Mit viel Optimismus und Zielstrebigkeit geht Geisingens neuer Rektor seine neue Aufgabe an: „Warum tust Du Dir das an, wie hat man Dich bestochen?“ Diese Fragen wurden im letzten Herbst mehrfach im Kreis des Kollegiums an den neuen Geisinger Schulleiter Jürgen Tränkler gestellt, als er seine Bewerbung für die Rektorenstelle abgegeben hat, wie er bei der offziellen Amtseinführung vor wenigen Tagen schmunzelnd sagte. Die Schulleitung in Geisingen sieht er als besondere Herausforderung, übernimmt er doch das Amt in einer äußerst schwierigen Situation, was die Zukunft der Werkrealschule betrifft. Es gab dreimal hintereinander keine fünfte Klasse, was die Schulbehörde dann nach dem Gesetz veranlasste, den Status Werkrealschule abzuerkennen. Die vorhandenen Klassen acht bis zehn dürfen noch bleiben, dann ist der Status weg. Es sei denn, Tränkler schafft es wieder, eine fünfte Klasse zu bilden, dann beginnt das Verfahren von vorne. Gegen den Aufhebungsbeschluss hat die Stadt als Schulträger bekanntlich Klage eingereicht. Für einen wie Tränkler, der sein Leben lang Herausforderungen suchte, nahezu alle Sportarten durchgemacht hat und auch Marathon oder andere Wettbewerbe absolviert hat, oder gar allein den Yukon in Alaska erlebte, ist es eine echte Herausforderung.

  • Was hat er für ein Ziel? Der 60-Jährige möchte die Schule wenn er sie in vermutlich fünf Jahren als Schulleiter abgibt, in einem sehr geordneten Zustand übergeben: "Eine Top-Grundschule mit entsprechender pädagogischer Konzeption und eine Schule, die vernetzt ist", sagt der Rektor. "Für das Bauliche ist die Stadt zuständig, aber auch hier bin ich zuversichtlich." Denkt Tränkler denn nun schon an die Pension? Weit gefehlt. Er ist derzeit kaum zu beneiden mit den vielen Baustellen, die er hat. Denn er identifiziert sich mit der Schule, was deutlich wird, wenn er von „meiner Schule und meinen Schülern“ spricht. Und bei seinen vielen Baustellen kann er auf die volle Unterstützung des Lehrerkollegiums bauen, was auch schon beim Vortrag des Kollegiums bei der Amtseinführung deutlich wurde.
  • Fünfte Klasse: „Es ist schier unmöglich, eine fünfte Klasse einzurichten. Ich bin im ständigen Kontakt mit Schülern, Eltern und Lehrern aus den Grundschulen Leipferdingen und Kirchen-Hausen und natürlich von Geisingen", sagt Tränkler. Er sieht die Chance gering, gibt aber nicht auf und kämpft. Vielleicht gelingt es doch noch. "Wir haben den schwächsten Jahrgang der vierten Klasse seit Jahrzehnten mit gerade 24 Schülern", so Tränkler. Aber einer der stets die sportlichen Herausforderungen bis an die Leistungsgrenze gesucht hat, gibt auch hier nicht auf.
  • Zehnte Klasse: Auch hier hat Tränkler im letzten Schuljahr mit Unterstützung vieler erreicht, eine zehnte Klasse einzurichten. „Ich habe in Geisingen neun Schüler der neunten Klasse, die gerne das zehnte Schuljahr absolvieren wollen, ich muss noch sieben gewinnen“, rechnet er vor. Er ist diesbezüglich auch mit anderen Schulen, unter anderem mit Immendingen, im Kontakt. Verkehrsanbindungen und Beziehungen zu Schulen im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es so gut wie keine, was hier negativ ist. Es ist auch ein anderer Zuständigkeitsbereich des Schulamtes. Trotzdem gibt Tränkler nicht auf, solange er auch nur einen Hauch einer Chance sehe, betont er.
  • Lehrerversorgung: Geisingen hat im nächsten Schuljahr eine Klasse mehr und eine Kollegin geht in Rente. Schon heute müsse man mit dem Schulamt die Lehrersituation ansprechen. Die vierte Klasse ist nur einzügig, im neuen Schuljahr gibt es wieder zwei erste Klassen, womit die gesamte Grundschule zweizügig ist.
  • Konrektorenstelle: Diese ist seit dem neuen Schuljahr ebenfalls vakant, eine Chance hat die Geisinger Schule auf eine solche Stelle, wenn die Schülerzahlen langfristig über 180 liegen. Dies wird in naher Zukunft in Geisingen nicht mehr der Fall sein. Im März finden deshalb Gespräche in den Ortschaftsratsgremien von Leipferdingen und Kirchen-Hausen statt, bei denen es um eine gemeinsame Schulleitung aller drei Grundschulen geht. Denn die personelle Situation der beiden Grundschulen ist alles andere als positiv, da in Kirchen-Hausen Annemarie Mang mit Ende des Schuljahres in Pension geht und der derzeit kommissarische Leiter von Leipferdingen ebenfalls seine Versetzung aus persönlichen Gründen beantragt hat. Auch diese Herausforderung nimmt Tränkler an und sieht über den Tellerrand hinweg, sieht die Raumschaft und nicht nur Geisingen.

Zur Person

Jürgen Tränkler (60) hat 1980 sein erstes und 1985 sein zweites Examen abgelegt und kam 1989 an die Geisinger Schule. Nachdem die Schulleitung zum Schuljahreswechsel vakant war, wurde er zum kommissarischen Leiter bestellt. Er ist seit November Rektor der Geisinger Grund- und Werkrealschule. Jürgen Tränkler wohnt im benachbarten Oberbaldingen und wurde vor einer Woche offiziell in sein Amt eingeführt. (ph)