„Hier entscheidet es sich“, meint Jens Kerll, Förster im Staatsrevier Martinskapelle, „ob die Reise Richtung Nordsee oder Schwarzem Meer geht“ – und zwar im Forstrevier Martinskapelle in der Nähe der Donauquelle. „In meinem Revier entspringen in geringer Entfernung nicht nur die Donau, die ins Schwarze Meer fließt, sondern auch die Elz und die entwässert in den Rhein.“

Jens Kerll, Förster im Staatsrevier Martinskapelle, freut sich über jeden Tropfen Regen.
Jens Kerll, Förster im Staatsrevier Martinskapelle, freut sich über jeden Tropfen Regen. | Bild: Forstbehörde

Hier oben zwischen Brend und Martinskapelle verläuft die Wasserscheide quer durch das neue Forstrevier von Jens Kerll. „Man merkt den Unterschied, ob wir im Danubischen Einzugsgebiet arbeiten oder Richtung Rheintal.“ Während die Hänge zum Rhein eher steil und schroff abfallen, sind die Hänge im Einzugsbereich der Donau etwas sanfter, erklärt Philipp Weiner, stellvertretender Leiter des Forstbezirks Hochschwarzwald.

„Nun kam zusammen, was zusammengehört.“

„Mein Revier wurde im Zuge der Neugründung des Staatsforstbetriebes zum Januar 2020 neu zusammengestellt“: Dies sei sinnvoll, so Kerll, da zuvor aufgrund der Zuordnung zu verschiedenen Landkreisen zusammenhängende Waldflächen von verschiedenen Personen betreut wurden. „Nun kam zusammen, was zusammengehört.“

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Die Flächen rund um die Martinskapelle sind von Nadelbäumen geprägt, hauptsächlich von Fichte. Aber durch aktiven Waldumbau, Käfer und Sturm ändert sich etwas im Wald. „Unsere älteren Bestände werden noch von Fichten dominiert. In den jüngeren Bereichen sind vermehrt Buchen, Ahorn, Tannen und auch die Douglasie zu finden“, das sei vor dem Hintergrund des Klimawandels eine positive Entwicklung, erklärt er.

Erfahrene Mitarbeiter weiter im Team

„Das Jahr hat nicht so gut begonnen“, bedauert Kerll, der in seinem Revier rund 14  000 Festmeter Schadholz durch Sturm Sabine schätzt. „Ich bin wirklich froh, meine erfahrenen Mitarbeiter weiterhin im Team zu haben“, sagt Kerll, als Josef Haber­stroh, der Forstmaschinenführer der Waldarbeitergruppe mit zwei dicken Stämmen um die Wegbiegung gefahren kommt. „Josef ist schon ewig im Wald tätig“, erzählt Kerll, aber Jahre wie 2018 und 2019 hat auch er noch nie erlebt.

Wieder ein sehr arbeitsreiches Jahr

Haberstroh, selbst Waldbesitzer und Landwirt, kann sich nicht an so trockene Sommer erinnern. „2003 war extrem, aber halt nur ein Jahr. Auf 2018 folgte ja mit 2019 noch ein sehr trockenes und heißes Jahr.“ Den ganzen letzten Herbst und zum Teil auch über den Winter war die Gruppe mit Einschlag von Käferholz beschäftigt.

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„Gerade dachten wir, es ist erstmal geschafft und dann der Sturm. Nun wieder ein sehr arbeitsreiches Jahr“, prognostiziert Hubert Fischer, Vorarbeiter der sechs Mann starken Waldarbeitergruppe. Die aktuelle wirtschaftliche Lage macht die Vermarktung der aufgearbeiteten Schadhölzer nicht einfacher. „Liegenlassen ist jedoch keine Option“, so Kerll, es gehe schließlich darum, noch größeren Schaden in den Wäldern zu vermeiden.

Nasslager keine dauerhafte Option

Daher werde alles Holz, das nicht zur direkten Weiterverarbeitung in die Sägewerke kommt, in Nasslagern konserviert. „Wir beregnen die Stämme mit Wasser, dies verhindert eine Ausbreitung von Schadorganismen und die Holzqualität bleibt erhalten.“ Aber auch dies sei keine dauerhafte Option. „Wenn wir nicht bald größere Mengen an Niederschlag bekommen, müssen wir die Wasserentnahme aus den Bächen einstellen“, befürchtet Kerll.

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Falle der Wasserspiegel unter einen kritischen Pegel, könnten Fische und andere Wasserlebewesen geschädigt werden. Der Borkenkäfer entwickelt sich gerade rasant in den vom Sturm geworfenen Hölzern, aber auch stehende Bäume sind schon befallen. Es gilt, die Käferepidemie nicht zu einer großen Katastrophe werden zu lassen. „Aus einem Baum fliegen viele Käfer aus, die dann wiederum eine Vielzahl an Bäumen befallen können.

Hoffnung auf Regen

Der Borkenkäfer hat einen Reproduktionsfaktor von 20: „Wenn wir nichts tun würden, könnten aus einem befallenen Baum in der ersten Käfergeneration 20, bis September 400 werden“, erklärt Philipp Weiner. So bleibt den Waldarbeitern und Förstern nur die Hoffnung auf Regen, unabhängig davon, ob der dann letztlich im Schwarzen Meer oder der Nordsee landet.

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