Dimitru Boteanu hat große Sorgen. Am Jahresanfang musste er seine Frau ins Pflegeheim Haus Wartenberg in Geisingen geben. Beide sind 86 Jahre alt, stammen aus Rumänien und haben 33 Jahre den gemeinsamen Lebensweg in Donaueschingen bestritten. Anderthalb Jahre hat der Rentner seine Frau zuhause gepflegt, doch irgendwann verließen ihn die Kräfte. In Geisingen besucht er seine Frau täglich und muss erleben, wie seine Partnerin körperlich immer schwächer wird. Dazu kommt finanzieller Kummer. Boteanu ärgert sich über eine angekündigte Erhöhung der Heimentgelte zum 1. August. Begründet aus dem Tarifabschluss für den Öffentlichen Dienst, Sachkostensteigerungen und fünf zusätzlichen Personalstellen betragen diese Erhöhungen 11,63 Prozent. Würde sich der Eigenantanteil entsprechend erhöhen, ließe sich das von den beiden Renten stemmen. Doch laut Beiblatt erhöht sich der künftige Eigenanteil bei Pflegegrad 4 um 18,1 Prozent. "Wie kann das sein?", wundert sich der Rentner.

Der Donaueschinger Dumitru Boteanu besucht seine Frau jeden Tag im Pflegeheim in Geisingen.
Der Donaueschinger Dumitru Boteanu besucht seine Frau jeden Tag im Pflegeheim in Geisingen. | Bild: Wursthorn, Jens

Fragen dieser Art bekommt Torsten Fietze seit zwei Wochen mit schöner Regelmäßigkeit auf den Tisch. Er ist Direktor des Pflegeheims Haus Wartenberg in Geisingen. Er kann die von Boteanu beanstandete Diskrepanz zwischen der prozentualen Kostensteigerung und dem künftigen Eigenanteil erklären. Die für einen Zeitraum von zwei Jahren angekündigten Kostensteigerungen um 11,63 Prozent beruhten auf Schätzungen, wie sich Kosten und Belegung, aber auch die Anteile der fünf Pflegegrade entwickeln werden. „Das ist nichts anderes als meine Basis in den Verhandlungen mit den Kassen“, sagt er. Möglicherweise könnte dieser Wert auch unterschritten werden.

Weil Fietze in Dimensionen des Tarifvertrags rechnet, kalkuliert er mit einem Mittelwert für die nächsten zweieinhalb Jahre. Die Eigenanteile der Bewohner erhöhen sich so jeweils um etwa 18 Prozent. Sie betragen im Pflegegrad eins 2727,68 Euro und somit 408,54 Euro mehr und im höchsten Pflegegrad fünf 2211,24 Euro, was einer Verteuerung von 339,19 Euro gleichkommt. Eine größere Bandbreite weist die prozentuale Erhöhung des Heimentgelts vor Abzug des Leistungsbeitrags der Pflegekasse aus. Der reicht von 8,7 Prozent plus im höchsten Pflegegrad fünf bis zu 17,6 Prozent im Pflegegrad eins. Es sei durchaus möglich, dass sich die konkreten Kosten in den einzelnen Jahren auch nach unten bewegen, so der Direktor.

„Die Pflege wird von der Politik immer in den Himmel gehoben, aber wir sind zunächst mal ein Wirtschaftsbetrieb“, erinnert Fietze an die Gegebenheiten. Gute Pflege müsse etwas kosten. Das gelte auch für die durch einen Zweckverband betriebene Einrichtung, in der rund 160 Mitarbeiter – davon 130 Planstellen in der Pflege – mehr als 310 Bewohner versorgen. Zur Kalkulation der nächsten drei Jahre gehören auch fünf zusätzliche Planstellen, zwei davon in der Pflege. Bedarf habe man sicher für mehr, „aber die muss ich auch besetzen können“, kommt Fietze auf den chronischen Fachkräftemangel in der Pflege zu sprechen. Dazu kommt: Wenn er die Stellen nicht besetzen kann, müsse er Geld zurückzahlen.