Nach fast 17-jähriger Tätigkeit verlässt Direktor Eduard C. Saluz das Deutsche Uhrenmuseum zum 30. Juni. Er gab dem Haus mit seiner 168 Jahre langen Geschichte neue Impulse. So schloss er gezielt Lücken in der Sammlung, richtete die Ausstellung auf kulturgeschichtliche Aspekte aus und verschaffte der Forschung am Uhrenmuseum neues Gewicht.

Eduard Saluz hat die Entwicklung des Deutschen Uhrenmuseums geprägt. Bild: Saluz
Eduard Saluz hat die Entwicklung des Deutschen Uhrenmuseums geprägt. | Bild: Eduard C. Saluz

Zeitenwende in der Schwarzwälder Uhrenindustrie

Um die Jahrtausendwende war die Schwarzwälder Uhrenindustrie nach der schwersten Krise ihrer Geschichte bis auf wenige Reste verschwunden. Darauf musste nun auch das Deutsche Uhrenmuseum reagieren, das bislang vor allem eine Leistungsschau der aktuellen und vergangenen Tendenzen in Uhrentechnik und -produktion gewesen war.

Große Umgestaltung der Schausammlung

Saluz ließ die Schausammlung umgestalten. An Stelle von Erklärungen, wie eine Uhr funktioniert, wollte das Museum andere Fragen beantworten: Wie ist es dazu gekommen, dass der Schwarzwald über Jahrhunderte vom Uhrenbau geprägt wurde? Welche Stellung spielten und spielen Zeit und Uhren im Leben jedes Einzelnen?

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Moderne kulturgeschichtliche Präsentation

Um das Wissen für diese Neuausrichtung zu erhalten, erweiterte das Museum intensiv die Bibliothek und erschloss andere Informationsquellen wie Firmenschriften. Auf der Basis dieses Wissensschatzes erarbeitete Saluz mit dem Museumsteam eine neue kulturgeschichtliche Präsentation zu Uhr und Zeitmessung von der Antike bis in die Gegenwart.

Weltweit größte und bedeutendste Kollektion an Schwarzwalduhren

Bezugspunkt bildet dabei der gewichtigste Teil der Sammlung, die größte und bedeutendste Kollektion an Schwarzwalduhren weltweit. Um diesen Kern gruppieren sich wie bei einer Zwiebel die Objekte zur Uhrengeschichte in Deutschland und der Welt. Auf diese Weise konnte der Anteil der süddeutschen Uhrenregion und seine Verflechtung mit nationalen und internationalen Entwicklungen deutlich werden.

Museum für Fachgäste und Touristen aus aller Welt

Als international ausgerichtetes Museum für Fachgäste und Touristen sind heute alle Texte und Führungen in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar. Besonderes Augenmerk richtete Saluz darauf, dass das Museum auch ganz individuell und nicht wie bislang vor allem durch eine Führung besucht werden konnte.

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Urbild der Kuckuckusuhr seit 2003 in Museumsbesitz

Immer wieder kamen dabei auch neue Highlights aus den vergangenen 300 Jahren ins Museum. Eine kleine Sensation war es, als das verschollen geglaubte Original der Bahnhäusleuhr, das Urbild der populären Kuckucksuhr, 2003 aus Privatbesitz in das Museum gelangte.

Prototyp der Billig-Quarzuhr stammt aus St. Georgen

Eher unscheinbar, aber nicht weniger folgenreich für den Schwarzwald ist der Prototyp der weltweit ersten Billig-Quarzuhr von 1970, gebaut in St. Georgen. Denn hier im Schwarzwald begann der Siegeszug der elektronischen Uhren, der tragischerweise den Niedergang der traditionellen Uhrenindustrie einleitete.

16 Bücher und 70 Fachartikel als Resultat eigener Forschungsarbeit

Das Deutsche Uhrenmuseum gehört zur Hochschule Furtwangen. Deshalb lässt es sich nicht nur auf die Anliegen der Besucher ein, sondern betreibt eigenständige Forschung. So entstanden unter Saluz 16 Bücher zur Geschichte von Uhr und Zeit sowie mehr als 70 Artikel für angesehene Fachorgane. Viele Forschungsergebnisse wurden einem breiten Publikum in Sonderausstellungen nahegebracht.

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Heute ist das Deutsche Uhrenmuseum dank Eduard Saluz nicht mehr nur touristische Attraktion, sondern international bedeutende Forschungseinrichtung für Uhr und Zeit.

Noch kein Nachfolger parat

Wie geht es nun weiter mit der Leitung des Deutschen Uhrenmuseums? Von Hochschul-Sprecherin Jutta Neumann war am Donnerstag zu erfahren, dass es noch keinen Nachfolger gibt. Bis dieser gefunden sei, übernehme der bisherige stellvertretende Museumsleiter, Johannes Graf, die Führung kommissarisch.