Ein technisches Wunderwerk ist als Objekt des Monats April im Deutschen Uhrenmuseum zu bestaunen. Die Furtwanger Organisatoren wählten „eine kleine Himmelsmaschine“ aus, konstruiert durch Christoph Jäckle (1894 bis 1984) aus St. Georgen.

Lauf von Planeten und Monden verständlich dargestellt

Jäckle war nicht nur ein bekannter Uhrenbastler, sondern als Musiker eine Institution der Bergstadt, der „Posaunen-Jäckle“ genannt wurde. Beruflich war er immer auf Spurensuche nach etwas Extravagantem. Seit 1921 war er in der Firma Tobias Baeuerle tätig und als Hobby baute er ausgefallene Uhrenwerke mit astronomischen Anzeigen. Der Lauf von Planeten und Monden sollte hierbei verständlich dargestellt werden.

Uhr eine Spende seiner Tochter Gertrud Staiger

Das Uhrenmuseum schreibt dazu: „Kalender und Uhren sind wie Geschwister. Beide helfen uns, den Überblick über die Zeit zu erhalten“. Jäckle war von den Vorgängen im All fasziniert und baute erstmals 1926 eine große Uhr mit astronomischer Anzeige. Später fertigte er weitere Einzelstücke oder Serien, teils als Geschenke an seine Kinder. Eines dieser ausgefallenen Werke erhielt seine Tochter Gertrud Staiger, Ehefrau des Uhrenfabrikanten Werner Staiger, die im vergangenen Jahr das Objekt dem Uhrenmuseum schenkte.

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Astronomische Uhren gab es bereits seit dem Mittelalter, doch die Begeisterung über den Lauf der Gestirne blieb immer aktuell und Christoph Jäckle ließ sich bannen, um den geheimnisvollen Vorgängen auf die Spur zu kommen.

Genaues Hinsehen gefordert

Leicht erkennbar ist die Kalenderanzeige, doch beim oberen Kreisrund ist . Zentral ist das Zifferblatt zu erkennen, das mit zwölf Stunden die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) anzeigt. Der äußere Ziffernring mit 24 Stunden zeigt mit einer kleinen goldenen Sonne die mittlere Ortszeit von St. Georgen, die knapp eine halbe Stunde von der MEZ abweicht. Zwei weitere Scheiben markieren den Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Ergänzt wird alles mit der Sichtbarmachung von Tierkreiszeichen und Mondphasen und deren wechselbezüglichem Verhältnis.

Eine besondere Funktion kommt einem dünnen Drahtring mit zwei Pfeilen zu. Er stellt die Bahn der Erde um die Sonne dar. Kreuzt der Mond die Laufbahn, womit ein „Mondknoten“ entsteht, kann die Mondfinsternis anzeigt werden.

Technische Finessen

Die technische Finesse erklärt das Museum folgendermaßen: „Damit all dies im richtigen Zusammenspiel und Verhältnis zueinander funktioniert, dürfen die Skalen nicht still stehen. Sie müssen sich unterschiedlich schnell mitbewegen. Der Sonnenzeiger für die Uhrzeit dreht sich einmal in 24 Stunden. Der Ring mit den Tierkreiszeichen ist ein wenig schneller und braucht 3 Minuten und 56 Stunden weniger. Der Mondzeiger dagegen ist etwas langsamer und braucht 50 Minuten und 28 Sekunden länger für eine komplette Umdrehung.“

Jäckle setzt Meilenstein für Familie und Museum

Jäckle hat damit nicht nur für sich und seine Familie einen Meilenstein gesetzt, sondern auch ein Erbe für Generationen von Museumsbesuchern hinterlassen. Angetrieben wird die „Himmelsmaschine“ durch ein mechanisches Uhrwerk mit Stahlfeder. Alle 15 Sekunden wird die Feder von einem kleinen Elektromotor aufgezogen. Damit gelang dem Erfinder die Verbindung von klassischer Uhrmacherei und zeitgenössischem Anspruch elektrischer Antriebe. Fachwissen, Fantasie und perfekte technische Verwirklichung paarten sich.

Da das Museum noch geschlossen ist kann die Uhr im Internet unter https://blog.deutsches-uhrenmuseum.de/2021/04/01/kalenderuhr begutachtet werden.