeisters seine Unterlagen im Rathaus eingereicht hatte. Hengstler zog daraus am Dienstag eine weitere Konsequenz: Per E-Mail an den CDU-Kreisverband Tuttlingen und an Landrat Stefan Bär erklärte er seinen sofortigen Austritt aus der CDU. Im Geisinger Rathaus will Walter Hengstler noch bis zum 31. August tätig sein. Dann endet offiziell seine zweite Amtszeit. „Ich werde meine Aufgaben bis dahin weiter wahrnehmen“, erklärte Hengstler. Eine Einschränkung macht der Rathauschef dennoch: „Die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates, die für den 23. Juli geplant ist, werde ich definitiv nicht leiten“, kündigte Hengstler an. Bedeckt hält sich Walter Hengstler, was seine weitere berufliche Perspektive angeht: „Meine Zukunftspläne sind noch völlig offen.“ Mit einem Zitat des ehemaligen Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD) blickt Hengstler optimistisch in die Zukunft: „Das Leben beginnt nach dem Mandat.“
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  • Das sagt die FW/FDP: „In einer Demokratie gehört bei Wahlen auch eine Auswahl oder Alternative dazu. Der Rücktritt kommt überraschend, obwohl es im Vorfeld bereits Gerüchte gab. Leider wurde von Herrn Hengstler im Vorfeld der Wahl keinerlei Kontakt und Gespräch mit den Gemeinderatsfraktionen hinsichtlich einer erneuten Kandidatur gesucht, beziehungsweise wurden diese über eine Kandidatur von ihm informiert. Nun gilt es den Blick nach vorne zu richten“, erklärt Paul Haug, Vorsitzender der FW/FDP-Fraktion im Gemeinderat.
  • Das sagt die CDU: „Aus unserer Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass und warum Herr Hengstler seine Kandidatur kurzfristig zurückgezogen hat. Wir sind darüber genau so überrascht, wie wahrscheinlich weite Teile der Geisinger Bevölkerung. Letztlich ist es seine private Entscheidung, die wir weder kommentieren können noch wollen. Bedauerlich ist allerdings, dass Herr Hengstler seine Entscheidung ‚auf den letzten Drücker‘ getroffen hat. Damit reduziert sich das Kandidatenfeld auf zwei Personen. Zudem hätten sich vielleicht einige Bewerber mehr gefunden, wenn bekannt gewesen wäre, dass der Amtsinhaber nicht mehr bei den Neuwahlen zum Geisinger Bürgermeister antritt“, betont CDU-Fraktionschef Hubert Seger
  • Das sagt die SPD/FB: „Ich bin sehr überrascht über Herrn Hengstlers Rücknahme seiner Kandidatur. Wir respektieren seine Entscheidung und müssen sie akzeptieren. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, da ich nicht mehr lange im Amt bin“, sagt Ulrike Benz, die Vorsitzende der SPD/FB-Fraktion.
  • Das sagen die Aktiven Bürger: „Die Aktiven Bürger waren doch sehr überrascht , dass Herr Hengstler seine Kandidatur zurückgenommen hat. Grundsätzlich haben wir es begrüßt, dass sich drei Kandidaten zur Wahl stellen. Dadurch wäre eine richtige und demokratische Wahl möglich gewesen. Über die Beweggründe von Herrn Hengstler, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen, kann ich nur spekulieren. Ich habe bisher noch nicht die Möglichkeit gehabt , mit ihm persönlich darüber zu sprechen. Wir waren in der letzten Woche noch gemeinsam beim Verkehrsministerium in Stuttgart wegen des Tempolimits auf der A 81. Ich kann nur sagen, da hat er sich voll für Geisingen eingesetzt. Trotzdem gilt es seine Entscheidung zu respektieren und akzeptieren. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute“, kommentiert Andreas Heidel von den Aktiven Bürgern Hengstlers Entscheidung.