Die lange Trockenheit und die Hitzewelle haben auch von dem Fischbestand in der Aitrach ihren Tribut gefordert. Wie der Vorsitzende Thomas Müller und Gewässerwart Rainer Wullich von der Anglergemeinschaft Kirchen-Hausen, welche das Gewässer von Kirchen-Hausen bis Leipferdingen befischt, im Gespräch mit dem SÜDKURIER informieren. Der extrem niedrige Wasserstand und der durch die beträchtliche Erwärmung des sonst eher kühlen Wasserlaufes eingetretene Sauerstoffmangel hat insbesondere den Bachforellen und den Äschen stark zugesetzt. "Es fehlen die Rückzugsmöglichkeiten im Gewässer", betont der Gewässerwart. Der zum Fischwasser der Gemeinschaft dazugehörige Weiher bei Leipferdingen ist sogar umgekippt.

Hinzu kommt, dass nach einer im vergangenen Jahr von der Fischereiforschungsstelle in Langenargen durchgeführten Studie die Bachforellen in der Aitrach unter der Nierenerkrankung PKD leiden. Die Krankheit bedeutet zwar nicht, dass es automatisch zu Verlusten im Fischbestand kommen muss. Bei erhöhten Wassertemperaturen und Sauerstoffmangel ist diese Erkrankung für die Forellen jedoch tödlich. Die Angler hoffen deshalb sehr, dass zu den inzwischen zurückgegangenen Temperaturen in der nächsten Zeit ergiebige Niederschläge kommen.

Doch selbst dann bleiben den Anglern grundlegende Sorgen. „Seit vor zehn Jahren der Kormoran an der Aitrach einfiel und den zuvor relativ großen Fischbestand dezimierte, hat sich dieser trotz nachhaltiger Bemühungen und jährlichen Einsatz nicht erholt“, so die beiden Experten. Insbesondere bei jungen Mitgliedern schwindet bei dem dadurch fehlenden sprichwörtlichen „Anglerglück“ das Interesse.

Die Anglergemeinschaft verfolgt deshalb das Ziel einer Gewässerrenaturierung. Zur Verbesserung der unbefriedigenden Gewässerstruktur, die auch im gewissen Zusammenhang mit den wasserbaulichen Eingriffen in den 60er- und 70er-Jahre steht, wird eine Verbesserung des Sauerstoffseintrags, eine Beschattung durch Uferbepflanzung mit Erlen und Weiden, die Schaffung von sogenannten Gumpen und die Reduzierung der Fließgeschwindigkeit durch Buhnen aus Holzelementen angestrebt.

Eine solche Teststrecke hat die Anglergemeinschaft bei Leipferdingen bereits geschaffen. Die 35 Mitglieder zählende und von den Vorsitzenden Thomas Müller und Jerome Krieger geleitete Gemeinschaft kann jedoch die Strukturverbesserung auf der langen Strecke nicht alleine stemmen. Beklagt wird zudem die Schwierigkeit, die Vielzahl der divergierenden Interessen für erforderliche Genehmigungen unter einen Hut zu bringen.