Die Caravan-Fachwelt blickt erstaunt nach VS und Furtwangen: Ein heimisches Unternehmen hat jüngst ein hölzernes Wohnmobil vorgestellt und damit für eine Weltneuheit gesorgt. Das Interesse an dem hölzernen Gefährt ist groß.

Glanzlicht auf Messe in Düsseldorf

„Warum machen wir nicht selbst ein Wohnmobil aus Holz?“ Diese Frage bei Familie Offenburger sorgte dafür, dass Sohn Oliver (31) und Vater Stefan (58) nun mit einer Weltneuheit aufwarten können. Denn das Familien-Duo, bei dem Stefan als Zimmerer für die hölzerne Kompetenz und Oliver als Wirtschaftsingenieur für die wirtschaftlichen Grundlagen und digitalisierte Arbeitsweisen sorgte, führte nach der Vorstellung beim Caravan-Salon in Düsseldorf zu Aufruhr in den Fachkreisen. „Das war ein Eyecatcher auf der Messe und wurde auch als Highlight vorgestellt“, erklärt Oliver Offenburger. Sämtliche etablierten Wohnmobilhersteller hätten sich erstaunt und fast schon demütig auf dem Stand des VS-Unternehmens umgeschaut und das hölzerne Gefährt unter die Lupe genommen.

CDU-Landtagskandidat Raphael Rabe (links) zeigt sich gemeinsam mit Tourismusminister Guido Wolf (rechts) vom Holzmobil beeindruckt, welches Stefan Offenburger (Zweiter von rechts) mit seinem Sohn konzipiert und gebaut hat.
CDU-Landtagskandidat Raphael Rabe (links) zeigt sich gemeinsam mit Tourismusminister Guido Wolf (rechts) vom Holzmobil beeindruckt, welches Stefan Offenburger (Zweiter von rechts) mit seinem Sohn konzipiert und gebaut hat. | Bild: Marc Eich

Schon vor Jahren kam die erste Idee

Entstanden sei die Idee vor fünf oder sechs Jahren, erinnern sich Vater und Sohn zurück. Die Camping-Begeisterten hätten sich um die vielen Weichmacher in den herkömmlichen Wohnmobilen gesorgt, wollten lieber ein gänzlich anderes Reisen erleben. Und zwar ganz aus Holz. Mit dem zusammengetragenen Knowhow habe man sich Gedanken gemacht, wie dieses Wohnmobil umgesetzt werden könnte.

Lange Überlegungen und Tüfteleien

In Furtwangen, dem Hauptstandort der Zimmerei, habe man erste Teile vorgefertigt, insbesondere die Holzschale. In Villingen, dem ursprünglichen Außenlager der Zimmerei und dem jetzigen Firmenstandort des neu gegründeten Unternehmens „Holzmobil“, sei das Fahrzeug schließlich nach jahrelangen Überlegungen und Tüfteleien seit dem April 2019 zusammengebaut worden.

Traditionelles Handwerk und moderne Elemente

„Wir haben traditionelles Handwerk mit Modernem verbunden“, berichten sie. Eine atmungsfähige Membran im vorderen Schlafbereich sorge beispielsweise dafür, dass feuchte Luft nach außen getragen werde, während nach innen keine Feuchtigkeit eindringen könne. Unter dem acht Millimeter dicken Außenholz sorge eine ebenfalls hölzerne Dämmung für eine entsprechende Isolierung. „Auch das Raumkonzept ist neu“, erklärt Offenburger Junior. Dabei sei das Wohnmobil sogar 16 Zentimeter schmaler als die konventionellen Modelle – was im Inneren jedoch nicht auffällt. Mit ausgeklügelten Systemen wird aus dem Flur beispielsweise plötzlich ein überraschend geräumiges Bad. Vom Wohlfühlcharakter im Stile eines Blockhauses ganz zu schweigen.

Sonnenstromanlage an Bord

Und auch sonst muss aus technischer Sicht auf nichts verzichtet werden. Statt Gas wird auf Strom gesetzt – eine Photovoltaikanlage in Kombination mit einem leistungsstarken Akku sorgt dafür, dass drei Tage autark gelebt werden kann. Inklusive Einsatz eines Induktionsherds und mehrerer Fernseher.

Das könnte Sie auch interessieren

Aufgesetzt ist die hölzerne Wohnwelt auf ein MAN-Zugfahrzeug. „Das ist eigentlich eher ein Expeditionsfahrzeug“, macht Stefan Offenburger deutlich. Denn dank des Allradantriebs könne auch in schwierigem Gelände gefahren werden. Das derzeitige Gewicht von 3,8 Tonnen soll noch auf 3,5 Tonnen reduziert werden, um das Fahren mit einem Autoführerschein zu ermöglichen.

Preis liegt bei 185 000 Euro

Und wie sieht die Nachfrage aus? Sehr viele Interessenten hätten sich bereits gemeldet. „Zwei neue Fahrzeuge gehen direkt Ende Mai raus“, erzählt der 31-Jährige. Die Kapazitäten seien momentan ohnehin noch begrenzt, man wolle deshalb langsam wachsen. „Das Ganze war ja eh ein Hobby – es war jetzt nicht die Idee, damit mords Geld zu verdienen“, betonen sie. Der Preis von 185  000 Euro sei schon allein aufgrund der aufwändigen Arbeit und der kostspieligen technischen Ausstattung zu rechtfertigen.

Gänzlich angetan von dem Fahrzeug und dem Unternehmergeist zeigten sich auch CDU-Landtagskandidat Raphael Rabe und der Tourismusminister von Baden-Württemberg, Guido Wolf, bei einem Vor-Ort-Termin. Für Rabe spiegelt sich der Erfinderreichtum der hiesigen Tüftlerregion in diesem Fahrzeug wider. „Es geht darum, das Potenzial zu erkennen­ – als kleine Firma aus dem Schwarzwald kann man dann sagen: ,Wir revolutionieren die Wohnmobilbranche!‘“ Wolf freut sich, dass den Menschen im Tourismus mit solchen Projekten gezeigt wird, dass es weitergeht, „zumal Wohnmobile völlig im Trend sind!“