Die Geisinger Fasnet 2020 steht im Zeichen zweier Geburtstage: Zum einen feiern die Geisinger Hexen ihr 70-jähriges Bestehen was der Geisinger Fasnet in diesem Jahr auch das Motto prägt „Roter Rock und blondes Haar, iseri Hex word 70 Jahr.“ Nach der Gründung der Zunft 1858 war dann fast taggenau vor 65 Jahren, ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Zunft: Die Aufnahme in die Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte.

Bei der Narrenversammlung der Zunft im vollbesetzten Pfarrheim wurde der Fahrplan für die närrischen Tage nochmals festgezurrt. Inzwischen hat die Zunft mit einer stattlichen Abordnung am großen, alle vier Jahre stattfindenden Narrentreffen der Vereinigung in Bad Cannstadt teilgenommen. Bei der Narrenversammlung konnten auch langjährige Narren der Geisinger Zunft durch den Landschaftsvertreter Baar der Vereinigung, Karl Heinz Zeller, aus Immendingen ausgezeichnet und geehrt werden.

Orden von der Vereinigung gibt es für langjährige Geisinger Narren (von links): Udo Heppler, Rene Pommereau, Bernhard Schill, Jörg Becker, Tobias Huber, Günter Hemens, Landschaftsvertreter Karl Heinz Zeller, Bernhard Schacherer und Alexander Höfler.
Orden von der Vereinigung gibt es für langjährige Geisinger Narren (von links): Udo Heppler, Rene Pommereau, Bernhard Schill, Jörg Becker, Tobias Huber, Günter Hemens, Landschaftsvertreter Karl Heinz Zeller, Bernhard Schacherer und Alexander Höfler. | Bild: Paul Haug

Die Jubiläumsgruppe, die Hexen, hatte bei der Gründung vor 70 Jahren einen hohen Frauenanteil. Von den fünf Gründungsmitgliedern waren drei Frauen. Elise Fromm, Maria Hettich und Elisabeth Nill hatten zusammen mit Hans Engesser und Max Seger im Gasthaus Hirschen beschlossen, eine Hexengruppe zu gründen, nachdem bereits vor dem Krieg von fastnachtlichem Treiben einzelner Hexen berichtet wurde. Am „Schmotzige Dunnschtig“, am 16. Februar 1951, hatte die neu gegründete Gruppe ihren ersten großen Auftritt. Die letzte Frau die offiziell Mitglied der Hexen gewesen ist, war Susi Nagel. Seither ist die Hexengruppe eine reine Männergruppe, wie im übrigen der Narrenrat auch.

Geschlechtlich gemischt sind die Hansele, während die Gretele wiederum naturgemäß aus Frauen bestehen, inzwischen erfreulicherweise verjüngt.

Die Scheme der Hexen ist aus Lindenholz geschnitzt, versehen mit flachsblonden Zöpfen und bedeckt mit einem getupften Kopftuch. Eine karierte Bluse, Schuhe aus Stroh, dazu passende Schürze, gestrickte Strümpfe rot-blau geringelt, rot-blaue Handschuhe und ein knorriger Besenstock machen das Häs der Hexen komplett. Mittlerweile ist die Hexengruppe zu einer reinen Männerdomäne geworden und besteht aus 25 Mitgliedern. Es gibt aber auch sogenannte AH-Hexen, damit umging man die zahlenmäßige Beschränkung auf 25. Altgediente Hexen, die sich nach wie vor zur Gruppe zugehörig fühlen, aber nicht mehr wie „Furien durch die Gassen fegen“ (so die Statuen der Zunft), sind in der zahlenmäßig nicht begrenzten Untergruppe der AH-Hexen angesiedelt.

Die Hexengruppe ist für das Aufstellen des Narrenbaumes verantwortlich und macht am schmotzigen Donnerstag vor dem Narrenbaumstellen so manchen Scherz. Die Hexen nehmen neben dem Hexentanz auch mit einem Programmpunkt am Zunftabend teil, und auch zum Ausklang am Fasnet-Dienstag sind sie wieder beim Hexenverbrennen aktiv dabei, wenn sie die Mithexe Kunigunde als Symbol der Fasnet verbrennen und die letzten Reste auf dem Postplatz zusammenkehren. Beim alljährlichen Kinderferienprogramm sind die Hexen seit vielen Jahren mit dem Late-Night-Kino dabei. Da darf man nun gespannt sein, was die Hexen anlässlich ihres Jubiläums während der fünften Jahreszeit auf die Beine stellen.