Das Deutsche Uhrenmuseum Furtwangen hat wieder geöffnet. Zugleich erlebten die Verantwortlichen einen Glücksfall: Sie bekamen eine Astronomische Kalenderuhr geschenkt, die Christoph Jäckle aus St. Georgen zwischen 1947 und 1948 ausgetüftelt und gebaut hat.

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Der Uhrenkonstrukteur Jäckle (1894 bis 1983) hatte das Wunderwerk in deckungsgleichen Exemplaren seinen sechs Kindern zugewendet. Eine der Beschenkten war die jetzt 98-jährige Gertrud Staiger, die zusammen mit ihrem Sohn Martin Staiger, der Betriebsleiter der Uhrenfabrik Kundo Staiger war, das Prachtstück dem Deutschen Uhrenmuseum übergab.

Der Tüftler, Erfinder und Techniker Christoph Jäckle aus St. Georgen.
Der Tüftler, Erfinder und Techniker Christoph Jäckle aus St. Georgen. | Bild: Deutsches Uhrenmuseum

Professor Eduard C. Saluz begrüßte im Beisein der Museumsangehörigen Eva Renz und Johannes Graf die Gäste. Trotz Maskenpflicht verlief die Begegnung in herzlicher Atmosphäre. Saluz betonte die regionale historische Bedeutung des Werkes, das während der Kriegsjahre entstand. Der wissenschaftliche Mitarbeiter Johannes Graf ging auf den Konstrukteur ein.

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Jäckle stammte aus Buchenberg, wo sein Vater noch als Leineweber tätig war. Bald wurde sein Talent entdeckt und er konnte zunächst bei der St. Georgener Uhrenfabrik Philipp Haas & Söhne eine Lehre beginnen und danach an der Furtwanger Uhrmacherschule lernen, wo er 1911 und 1913 bester Schüler war. 1921 wurde er Werkmeister und Konstrukteur für technische Laufwerke und feinmechanische Geräte bei der Firma Tobias Bäuerle (TB).

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In seiner Freizeit beschäftigte sich Jäckle mit astronomischen Uhren, von denen die erste bereits 1930 als Bodenstanduhr entstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte er für einen Geschäftsleiter eine Uhr als Geschenk entwickeln, die 1952 fertig gestellt wurde. Ein weitere, bedeutungsvoll komplexe Uhr entstand 1970, die jetzt das Phonomuseum St. Georgen ziert.

46 Patente

Wie Gertrud Staiger berichtete konnte Christoph Jäckle 46 Patente für die Firma TB an Land ziehen. Legendär erschien die Anekdote: Eines der Schmuckstücke sollte an einen holländischen Direktor von Philips gehen. Doch als der Tag der Übergabe erfolgen sollte, verunglückte der Schenknehmer tödlich. Erfreut ist die Betagte, dass ein Jäckle-Nachfolger die Musik für das Uhrenhandwerk aufgab.

Tickender Tausendsassa

Die dem Uhrenmuseum überlassene Uhr zeigt in der Mitte ein Zifferblatt mit Zwölfstundenanzeige. Die Nabe der Zeiger ist gleichzeitig Symbol für die Erde, die bei entsprechendem Stand Mond- oder Sonnenfinsternis anzeigt. Weitere Ringe zeigen den Umlauf von Sonne und Mond und deren Lage im jeweiligen Tierkreis an sowie die jeweiligen Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond. Ferner kann man die einjährige Umlaufzeit der Sonne und den monatlichen Umlauf des Mondes ablesen, wobei die Mondkugel hell und dunkel halbiert ist und entsprechend der jeweiligen Phasen zu sehen ist. Im unteren Bereich der Uhr befindet sich die Anzeige von Wochentag und Datum, wozu der religiöse Uhrmacher den Psalmspruch „Meine Zeit steht in Deinen Händen“ hinzufügte. Berücksichtigt sind ferner die Schaltjahre.

Umfangreiche Dokumentation

Als Antrieb dient ein kleiner Elektromotor mit 220 Volt. Das Uhrwerk ist nebst Gehwerk mit einem Rechenschlagwerk versehen, das für einen Halb- und Stundenschlag sorgt. Der Erfinder hat für nachfolgende Generationen eine sechsseitige Dokumentation mit entsprechenden Funktionserläuterungen hinterlassen.

Die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Eva Renz, sorgt dafür, das die Einbahnregelung eingehalten wird.
Die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Eva Renz, sorgt dafür, das die Einbahnregelung eingehalten wird. | Bild: Siegfried Kouba
  • Personalaufwand: Das Museum wurde nach vierwöchiger Schließung am 18. Mai wieder geöffnet und bereits wenige Minuten nachdem die Pforte offen war, fanden sich schon Gäste ein. Mindestens drei Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sorgen für einen geregelten Besucherstrom und bei Bedarf wird der Stamm aufgestockt. Eine zusätzliche Aufsichtsperson befindet sich im Eingangsbereich.
  • Hygieneregeln: Viel Arbeit hatten alle zu erledigen, um den Anforderungen von HFU und Gewerbeaufsichtsamt nachzukommen. Im Bereich der Atomuhr und der Musikautomaten herrscht Einbahnregelung. Ferner sind dort Sitzgelegenheiten im nötigen Abstand postiert. Im Foyer sind bis auf die untere Sitzreihe die Sitzplätze gesperrt. Maximal 80 Gäste dürfen gleichzeitig das Museum besuchen und beim Empfang dürfen es maximal zehn Leute sein. Schon im Außenbereich weist eine Tafel auf die Verhaltensmaßregeln hin. Personen mit Erkältungssymptomen oder Fieber haben keinen Zutritt und obligatorisch ist der 1,50-Meter-Abstand. Führungen sind nicht erlaubt; nur die Vorführung von Musikautomaten ist möglich.
  • Öffnungszeiten: Neu ist für Museumsleiter Eduard C. Saluz und sein Personal, dass das Museum montags entgegen der bisherigen Regelung geschlossen und nur noch von Dienstag bis Sonntag geöffnet ist. Die Besucher (Eintritt: sieben Euro) können aus dem riesigen Schatz von 8000 Exponaten bis zu 1300 Uhren besichtigen. Geöffnet ist jeweils von 9 bis 18 Uhr, ab November dann von 10 bis 17 Uhr.

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