Aktives Musizieren kann Erinnerungen besonders stark auslösen und so zum nachhaltigen Wohlbefinden von Menschen mit Demenz beitragen. Nicht zuletzt deshalb ist das Anhören und Singen von Liedern ein wichtiger Bestandteil der Biografie- und Erinnerungsarbeit. Das macht sich jetzt ein außergewöhnliches Projekt der Hochschule Furtwangen (HFU) zunutze, wie die Hochschule mitteilt.

App für Tabletcomputer soll auch Betreuer entlasten

Das HFU-Projekt RemeMTI entwickelt eine App für Tabletcomputer. Sie soll die Biografiearbeit und Erinnerungspflege bei der Betreuung von dementen Menschen unterstützen. Ziel ist es auch, die Betreuungspersonen zu entlasten und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

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Moderne Aufnahmen oft ungeignet

Einfach auf vorhandene Musikeinspielungen zurückgreifen kann die HFU allerdings nicht. Denn eine große Herausforderung besteht bei der Einbindung von Musik zur Behandlung darin, dass moderne Musikaufnahmen oft nicht für diese Personengruppe – und insbesondere nicht zum Mitsingen – geeignet seien, so die Hochschule. Die Lieder würden zu schnell, zu hoch oder zu verkünstelt aufgenommen. Ein weiteres Problem stelle das Urheberrecht dar. Für die Nutzung kommerzieller Werke bedürfe es in der Regel einer ausdrücklichen Genehmigung der Rechteinhaber.

Besonders demenzfreundliche Stücke ausgewählt

Das Team des Projekts RemeMTI an der Hochschule Furtwangen (HFU) habe sich aus diesen Gründen dazu entschieden, ausgewählte Stücke selbst aufzunehmen. Nur so könnten besonders demenzfreundliche und wirksame Aufnahmen erstellt werden. Hierzu würden bekannte (Volks-)Lieder ausgewählt, deren Urheber seit mehr als 70 Jahren verstorben seien und die damit als gemeinfrei gelten.

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Zusammenarbeit von Studierenden mit Kirchenchor

„Für die Aufnahmen haben sich die Studierenden Anna Lotz und Nico Müller aus dem Musikreferat der HFU und Ilse Stöckl vom evangelischen Kirchenchor Furtwangen zusammengetan und gemeinsam im Tonstudio der Fakultät Digitale Medien musiziert“, so die HFU. Instrumental begleitet wurden die Lieder von Ilse Stöckl auf dem Klavier.

Volkslieder aufgenommen

So seien zunächst die drei Lieder „Die Gedanken sind frei“, „O du fröhliche“ und „Hejo, spann den Wagen an“ als dreistimmige Kanons mit Hilfe des Tonassistenten Melvin Busch aufgenommen worden. Organisiert wurde das Teilprojekt von Ramona Kienzler aus dem RemeMTI-Projekt. „Für die Zukunft sind weitere Aufnahmen, voraussichtlich mit der Musikhochschule Trossingen, geplant“, heißt es weiter in der Mitteilung.

Pflegeeinrichtungen für Studie gesucht

Die eingesungenen Lieder ergänzen neben weiteren digitalen Medien wie Bildern und Videos den Inhalte-Pool der Erinnerungspflege-App. Für eine geplante Studie werden Pflegeeinrichtungen gesucht. Diese können die App kostenfrei testen. Auskünfte gibt Ramona Kienzler, Telefon 07723/9 20 29 76, E-Mail an kina@hs-furtwangen.de

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