Vom Pflegedienstleiter zum Heimleiter, wie geht das?

Ich habe im Januar 2017 hier als Pflegedienstleiter begonnen und das Angebot bekommen, ob ich die Heimleitung übernehmen will. Das habe ich mir reiflich überlegt, bevor ich ja sagte. Dann wurde ich von der Verbandsversammlung gewählt.

Welche Qualitäten muss man haben?

Eigentlich die gleichen, wie ein Pflegedienstleiter. Interessant ist, dass man mit mehreren Berufsgruppen schaffen muss. Alle im Team müssen gut zusammenarbeiten zum Wohl der Heimbewohner.

Welche Voraussetzungen gibt es?

Es ist natürlich sinnvoll, wenn man Wissen in Betriebswirtschaft hat. Ich bin gelernte Pflegekraft und habe ein Studium Pflegemanagement. Im Kaufmännischen gibt es noch viel Lernbedarf. Der frühere Heimleiter Bernd Häßler half mir beim Einarbeiten.

Sind Sie überzeugt, dass Sie auf dem richtigen Dampfer sind?

(Lacht) Ich denke schon. In der Führung von Menschen, da bin ich mir sicher, bin ich ein guter Vorgesetzter. Aber klar, mit dem Lernen hört es nie auf.

Ihre Schwerpunkte? Viele Häuser sind ja bereits modernisiert worden?

Wir haben die Landesheimbauverordnung zu bewältigen. In allen Gebäuden sind noch Defizite. Wir stehen vor ein paar Brocken. Es gilt zu planen und zu erneuern. Etwa beim Brandschutz. In Teilen stecken wir noch in Kinderschuhen, zum Beispiel bei der Informationstechnik für Verwaltung und Pflegedokumentation.

Was kommt da auf Sie zu?

Es laufen erst die Ausschreibungen für ein neues Dienstplanprogramm, das die Arbeit von Stationsleitungen und Führungskräften erleichtert. Es geht um neue Software, die auch großen Aufwand für die Mitarbeiter-Schulung bringt. Momentan haben wir alles auf handschriftlichen Papierakten. Das soll mal relativ leicht über den PC mit vorgefertigten Bausteinen dokumentiert werden. Gut nachvollziehbar für Medizinischen Dienst und die Heimaufsicht. Und eine Erleichterung für Pflegekräfte, weil es schneller geht.

Bauliche Aufgaben?

Wir haben noch einige Zweibettzimmer. Aber sie sind nicht mehr gestattet nach der Landesheimbauverordnung. Zimmergröße und Gruppengröße sind vorgeschrieben. Wenn ein Haus in die Jahre gekommen ist, wird es schwierig, die Vorgaben einzuhalten. Etwa: Die Gruppen müssen so angeordnet sein, dass sie möglichst sinnvoll betrieben und betreut werden können. Die Planung läuft im Moment, in Abstimmung mit der Heimaufsicht in Tuttlingen. Wir wollen ohne Verlust an Pflegeplätzen auskommen.

Es gibt aber einen Zeitplan?

Wir sind in Absprache mit den Behörden, um eine Übergangszeit gewährt zu bekommen. Wie lang die sein wird, wissen wir noch nicht. Dann muss aber alles in allen Gebäuden umgesetzt sein.

Und immer wieder Personalmangel. Wie können Sie den Beruf Altenpflege schmackhaft machen?

Weil ich auch selbst aus der Pflege komme, beschäftigt mich das Thema. Wir arbeiten mit der Fachschule für Altenpflege und der Leiterin Astrid Schmid eng zusammen. Wir haben versucht, unsere Ausbildung noch attraktiver zu machen. Deshalb sind zwei Praxisanleiter freigestellt, damit Schüler gut durch die Ausbildung kommen und wir sie als Fachkräfte behalten können.

Was verbirgt sich unter Generalistik?

Generalistik heißt, dass wohl in zwei Jahren die bisher getrennte Ausbildung zum Alten- und Krankenpfleger ersetzt wird durch die Ausbildung zur Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Beide sollen zunächst die gleiche Basis bekommen. Dazu muss man mit Pflegeheim, Krankenhaus und Sozialstationen kooperieren. Am Ende des Wegs kann der Absolvent in allen Bereichen arbeiten und selbst entscheiden: Liegt ihm eher Krankenhaus oder Altenpflege?

Was heißt das für die Schule?

Wir brauchen genügend Leute mit Realschul-Abschluss, die in die Ausbildung gehen. Und wir wollen hier in Geisingen die einjährige Ausbildung zum Helfer weiter anbieten. Unser Ziel ist, die Leute so zu fördern, dass sie Spaß am Beruf haben und dann weitermachen.

Wie steht es um die Qualität der Auszubildenden?

Die Schule versucht Deutschkurse anzubieten und auch Ausländer zu integrieren. Ich hätte gerne mehr Bewerber für die Ausbildung zur Fachkraft. Wir wissen im Augenblick nicht, wo wir sie herkriegen und versuchen, sie über Werbemaßnahmen zu bekommen, auf Messen und in Kooperation mit Schulen. Es sind halt 365 Tage rund um die Uhr Bewohner zu versorgen, auch in Schichtarbeit.

Wie steht’s um die Vorschläge aus der Politik?

Natürlich versucht die Politik jetzt da einzuspringen. Man muss hoffen, dass dies keine Eintagsfliege bleibt. Die größte Schwierigkeit ist die Sprache. Wir haben einige Auszubildende aus Kamerun oder aus Pakistan. Die haben es geschafft, aber es sind sehr wenige. Zu sagen, jeder kann pflegen: Dagegen wehr ich mich. 80 Prozent in diesem Beruf läuft über Sprachliches.

Ein Anstieg um mehr als 200 000 Pflegebedürftige in den letzten zwei Jahren, der Fachkräfte-Bedarf steigt?

Ja. Das Pflegeheim ist ja schon als letzte Station zu sehen. Auch wenn ich betreutes Wohnen oder ambulante Versorgung stärke, wird der Bedarf an Pflegekräften ja nicht geringer.

Wo setzen Sie Ausrufezeichen?

Wir wollen und müssen die Vorgaben der Landesheimbauverordnung umsetzen. Der Weg ist lang, aber wir müssen ihn konsequent gehen. Es geht auch um eine gute Ausbildung. Meine Arbeit macht Stress, manchmal Ärger. Ich bin aber froh, dass ich etwas neu gestalten kann. Mein größter Wunsch: Ein gutes Team, nicht nur in der Verwaltung, sondern im ganzen Heim. Eins greift ins andere. Die Arbeit eines jeden besteht darin, Bewohner gut zu betreuen.

Fragen: Manfred Beathalter