Zu wenige oder zu viele Schüler? Seit 55 Jahren beschäftigt diese Frage Schulträger und Schulverwaltung. In den letzten Jahren stand die Geisinger Schule ja immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit, aber auch der Schulverwaltung. 1961 beispielsweise hatte Geisingen gerade einmal vier Lehrer, dann folgte im gleichen Jahr eine fünfte Lehrerstelle. Das alte Schulhaus platzte aus allen Nähten, 1963 erfolgten Spatenstich und Richtfest für das neue Schulhaus, derzeit das älteste Gebäude, das die Bezeichnung Schulhaus I trägt. Doch lediglich der Kubus erinnert noch an das ursprüngliche Gebäude.

1959 kam zu den drei vorhandenen Lehrern eine junge Pädagogin aus Freiburg hinzu: Roswitha Röhrle. Schulleiter war Robert Knapp, der zusammen mit den Lehrern Gruber und Keller in Geisingen unterrichtete. Röhrle wurde in Geisingen seßhaft und erlebte die ganze Schulentwicklung mit. "Im alten Schulhaus gab es vier Klassenzimmer, kein Lehrerzimmer und südlich des Gebäudes wurde einmal ein Gebäude errichtet, das als sogenanntes Labor bezeichnet wurde, dann aber auch als Schulraum benutzt wurde", sagt die pensionierte Lehrerin. Turnunterricht gab es, wie sich Roswitha Röhrle erinnert, dafür wurden die Bänke zur Seite geschoben und in den Schulräumen geturnt, mit den Mädchen machte man einen Spaziergang in Richtung Hintschingen und dort auf einer Wiese fand dann der Turnunterricht statt, blickt sie zurück. Mit dem Buben fand bei schönem Wetter auf dem Sportplatz in der großen Breite Sportunterricht statt. Aber: „Wir haben uns in der alten Schule auch wohlgefühlt, es gab keine hohen Ansprüche“, erinnert sich Roswitha Röhrle. Sie hat auch einmal nach der Pensionierung von Robert Knapp die Schulleitung kommissarisch übernommen, hatte aber nie den Wunsch, die Schule zu leiten. "Verwaltung war nicht mein Fach", sagt Roswitha Röhrle.

So sieht das Gebäude I heute aus (rechts). Links der Bauabschnitt II, der derzeit als Provisorium für die Kindergärten umgebaut wird, dazwischen im Hintergrund das Gebäude III.
So sieht das Gebäude I heute aus (rechts). Links der Bauabschnitt II, der derzeit als Provisorium für die Kindergärten umgebaut wird, dazwischen im Hintergrund das Gebäude III. | Bild: Paul Haug

Sie hat 1959 die erste Klasse des Jahrgangs 1952 übernommen und was einmalig war und ist, bis zum neunten Schuljahr als Klassenlehrerin beibehalten. Dies war auch der erste Jahrgang, der das neunte Schuljahr besuchte. Der Umzug in den Neubau war schon ein Quantensprung, aber bald wurden die Räumlichkeiten wieder zu eng, so dass Klassen wieder ausgelagert wurden, für eine gewisse Zeit wieder in die alte Schule, in der sich heute die Volksbank befindet, oder auch ins katholische Pfarrheim.

Nach und nach stiegen die Schülerzahlen an. In den Folgejahren wurde das Schulgebäude dann durch zwei weitere Gebäude erweitert. Die Klassengröße stieg auf über 30 Schüler an, die neunte Klasse des Jahrgangs 1952 war mit den Schülern aus Gutmadingen zusammen. 1962 waren Schüler aus Hamburg Gastschüler in Geisingen, die aufgrund der Sturmflut ausgelagert wurden und bei Geisingern Unterkunft fanden.

„Man musste einfach vielfach improvisieren“, erinnert sich Röhrle. Ein zweitägiger Ausflug war für die damalige Volksschule beispielsweise undenkbar. Mit den Schülern des Jahrgangs 1952 wurde ein solcher Ausflug erst nach mehreren Interventionen des damaligen Villinger Schulrats mit der Bemerkung „setzen Sie ein i-Tüpfelchen auf die gemeinsame lange Schuleit“ genehmigt.

