Ist ein Dorfladen in Kirchen-Hausen realisierbar? Zur Beantwortung dieser Frage ergab eine Bürgerbefragung aufschlussreiche Erkenntnisse. Ulrich Neumann, Referent beim Dienstleistungsnetzwerk für Bürger- und Dorfläden, das die Umfrage fachlich begleitete , präsentierte in der jüngsten Sitzung dem Ortschaftsrat die Ergebnisse über das Einkaufsverhalten in Kirchen-Hausen. Dem Ortschaftsrat ist es ein wichtiges Anliegen, die Grundversorgung im Ort nachhaltig zu verbessern.

Vor allem die Generation 65plus wünscht sich einen Dorfladen

Mit einer Rücklaufquote von 34 Prozent lag die Umfrage im Durchschnitt solcher Erhebungen anderswo. Bei der Auswertung überrascht zunächst, dass 84 Prozent der Befragungsteilnehmer keine Schwierigkeiten haben, Lebensmitteleinkäufe zu erledigen Die restlichen 16 Prozent geben als Grund für ihre Probleme ein fehlendes Auto, schlechte Busverbindung, vor allem aber Zeitmangel wegen Berufstätigkeit an. Trotz der mehrheitlich nicht gesehenen Problematik halten es 81 Prozent für notwendig, die örtliche Versorgungssituation insbesondere durch einen Dorfladen zu verbessern. 83 Prozent, vor allem die Altersgruppe ab 65 Jahren, gab an, mindestens ein- bis zweimal je Woche dort einzukaufen.

Regionale Produkte sind Verbrauchern wichtig

Wichtige Kriterien sind ihnen jedoch: der Preis, stimmige Öffnungszeiten (vor- und nachmittags), fußläufige Erreichbarkeit und regionale Produkte. Nur drei Prozent würden Lebensmittel im Internet bestellen. Die Bereitschaft, sich in das Projekt aktiv einzubringen, ist jedoch gering. Nur 24 Prozent würden einen Genossenschaftsanteil zeichnen, sechs Prozent im Arbeitskreis, 16 Prozent beim Ladenausbau und 13 Prozent im laufenden Betrieb mitarbeiten. Als weitere Dienstleistungen werden Post, Paketannahme, Reinigungsannahme und ein Tagescafé gesehen.

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In der ebenfalls vorgelegten Standortbewertung geht das Beratungsunternehmen von einer Umsatzerwartung von jährlich bis zu 660 000 Euro aus. Der Ertragsberechnung wurden jedoch vorsichtshalber nur 350 000 Euro zu Grunde gelegt. Die Verkaufsfläche wird bei 150 Quadratmeter gesehen mit einer maximalen Öffnungszeit von 54 Wochenstunden und einem Bedarf von fünf Mitarbeitern einschließlich Teilzeit- und Aushilfskräfte. Bei einem Eigenkapitaleinsatz von 75 000 Euro und entsprechenden Fördermitteln wird zwar anfangs ein gewisses negatives Ergebnis nicht ausgeschlossen, in die Berechnung sind jedoch Aufwendungen für einen Neubau eingeflossen.

Nur vier Gemeinderatsbesucher zeigen Interesse für Dorfladen-Planung

Der Fachberater kam zu dem Ergebnis: „Ein Dorfladen ist in Kirchen-Hausen realisierbar, Frische und Regionalität sind die Stärke eines Dorfladens. Hinzu kommt eine Cafeteria als sozialer Treffpunkt.“ Wichtig für den Erfolg sei die Qualität des Personals. Zudem gelte es, die Bürger durch gezielte Aktionen zu aktivieren. Der Gedankenaustausch des Ortschaftsrates mit dem Experten über das komplexe Thema zeigte zwar durchaus eine Aufgeschlossenheit, ließ jedoch auch der Risiken wegen eine gewisse Skepsis erkennen, zumal im Gegensatz zur Auftaktveranstaltung nur vier Zuhörer zur Sitzung gekommen waren. Jedenfalls sollte ein Arbeitskreis in den weiteren Prozess einbezogen werden.