Auch Schreiben und Recherchieren kann eine sinnvolle Nutzung der Lockdown-Zeiten sein, zumal für einen Deutschlehrer im Ruhestand. Der gebürtige Furtwanger Ronald Holzmann, lange Jahre Schulleiter in Denzlingen, hat einen Roman verfasst mit dem Titel „Von Schildermalern und Uhrmachern“.

Manch einer mag der Meinung sein, für dieses Thema sei der Markt gesättigt. Doch was dem Autor mit diesem Werk gelungen ist, kann als nicht mehr und nicht weniger denn ein umfassendes Panorama der Lebensverhältnisse im „Uhrenland“ der letzten Jahrhunderte bis in die Gegenwart bezeichnet werden. Und quasi nebenbei erfährt man viel Wissenswertes über die Uhrmacherei und das Schildermalen.

Mit dem Tod des Schildermalers beginnt sozialer Abstieg

Das Titelblatt mit schmucker Lackschilduhr nimmt den Leser mit in die Biedermeierzeit. Der Text beginnt mit dem plötzlichen Tod des Schildmalers, der als erfolgreicher angesehener Handwerker mit Frau und zwei Töchtern in St. Märgen lebte. Aus dem Blickwinkel der zehnjährigen Konkordia erlebt man nun die traditionellen katholischen Begräbnisrituale mit und wird mitgenommen auf den weiteren Lebensweg der Frauen, die ohne den Ernährer mit dem sozialen Abstieg zurecht kommen müssen.

Dramatische Schicksalsschläge

Was diesen Hinterbliebenen an schweren Schicksalsschlägen widerfährt, könnte nicht dramatischer erdacht sein, und doch handelt es sich hier um die tatsächliche Familiengeschichte des Verfassers. Mit Briefen, offiziellen Urkunden und Fotos belegt er immer wieder die Ereignisse, Entscheidungen, Querschläge und auch Lichtblicke im Dasein der weiteren Generationen. Die Leser werden Zeugen des Umbruchs in der Uhrmacherei, die sich vom häuslichen Handwerk zur Industrie entwickelt, um schließlich in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hart bedrängt zu werden vom asiatischen Markt.

Lebendige Biografien

Konkordias Schwiegersohn hat das Glück, bei der neu gegründeten Furtwanger Uhrenfabrik Baduf unterzukommen, wofür er sogar unvorstellbar lange Fußmärsche in Kauf nimmt. Ein tragischer Unfall macht ihn jedoch zum Invaliden und die Familie gerät ins Elend. Uns wird erst bewusst, was das Überleben einer Familie ohne jede Versicherung bedeutet. Ohne jede Sentimentalität, aber mit aller Empathie zeichnet Holzmann die Biografien seiner Vorfahren höchst lebendig nach, erläutert sachlich, wie unverbrüchlich die früheren Generationen an christlicher Lebensführung festhalten, wie sehr auch das katholische Glaubensgerüst ihnen Opfer abverlangt, aber ebenso Halt bietet.