Ein historisches Gebäude in Kirchen-Hausen, an dem gerade viele jüngere Bürger schon vorbeigelaufen sind und sich gefragt haben, was sich darin verbirgt, hat nun sein Geheimnis auf charmante Weise gelüftet. Seit mittlerweile 30 Jahren ist in der alten Schmiede Ruhe eingekehrt. Nun konnte man hier noch einmal alte Handwerkskunst erleben, aber auch eine kreative Ausstellung mit vielen floralen Akzenten. Unter dem Motto „blumige Dorfwerkstatt, alte Schmiede im neuen Glanz“ hatte Silvia Münzer eingeladen. Die alte Schmiede war einst eine echte Schmiede, ja es scheint beim Blick in ihr Inneres, als sei hier die Zeit stehengeblieben. Nur mit dem Unterschied, dass auf der alten Werkbank neben dem Regal mit altem Originalwerkzeug zahlreiche kreative Bastelartikel an gleicg zwei Tagen ausgestellt wurden.

Da freut sich Karl Stadelmann, dass seine alte Schmiede in Kirchen-Hausen ganz anders wieder zu Ehren kommt. Tochter Carola Haug (Mitte) verhalf Silvia Münzer zur Aktion um ihre vielen Dekorations- und Bastelartikel auszustellen. Für die Aktion wurde auch die Schmiedeesse wieder angefeuert.
Da freut sich Karl Stadelmann, dass seine alte Schmiede in Kirchen-Hausen ganz anders wieder zu Ehren kommt. Tochter Carola Haug (Mitte) verhalf Silvia Münzer zur Aktion um ihre vielen Dekorations- und Bastelartikel auszustellen. Für die Aktion wurde auch die Schmiedeesse wieder angefeuert. | Bild: Paul Haug
  • Der Schmied: Karl Stadelmann (94) ist der letzte Schmied von Kirchen-Hausen. Ein echter Schmied, der das Handwerk einst von der Pike auf gelernt hat. Die Vorgänger der Stadelmanns kamen aus Italien nach Deutschland, einer ließ sich in Kirchen-Hausen nieder, ein anderer in Donaueschingen. Und beide waren Schmiede. Der Kirchen-Hausener Karl Stadelmann übernahm eine alte, kleine Schmiede und baute sie neu. Und so steht sie noch heute. Karl Stadelmann, inzwischen 94 Jahre alt, hat vor rund 30 Jahren seine Esse nicht mehr so häufig angefeuert, um Stahl zu schmieden, und dann mehr oder weniger seine Zangen und Werkzeuge buchstäblich an den Nagel gehängt. Und dort hängen sie noch heute, wohl sortiert. Wer 40 Jahre mit Leib und Seele Schmied im Dorf war, kann einiges erzählen.
  • Silvia Münzer: Sie ist gelernte Floristin und mit Uwe Kraft aus Kirchen-Hausen verheiratet. Silvia Münzer arbeitet hauptberuflich in der Schweiz. Aber nicht nur, denn zuhause lässt sie ihren kreativen Gedanken freien Lauf und verarbeitet alle möglichen Materialien zu dekorativem Schmuck. Sei es nun im Vorfeld von Advent oder Weihnachten mit Kerzen, die den Advent darstellen, oder ganz andere Gegenstände, Gras, Getreideähren, Äste, teilweise naturbelassen, teilweise in Silber getaucht und mit Lichtern versehen. Diese Art von Dekoration bietet sich das ganze Jahr an, manche natürlich, beleuchtet, gerade für die dunkle Jahreszeit. Sie gibt auch immer wieder Kurse und stellt ihre Dekorationsartikel zuhause aus. Dann kam ihr die Idee, die Ausstellung doch einmal irgendwo in einem anderen Umfeld zu präsentieren.
Eine uralte Werkbank mit historischen Werkzeugen, aber auch andere historische Gerätschaften bieten eine interessante Gegenkulisse zur den Dekorationsartikeln von Silvia Münzer.
Eine uralte Werkbank mit historischen Werkzeugen, aber auch andere historische Gerätschaften bieten eine interessante Gegenkulisse zur den Dekorationsartikeln von Silvia Münzer. | Bild: Paul Haug
  • Die Vorgeschichte: Silvia Münzer hatte ihre Freundin Carola Haug angesprochen, ob denn die Schmiede, landläufig als Schmitte bezeichnet, nicht als Ausstellungsraum geeignet wäre. Ob sie denn einmal bei ihrem hochbetagten Vater Karl Stadelmann nachfragen könnte, bat Silvia Münzer ihre Freunding. Der Schmied hat dann nach anfänglichem Zögern zugesagt, wenngleich mit Bedenken. „Da ist halt nicht aufgeräumt“, sagte er bescheiden. Es war sehr wohl aufgeräumt, eine Unmenge an Werkzeug findet sich in der Schmiede, aber alles an seinem Platz. Also machten sich Silvia Münzer und Carola Haug an die Umsetzung. Vor der Schmiede bei der Überdachung gab es Glühwein und Punsch, am Sonntag loderte ein Feuer und die Kinder durften Stockbrot backen. Und die Besucher kamen in Scharen, alle waren erstaunt. Sowohl über die Art der Dekoration und Bastelartikel von Silvia Münzer, wie auch über die Schmiede.
  • Altes Handwerk und Kreatives: In der Schmiede loderte das Feuer in der Esse, wenn auch nur aus Holz und nicht mit Schmiedekohle. Aber an der Esse stand Karl Stadelmann, an beiden Tagen von Anfang bis zum Ende der Aktion. Da kamen nicht nur Besucher, die einst noch miterlebten, wie Pferde vor der Schmiede beschlagen wurden oder als kleines Kind einmal auf einem Pferd bei der Schmiede sitzen durften. „Es kamen auch viele, die zum ersten Mal einen Blick in die historischen Gemäuer werfen konnten“, sagte Karl Stadelmann. Dutzende von Hämmer und Zangen, eine uralte große Werkbank, die deutlich Spuren von zwei oder mehr Generationen rustikaler Arbeit zeigt, waren zu sehen. „Ein Ambos, der muss ziehen, sonst wird das nichts“, erklärte Karl Stadelmann und während er das sagte, nahm er einen mehrere Kilogramm schweren Hammer und zeigte, wie man einst schmiedete. Bewundernde Blicke erhielten auch die Dekorationsartikel von Silvia Münzer, verteilt zwischen einer noch funktionierenden Karbit-Schweißmaschine oder uralten Schraubstöcken. Es war eine gelungene Mischung, die ankam und vielen Besuchern einen doppelten Einblick gab. Zum einen in das kreative Arbeiten von Silvia Münzer und zum anderen in ein altes, inzwischen so nur noch in Musen zu besichtigendes Handwerk, das von einem betagten, aber körperlich und geistig fitten 94-jährigen Schmied aus Leidenschaft eindrucksvoll erklärt wurde.