Fakten zur Geisinger Schulgeschichte

Eine lange Tradition hat das Schulwesen in der Stadt Geisingen

  • Schulhistorie: Schon währen des 30-jährigen Krieges stand dem Schulwesen in Geisingen ein Gebäude zur Verfügung, das den Krieg nicht überstand. Danach war die Schule im Rathaus untergebracht. 1890 erhielt die Stadt wieder ein eigenes Schulhaus, das heutige Volksbankgebäude. Die Zuzüge nach dem Zweiten Weltkrieg brachten mehr Schüler und als die ersten Diskussionen über die Einführung eines neunten Schuljahres aufkamen, wurde ein Neubau ins Auge gefasst.
  • Der Neubau: Am Fuße des Roßberges sollte das neue Schulzentrum entstehen. 1962 wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, der Rastätter Architekt Klaus Kapuste erhielt den Zuschlag für das Schulgebäude und die Festhalle. Im Dezember 1963 konnte bereits Richtfest gefeiert werden, die Einweihung erfolgte am 29. August 1964 im Rahmen der 1200-Jahr-Feier. Das Gebäude enthielt acht Normalklassenzimmer, Ausweichklasse, Lehrerzimmer, Schulleiter- und Konferenzraum, Kochküche, eine Pausenhalle, vier Räume im Kellergeschoss, ein Physikraum und auf dem Dach eine Sternenwarte. Das Gebäude I war der erste Bauabschnitt. In den letzten Jahren wurde hier viel investiert in Brandschutz sowie Energieeinsparung. Die WC-Anlagen wurden erneuert, ebenso die Fenster. Derzeit laufen Planungen über die restlichen Brandschutzmaßnahmen sowie die energetische Sanierung der Nordfassade.
  • Der zweite Abschnitt: Dies war die Festhalle, die eigentlich noch vier weitere Klassenzimmer haben sollte, die aber nie gebaut wurden. Die alte Festhalle wurde 1970/1971 gebaut und an Fasnacht 1971 in Betrieb genommen. Bis dahin wurden noch zwei der Schulräume als Turnräume genutzt, der Turnunterricht bei schönem Wetter fand auf dem Sportplatz statt. Die Festhalle kam in die Jahre und wurde 2013 abgerissen, um dem neuen Hallenkomplex von Stadthalle und Turnhalle Platz zu machen.
  • Bauabschnitt II: Dieses Gebäude wurde rund zehn Jahre später errichtet, da durch Schul- und Gemeindereform die Schülerzahl auf über 500 gestiegen war. Derzeit wird der Abschnitt II als Ausweichquartier für die Kindergärten während des Umbaus des Kindergartens Stadtgraben hergerichtet. Über dieses Gebäude gab es schon viele Gutachten, sogar ein Abriss wurde schon diskutiert. Der Abschnitt II hatte Lehrerzimmer, Rektorat, vier Klassenzimmer und einen großen Werkraum.
  • Bauabschnitt III: 1990 wurde der Bauabschnitt III gebaut, da der Platz erneut zu klein wurde. In diesem Gebäude sind die Schulküche, ein mehrfach abteilbarer Musikraum, Lehrerzimmer, Rektorat, Chemie- und Physikraum sowie einige Klassenzimmer untergebracht. Sorgen bereitet hier das undichte Dach und Investitionen hinsichtlich Brandschutz stehen an.
  • Schulentwicklung: Erstmals seit Bestehen des Schulwesens in Geisingen ist die Schule nur noch eine Grundschule. Der Werkrealschule wurden durch den Wegfall der Grundschulempfehlung buchstäblich die Schüler abgegraben, die Klassenstärken für die fünfte Klasse wurden mehrfach unterschritten. Im letzten Jahr wurde die letzte zehnte, in diesem Jahr die letzte neunte Klasse verabschiedet. (ph)