Die „Pfarrei 2030“ wie sie derzeit in der Diskussion in der Erzdiözese Freiburg beraten wird, stößt nicht überall auf positive Zustimmung. Im Vorfeld des letzten der drei Begegnungstage von Erzbischof Stephan Burger am kommenden Samstag in Geisingen hat sich auf Anfrage auch der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der Kirchengemeinde Kirchtal-Donau, Gerhard Glunk, zu dem Thema geäußert. Bereits mehrfach hat sich das Gesamtgremium der Region Geisingen mit dem Thema auseinandergesetzt. „Ziel ist ja, aus den über 220 Pfarreien künftig noch 40 zu formen, also sogenannte große Gebilde“, erklärt Glunk. Und die sieht man sehr kritisch von Geisinger Seite. Die Art und Weise, wie das Thema ausgearbeitet wird, ist nach Meinung von Gerhard Glunk kontraproduktiv für weiteres ehrenamtliches Engagement in den jeweiligen Pfarreien. Wenngleich die Begegnungstage, wie das erzbischöfliche Ordinariat in der Einladung mitteilt, ein Dank und Anerkennung für das große ehrenamtliche Engagement an die rund 4500 Pfarrgemeinderäte sein soll.

Falscher Weg

Wie sieht die Situation mit der Kandidatensuche für die Pfarrgemeinderatswahl 2020 aus? „Die Art und Weise, wie das Thema von oben diktiert wird, ist nicht zuträglich bei der Kandidatensuche. Da wird vom Ordinariat etwas vorgegeben, und wir haben den Eindruck, dass es wie bei der Kreisreform vor 45 Jahren ist, man kann abstimmen wie man will, die Landkarte ist bereits gezogen“, sagt Gerhard Glunk. „Meiner Meinung nach wäre das der falsche Weg, wenn niemand mehr kandidiert“, so Glunk. Wenn auch die Zahl der Pfarrer drastisch zurückgehe und damit eine Reform der Zuschnitte erfolgen soll, brauche es das ehrenamtliche Engagement. „Wenn im März niemand mehr da ist, der sich einsetzt und auch gegen die Pläne moniert, dann lösen wir uns selber auf“, so Glunk weiter.

Pfarrei als Großgebilde

Das Großgebilde der Pfarrei mit 35 000 Katholiken grenze ja beispielsweise Emmingen-Liptingen aus, oder so zumindest sehen das die Pfarrgemeinderäte in Donaueschingen. „Wir haben uns mit den Pfarrern und Ehrenamtlichen aus Immendingen und auch Emmingen-Liptingen (Egg) getroffen. Entgegen der Planung aus Freiburg sehen die drei Seelsorgeeinheiten sich selbst als groß genug für eine neue Seelsorgeeinheit“, unterstreicht Glunk. Dies wären die Raumschaften Immendingen (mit Möhringen und Esslingen), Geisingen, sowie Emmingen-Liptingen mit Neuhausen und den Ortsteilen, führt Glunk weiter aus. Das Großprojekt fordert den Abwärtstrend an Gottesdienstbesucher und auch das Engagement der Pfarrer.

Besseres Konzept aus Rottenburg

Die Diözese Rottenburg hat nach Meinung von Gerhard Glunk ein weit besseres Konzept als Freiburg. Die Pfarrgemeinderäte haben den Eindruck, dass man ihnen ein Papier vorlegt, das zudem sehr schwierig zu interpretieren sei, man aber nicht viel zu sagen habe. Vor zwei Jahren haben laut Glunk einige Pfarrer anlässlich ihrer goldenen Priesterweihe zahlreiche Forderungen aufgestellt, wie die Kirche der Zukunft aussehen soll. Ein Umdenken in der Pastoralplanung, Kirche müsse vor Ort zu finden sein und zu sprechen sein, so das Papier der Pfarrer aus dem Erzbistum Köln, hinter das sich der Pfarrgemeinderat der Region Geisingen voll und ganz stellt. Die Kirche verschließe mit dem Papier die Augen vor der Realität. „Wenn das Licht aus ist, braucht man keine Glühbirne mehr wechseln“, betont Glunk. „Wir werden uns einmal anhören, was Erzbischof Stephan Burger am Samstag sagt“, so Glunk weiter. Bei dem Konzept sollte man keine Hektik verbreiten, sondern die Sorgen der Pfarrgemeinderäte ernst nehmen, kleine Fehler kompensiere man nicht mit großen Fehlern. „Und wenn man von Anfang an nicht alle mitnimmt und ernst nimmt, hat man eine Opposition vor sich. Nur wenn man die Betroffenen, also die Pfarrgemeinderäte und Pfarrer zu Beteiligten macht, hat man eine Chance für die Neuorientierung, die ankommt“, führt Gerhard Glunk abschließend aus.